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Alfred-Wunsch-Hof

Fakten

Alfred-Wunsch-Hof

Lorystraße 33-37, 1110 Wien

Baujahr: 1953-1959

Wohnungen: 105

Architekt: Walter Schwarz, August Bauer

Weitere Adressen

Gottschalkgasse 17-19, 1110 Wien

Hakelgasse 10-12, 1110 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

In einem Dokument von 1130 wird als Besitzer eines kleinen Ortes im Bereich der Laurenzkirche "Isinrich von Simmaningen" genannt. Bei den Von Simmaningens dürfte es sich um ein in dieser Gegend ansässiges Landadelsgeschlecht gehandelt haben, dessen Spuren sich im 14. Jahrhundert verlieren, als sich jedoch der Name Simmering für den Ort bereits etabliert hatte.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Simmering ein von Äckern und Gärten umgebenes, kleines Dorf. Erst Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier große Betriebe an, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, wie etwa die "Maschinen- und Waggonfabrik AG" und die erste Fabrik der Unternehmerfamilie Mautner Markhof. In der Folge entwickelte sich Simmering zum Arbeiter- und Industrievorort, der 1892 zusammen mit Kaiserebersdorf sowie kleinen Teilen von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk nach Wien eingemeindet wurde.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde ab 1953 in zwei Bauphasen nach Plänen von Architekten des Wiener Stadtbauamtes errichtet. Während der ersten Bauphase entstand das vier Stiegenhäuser umfassende Gebäude Ecke Lorystraße/Gottschalkgasse nach Entwürfen von August Bauer (MA 19). Entlang der Gottschalkgasse ist das Erdgeschoß durchgehend als Geschäftszone ausgebildet. Die durch das abfallende Geländeniveau entstehenden Höhenabstufungen gliedern hier die Front in drei Blöcke. Die Fenster sind gleichmäßig verteilt scharf in die glatte Putzfassade eingeschnitten. Rhythmisiert wird die lange Front nur durch die markant gerahmten Stiegenhausfenster, die durch einen Farbstreifen zu einem vertikalen Band zusammengefasst sind. An der schmalen Front zur Lorystraße brechen Balkone den geschlossenen Außenbau auf. Ein Durchgang führt von hier in den begrünten Innenhof, von dem aus die vier Stiegenhäuser erschlossen werden.

Ab 1957 erfolgte die Erweiterung der Anlage um drei Stiegenhäuser nach den Plänen von Walter Schwarz (MA 19). An der Lorystraße wurde an das bestehende Gebäude nahtlos ein Baukörper mit einem Stiegenhaus angebaut. Entlang der Hakelgasse entstand ein frei stehender, zwei Stiegenhäuser umfassender Block. Auch dieses Gebäude ist durch eine Höhenstufung in zwei Teile gegliedert, die durch farblich abgesetzte Stiegenhausachsen gekennzeichnet sind. Im Gegensatz zum älteren Baubestand strukturieren Achsen großer und kleiner Fenster die glatten Fassadenfronten. An der Kopfseite zur Lorystraße setzen zwei Achsen französischer Fenster markante Akzente. Im Zuge der Erweiterung erfolgte auch die Errichtung eines Ateliergebäudes im Innenhof, das aus zwei versetzt angelegten Baukörper besteht, deren hohe Hauptfronten jeweils in Glas aufgelöst sind.

... und die Kunst

An der Ecke Gottschalkgasse/Lorystraße ist ein von Franz Zülow aus bemalten Kacheln geschaffenes Wandbild mit Szenen aus der Simmeringer Haide angebracht (1954). Die "Knabengruppe" aus Naturstein in der Grünanlage an der Lorystraße stammt von Rudolf Schwaiger (1958/60).

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach dem langjährigen Simmeringer Bezirksrat Alfred Wunsch (1892-1979). Von 1920 bis 1929 war Wunsch Betriebsrat in der Simmeringer Waggonfabrik und schloss sich 1934 den Revolutionären Sozialisten an. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte er zu den Gründern der SPÖ Simmering. Darüber hinaus stand Wunsch lange Zeit dem Fürsorgeamt vor.

Sanierung

von 1989 bis 1990

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1989 und 1990 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Walter Schwarz - Wiener Stadtbauamt - MA19

August Bauer - August(in) Bauer (1895-1981) studierte ab 1918 bei Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Stadt Wien plante er unter anderem die Wohnhausanlage Albertplatz 7 in Wien 8 (1953/54) und den ersten Bauabschnitt des Alfred-Wunsch-Hofes in Wien 11, Lorystraße 33-37 (ab 1953).

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