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Johann Böhm Wohnhausanlage

Fakten

Johann Böhm Wohnhausanlage

Brigittaplatz 1-2, 1200 Wien

Baujahr: 1960-1961

Wohnungen: 439

Architekt: Heinz Surböck, Wilhelm Kroupa, Rudolf Kowarz, Otto Hofmann, Fritz Waage, Matthias Lukas Lang, Walter Proché

Weitere Adressen

Johann-Böhm Wohnhausanlage , 1200 Wien

Pappenheimgasse 18-28, 1200 Wien

Jägerstraße 47, 1200 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

An der Stelle des Gemeindebaus stand zuvor das Gasthaus Ockermüller, in dem Gespräche zwischen Bürgermeister Dr. Karl Lueger und dem Gemeinderat Lorenz Müller stattfanden, die schließlich am 24. März 1900 zur Abtrennung des 20. vom 2. Bezirk und somit zur Selbstständigkeit der Brigittenau führten. Aufgrund der stärkeren Bevölkerungszunahme und der Ausweitung der verbauten Gebiete war eine gesonderte Verwaltung notwendig geworden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus drei quer zum Brigittaplatz angeordneten Häusern mit je vier Stiegen sowie zwei Häusern mit je drei Stiegen entlang der Pappenheimgasse. Die Errichtung in Zeilenbauweise ist ein beliebtes städtebauliches Modell der 1960er-Jahre. Jedes Wohnhaus ist acht Geschoße hoch und schließt mit einem flachen Walmdach ab, das auf einem umlaufenden Dachgesims aufsitzt. Vier der fünf Scheiben sind 25 Fensterachsen lang, einzig das aus der Reihe springende Wohnhaus in der Pappenheimgasse 18-22 zählt nur 17 Fensterachsen. Die Gestaltungselemente sind bei allen fünf Wohnhäusern gleich, werden aber in ihrer Anordnung und Farbgebung von Baukörper zu Baukörper variiert: Richtung Süden sind drei Doppel- und eine Einzelbalkonreihe orientiert, die sich abwechselnd am linken bzw. rechten Rand der Fassaden befindet. Die glatten Putzfassaden sind in einzelne unterschiedlich große und farbige Felder aufgeteilt und lagern auf einem breiten Putzsockel auf. Alle vier Richtung Jägerstraße und die beiden zum Hannovermarkt zeigenden Stirnfassaden verfügen über zusätzliche Balkone. Die Nordfassaden sind als einfache Lochfassaden mit dreiflügeligen Fenstern ausgeführt, die durch die drei bzw. vier raumhoch verglasten Stiegenhäuser in regelmäßige Abschnitte unterteilt werden.

... und die Kunst

In der Grünanlage befindet sich eine freistehende, durchbrochene Wand aus 30 farbig glasierten Terrakottaplatten von Leopold Schmid: 15 davon zeigen Kutschen aus der Zeit zwischen 1886 und 1900, die 15 anderen zeigen Automobile zwischen 1899 und 1958.
Zwei Steinplastiken stellen Tiere dar: der "Sitzender Eisbär" von Trude Fronius (1961) und der "Bär mit Jungem" von Mathias Hietz (1962).
Zwischen der Wohnhausanlage und dem Hannovermarkt steht ein Gedenkstein mit einer Marmortafel, die an die Trennung des 20. vom 2. Bezirk erinnert.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde 1966 nach Johann Böhm (1886-1959), einem Gewerkschafter aus Niederösterreich, benannt. Böhm war SPÖ-Gemeinderat, Begründer und erster Präsident (1945-1959) des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Als Ehrenbürger der Stadt Wien erhielt er ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Architekten

Heinz Surböck - Heinz Surböck (1920-1979) studierte zunächst 1938/39 Maschinenbau an der Technischen Hochschule Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er hier 1946 sein Architekturstudium, das er 1950 mit der 2. Staatsprüfung abschloss. Ebenfalls an der TH Wien besuchte Heinz Surböck 1952/53 die Meisterschule. Für die Gemeinde Wien war er etwa an den Plänen zur Wohnhausanlage Hadikgasse 268-272 in Wien 14 (1953/54) beteiligt.

Wilhelm Kroupa - Wilhelm Kroupa (1911-1992) studierte bei Siegfried Theiss an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1936 promovierte. Er war zunächst bis 1945 im Architekturbüro Fritz Waage und Eugen Kastner angestellt und gründete nach 1945 mit Fritz Waage eine selbständige Arbeitsgemeinschaft, die vor allem Großprojekte für Wohnsiedlungen und Industrieanlagen in Wien und den Bundesländern realisierte, wie etwa die Erweiterung der Siedlung Am Freihof (Wien 22).

Rudolf Kowarz - Rudolf Kowarz (1923-1981) studierte von 1946 bis 1951 bei Oswald Haerdtl an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Für die Gemeinde Wien war er etwa an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Brigittaplatz 1-2 in Wien 20 (1960/61) beteiligt.

Otto Hofmann - Otto Hofmann (1912-1995) war Tischlermeister in Wien und studierte von 1929 bis 1932 an der Wiener Kunstgewerbeschule zunächst bei Carl Witzmann und im Anschluss von 1932 bis 1934 bei Josef Hoffmann. Otto Hofmann war im Atelier von Hans Prutscher tätig und entwarf vorwiegend Inneneinrichtungen und Dekorationen. Für die Gemeinde Wien war er an den Entwürfen zum Johann-Böhm-Hof in Wien 20, Brigittaplatz 1-2 (1960/61), beteiligt.

Fritz Waage - Fritz Waage (1898-1968) studierte an der Technischen Hochschule Wien und war Hospitant in der Architekturklasse von Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Er arbeitete zunächst im Büro von Hubert Gessner, bevor er sich 1928 mit Eugen Kastner selbständig machte. Bereits mit ihrem ersten Projekt, dem Umspannwerk Favoriten (Humboldtgasse 1 - 5, Wien 10, 1928 - 1930), erregten sie große Aufmerksamkeit. Nach 1945 arbeitete Waage vor allem mit Wilhelm Kroupa zusammen, mit dem er zahlreiche Wohnhäuser für die Gemeinde Wien realisierte.

Matthias Lukas Lang - Matthias Lukas Lang (geb. 1927 in Gmunden) studierte von 1946 bis 1951 an der Universität für angewandte Kunst in der Meisterklasse von Oswald Haerdtl. Danach arbeitete er unter anderem im Büro von Max Fellerer am Wiederaufbau des Parlaments in Wien mit, bevor er sich 1958 mit dem Architekten Peter Czernin selbstständig machte. 1970 gründete er sein eigenes Architekturbüro, das er bis heute führt. Ein Schwerpunkt seines Schaffens lag neben dem Büro- und Industriebau vor allem auf dem Wohnbau und dem Bauen für Kinder, wie etwa das viel beachtete Kindertagesheim Roterdstraße 12 in Wien 16 (1980-1984).

Walter Proché - Walter Proché (1920-1994) studierte an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1949 sein Diplom erhielt. Zunächst in einer Bürogemeinschaft mit Heinz Surböck tätig, führte er später sein eigenes Atelier, wobei er vor allem in den Bereichen Wohn-, Schul- und Sportanlagenbau arbeitete. So entwarf Proché für die Gemeinde Wien unter anderem die Schule in der Per-Albin-Hanson-Siedlung Wendstattgasse 5 in Wien 10 (1970/72) und als Mitglied einer größeren Arbeitsgemeinschaft die Wohnanlage Hadikgasse 268-272 in Wien 14 (1953/54).

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