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Jägerstraße 89-95

Fakten

Jägerstraße 89-95

Jägerstraße 89-95, 1200 Wien

Baujahr: 1964-1966

Wohnungen: 541

Architekt: Werner Schröfl, Heinz Scheide, Johannes (Hans) Hohenegger, Liselotte Zauner, Rudolf Jarosch, Max R. Gosch, Othmar Augustin, Siegfried Mörth, Norbert Ullreich

Weitere Adressen

Adalbert-Stifter-Straße 34, 1200 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Anfang des 20. Jahrhundert gab es auf dem betreffenden Grundstück die Niederlassung eines Hadern-Geschäftes (Hadern = Lumpen). Das zweigeschoßige Gebäude mit Wohnräumen, Kanzlei, Schuppen und Garage diente der Einlagerung und dem Sortieren von Tuch- und Papierabfällen. Die heutige Wohnhausanlage wurde von mehreren Architekten geplant, der erste Bauteil nahe der Adalbert-Stifter-Straße stammt von Rudolf Jarosch. Die drei parallel zueinander stehenden Wohnblöcke wurden von Othmar Augustin, Werner Schröfl, Maximilian Gosch, Norbert Ullreich, Heinz Scheide und Johann Hohenegger gemeinsam ausgeführt. Der nördlichste Wohntrakt geht auf die Pläne von Liselotte Zauner und Siegfried Mörth zurück.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage steht auf einem annähernd dreieckigen Grundstück zwischen der Jägerstraße und der Adalbert-Stifter-Straße und besteht aus vier langgestreckten Wohnblöcken. Trotz der Zusammenarbeit von mehreren Architekten lässt sich ein einheitliches Konzept erkennen, bei dem vor allem die schlichte Gestaltungsweise im Vordergrund steht. Der erste Bauteil - nahe der Adalbert-Stifter-Straße - besteht aus einem sechsgeschoßigen Wohntrakt, in dem vier Stiegen untergebracht sind. Die hofseitige Fassade gliedert sich in Fenster- und Balkonachsen; an der nach Westen ausgerichteten Hauptfassade wird zur Gänze auf Balkone verzichtet. Stattdessen unterbrechen verglaste Stiegenhäuser die gleichmäßige Gliederung der glatten Wand. Neben dem ersten Wohnblock und senkrecht zur Jägerstraße sind drei achtgeschoßige Wohntrakte in Zeilenbauweise angeordnet. An den südseitigen Fassaden wechseln sich Fenster- und Balkonachsen ab. Die nach Norden ausgerichteten Schauseiten sind ohne Balkone, aber mit risalitartigen Stiegenaufgängen gestaltet. Nördlich davon schließt ein weiterer Wohnblock mit acht Geschoßen an, der parallel zur Jägerstraße steht. Die hofseitige Fassade gliedert sich in Fensterachsen, wobei die Wandfläche über den Stiegeneingängen durch eine blaue Färbung akzentuiert wird. Dazwischen sorgen Bauteile, die leicht vor die Baulinie treten, für eine Rhythmisierung der Fassade. Die Schauseite zur Jägerstraße setzt sich aus Fensterachsen und mehreren breiten Loggien zusammen. Begrünte Flächen mit Sitzmöglichkeiten und eine Parkfläche an der Adalbert-Stifter-Straße ergänzen die Wohnhausanlage.

... und die Kunst

Auf dem Vorplatz an der Adalbert-Stifter-Straße befindet sich eine Figur aus Chromnickelstahl von Josef Schagerl. Die Plastik trägt den Titel "Figuration" und wurde in den Jahren 1964-1966 angefertigt.

Der Name

Die Straße, an der die Wohnhausanlage liegt, ist seit 1858 nach dem Jägerhaus benannt. Dieses Haus wurde 1645 neben der Brigittekapelle zu deren Schutz erbaut, die Jägerstraße gilt als die erste Straße der Brigittenau.

Sanierung

von 2003 bis 2004

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 und 2004 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Werner Schröfl - Werner Schröfl (geb. 1930 in Wien) besuchte zunächst die Bundesgewerbeschule in Wien und studierte ab 1949 an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse von Lois Welzenbacher (Abschluss 1953). Nach einigen Praxisjahren in den Büros von Karl Schwanzer und Wilhelm Hubatsch, in denen er nebenbei immer wieder freischaffend tätig war, eröffnete Werner Schröfl 1953 sein eigenes Atelier. Für die Gemeinde Wien plante er unter anderem jeweils im Architektenkollektiv einen Bauteil der Wohnhausanlagen Eisenstadtplatz 4-8 und Patrubangasse 9 in Wien 10. Werner Schröfl war auch an der Realisierung des Karl-Wrba-Hofes in Wien 10 (Sahulkastraße 3-5) beteiligt und entwarf Anfang der 1960er-Jahre das Versammlungshaus der Herz-Jesu-Kirche in der Einsiedlergasse 9-11, Wien 5.

