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Klosterneuburger Straße 99

Fakten

Klosterneuburger Straße 99

Klosterneuburger Straße 99, 1200 Wien

Baujahr: 1959-1962

Wohnungen: 196

Architekt: Ferdinand Kitt, Alfons Binder, Joseph Zimmel, Otmar Patak, Walter Hübner, Viktor Fenzl

Weitere Adressen

Freiheitsturm , 1200 Wien

Adalbert-Stifter-Straße 10a, 1200 Wien

Adalbert-Stifter-Straße 10b, 1200 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Klosterneuburger Straße ist einer der ältesten Straßenzüge des Bezirkes Brigittenau, der zum Teil von späthistorischen Zinshäusern geprägt ist. Die Wohnhausanlage wurde ab 1959 nahe der heutigen Gürtelbrücke in zwei Bauabschnitten erbaut. Der erste Wohntrakt an der Klosterneuburger Straße wurde von Josef Zimmel und Viktor Fenzl geplant. Der zweite Bauteil mit den Stiegen 7-10 geht auf die Planung von Alfons Binder und Othmar Patak zurück. Der dreizehnstöckige Trakt wurde als letzter Bauteil nach den Plänen von Walter Hübner und Ferdinand Kitt errichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus drei Bauteilen, die als freistehende Wohnblöcke über rechteckigen Grundrissen angeordnet sind. Der erste Trakt mit sechs Geschoßen liegt an der Klosterneuburger Straße, wo sich auch der Durchgang zum Innenhof, zu den Stiegenaufgängen und den beiden anderen Bauteilen befindet. Die Fassade entspricht der einfachen Gestaltungsweise der damaligen Zeit; die glatte Wandfläche ist in Fensterachsen gegliedert. Eine Abwechslung stellen die Balkonachsen dar, die sowohl an der straßenseitigen als auch an der hofseitigen Fassade zur Anwendung kommen. Der zweite Trakt ist senkrecht dazu angeordnet und weist in Richtung Brigittenauer Lände. Auch hier kommt eine schlichte Gliederung zum Einsatz; die glatte Fassade löst sich in regelmäßige Fensterachsen auf. Der dritte Wohntrakt ragt aufgrund der dreizehn Geschoße weit hervor und setzt sich auch in der Gestaltung von den anderen Bauteilen ab. Die straßenseitige Fassade weist zur Adalbert-Stifter-Straße und gliedert sich in Fensterachsen. Die südseitige Hoffassade wird fast zur Gänze von Balkonachsen eingenommen, nur die vertikalen Wandflächen über den Eingängen unterbrechen den offenen Charakter. Der Innenhof und die Wohnungen sind auch von der Adalbert-Stifter-Straße zugänglich.

... und die Kunst

Vor den Stiegeneingängen sind insgesamt neun freistehende Betonwände mit Glasmosaiken aufgestellt, die zwischen 1959 und 1962 von verschiedenen Künstlern angefertigt wurden. Die Motive der Mosaike steht in Verbindung mit Astronomie und der Entstehungsgeschichte des Universums. Die Darstellungen mit den Titeln "Himmelsgewölbe" und "Spiralnebel" stammen von Hermine Aichenegg, Anton Lehmden entwarf das Motiv "Geschichte". Die Mosaike "Planetensystem" und "Sonnenfinsternis" wurden von Arnulf Neuwirth gestaltet, von Maximilian Melchior stammt das "Milchstraßentier im Kampf mit dem Bösen". Die Darstellungen "Herabfallender Himmelskörper" und "Aufsteigender Himmelskörper" gehen auf Karl A. Wolf zurück.

Der Name

Der dreizehnstöckige Wohnblock der Anlage trägt seit 1963 den Namen Freiheitsturm, der an die Opfer des österreichischen Freiheitskampfes gegen Faschismus und Diktatur erinnern soll. Eine Gedenktafel mahnt, die Opfer niemals zu vergessen, und ruft zum Einsatz für Menschenwürde und Freiheit auf.

Sanierung

von 2001 bis 2002

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen 2001 und 2002 wurde die Wohnhausanlage auch mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Die Kosten beliefen sich auf 1.191.700 Euro, davon konnten 397.233 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ferdinand Kitt - Ferdinand (Ferry) Kitt jun. (1919-1973), Sohn des gleichnamigen Malers und einer Musikerin, studierte Architektur an der TU Wien und war danach als freier Architekt in Wien tätig. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Haupt- und Sonderschule in Wien 11, Florian-Hedorfer-Straße 22 (1970-1971; gemeinsam mit Eugen Wörle). Kitt war auch an einer Reihe von Gemeindebauten beteiligt, darunter der Freiheitsturm in Wien 20, Klosterneuburger Straße 99 (1960-1962).

Alfons Binder - Über die Ausbildung des Architekten Alfons Binder (1896-1973) gibt es keine Daten. Für die Gemeinde Wien plante er vor allem im Zuge des Wiederaufbaus mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa die Wohnhäuser Bäuerlegasse 31 in Wien 20 (1963-1965) und Mundygasse 12 in Wien 10 (1956).

Joseph Zimmel - Joseph Zimmel (1915-1984) studierte vor dem Zweiten Weltkrieg Architektur an der Technischen Hochschule Wien und Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Dr. jur.). Nach geleistetem Kriegsdienst machte er sich als Architekt selbständig, wobei er zunächst mit Anton Siegl und später mit Josef Wenz zusammenarbeitete. Zu seinen ersten Projekten gehörten die Mitarbeit zur Planung der Donaukanal-Verbauung und das Möbeldesign für die Zweigstelle der Nationalbank in Graz. In Wien wurden nach Josef Zimmels Entwürfen unter anderem der Kindergarten und Pfarrheim der Pfarre Unter-Heiligenstadt in Wien 19 und das BRG Fichtnergasse in Wien 13 errichtet. In den Bundesländern plante er mehrere Siedlungen für die Wohngesellschaft Heimstätte, wie etwa in Lienz (T) und in Deutschlandsberg (Stmk.).

Otmar Patak - Otmar Patak (1907-2002) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1932 auch promovierte. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien in einer Arbeitsgemeinschaft an den Plänen zur Wohnhausanlage Ottakringer Straße 194-196 in Wien 16 (1980-1983) beteiligt.

Walter Hübner - Walter Hübner (1902-1988) studierte von 1920 bis 1925 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Troststraße 20-30 in Wien 10 (1952/53) und Langobardenstraße 23-27 in Wien 22 (1950-1959).

Viktor Fenzl - Viktor Fenzl (1882-1968) studierte an der Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste in Wien. Neben seiner Tätigkeit als Architekt lehrte er auch an der technischen Gewerbeschule in Wien. Über sein architektonisches Schaffen ist wenig bekannt. In der Schlöglgasse 28 in Hetzendorf ist von ihm ein frühes Wohnhaus aus dem Jahr 1910 erhalten.

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