Heinz Scheide - Heinz Scheide (geb. 1924 in Mödling) studierte nach geleistetem Kriegsdienst von 1945 bis 1951 an der Technischen Hochschule Wien. Nach dem Studium war er zunächst bei der Stadtplanung Wien und bei der Österr. Donaukraftwerke AG tätig, für die Heinz Scheide unter anderem das Kraftwerk Aschach und verschiedene Bauten des Kraftwerkes Ybbs-Persenbeug plante. Als selbstständiger Architekt ab 1961 entwarf er mehrere Verwaltungsgebäude für den Bund und gestaltete von 1965 bis 1985 zahlreiche internationale Messestände für die Österreichische Wirtschaftskammer. Zu seinen prominentesten Bauwerken gehören das Bundesamtsgebäude Hintere Zollamtsstraße 1 in Wien 3 (1988-1991), das Schifffahrtszentrum Wien, Handelskai 265, Wien 2 (1981), und das Österreichische Botschaftsgebäude in Neu-Delhi, Indien (1982).

Johannes (Hans) Hohenegger - Hans Hohenegger studierte bis 1951 bei Franz Schuster an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Seit 1957 betreibt er in Wien sein eigenes Büro mit Schwerpunkt Krankenhaus- und Verwaltungsbau. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen das Hanuschkrankenhaus in Wien 14, das St. Anna Kinderspital in Wien 9, das Rudolfinerhaus in Wien 19 und das Gebäude der Flugverkehrskontrolle Wien 3.

Liselotte Zauner - Liselotte Zauner (geb. 1927 in Wien) studierte von 1945 bis 1952 Architektur an der Technischen Universität Wien. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in verschiedenen Architekturbüros, bis sie sich 1957 als Architektin selbstständig machte. Im Zuge des Wiederaufbaus arbeitete Liselotte Zauner in den 1950er-Jahren auch als Bauleiterin und Prüfingenieurin für die Stadt Wien, wobei sie vor allem im 2. und 20. Bezirk (im Bereich Ausstellungsstraße/Vorgartenstraße) für die Wiederinstandsetzung von beschädigten Wohnhäusern zuständig war. 1973 trat L. Zauner in das Architekturbüro von Otto Frank ein, wo sie unter anderem an der Planung und Ausführung von Rehabilitationszentren und Sonderkrankenanstalten in Saalfelden, Bad Aussee und Bad Ischl mitarbeitete. Seit 1988 befindet sich Liselotte Zauner im Ruhestand.

Rudolf Jarosch - Rudolf Jarosch (1917-2004) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Schrödingerhof in Wien 10, Gußriegelstraße 42-50 (1961-1963), und Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956).

Max R. Gosch - Max Roland Gosch (1929-1991) studierte von 1947 bis 1952 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1953 die 2. Staatsprüfung ablegte. Nach seinen Plänen wurde unter anderem die kommunale Wohnhausanlage Jagdschlossgasse 40 in Wien 13 (1976-1978) errichtet.

Othmar Augustin - Othmar Augustin (geb. 1923) studierte nach geleistetem Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg an der Technischen Universität Wien. Schon während des Studiums arbeitete er im Atelier von Franz Sturm mit. Im Anschluss war er in einem Statikerbüro tätig und führte auch Überprüfungen für den Wiederaufbaufonds durch. Als selbständiger Architekt widmete sich Othmar Augustin vor allem dem Wohn- und Schulbau und erstellte diverse Ortsplanungen. Unter anderem war er an der Verbauung der Draschegründe in Wien 23 und des Eisenstadtplatzes in Wien 10 beteiligt. Seit 1995 ist Othmar Augustin in Pension.

Siegfried Mörth - Siegfried Mörth (1904-1990) studierte an der Technischen Hochschule Wien. Er war zunächst in den Baubüros von Robert Oerley und Hubert Gessner beschäftigt, bevor er sich 1929 als Architekt selbständig machte. Bereits unter dem Regime der Nationalsozialisten errichtete er mehrere Siedlungs- und Wohnbauten in Wien und in Linz. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf er einige Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien sowie Bürohäuser und zahlreiche Restaurants in Wien und Umgebung.

Norbert Ullreich - Norbert Ullreich (geb. 1928) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien an den Plänen zur Wohnhausanlage Jägerstraße 89-95 in Wien 20 (1965-1966) beteiligt.

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