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Treustraße 61-69

Fakten

Treustraße 61-69

Treustraße 61-69, 1200 Wien

Baujahr: 1956-1958

Wohnungen: 278

Architekt: Leo Nikolaus Bolldorf, Karl H. Brunner, Fritz Sammer, Anton Siegl

Weitere Adressen

Brigittenauer Lände 72-78, 1200 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Im Generalstadtplan für Wien von 1912 war auf dem Grundstück des heutigen Gemeindebaus in der Treustraße 61-69 ein Marktplatz projektiert. Wie als Verweis auf diese geplante Nutzung wurden inmitten der Wohnhausanlage drei Kioske als Nebengebäude errichtet. Sie sind heute allerdings nicht mehr in Verwendung.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umfasst fünf Bauten in Zeilenbauweise mit insgesamt 15 Stiegen. Vier Baukörper sind parallel zueinander angeordnet, ein fünfter steht im rechten Winkel zu ihnen. Er ist über Balkone bzw. Loggien mit seinem Nachbargebäude verbunden, ein Durchgang erschließt den Hof. Entsprechend dem trapezförmigen Grundstück variiert die Länge der Zeilen zwischen 10 und 20 Fensterachsen, der lotrechte Baukörper ist mit 24 Fensterachsen am längsten. Alle Wohnhäuser sind sechs Geschoße hoch und schließen mit einem Satteldach ab, das an den Längsseiten auf einfachen Dachgesimsen auflagert. Eine bis drei Fensterachsen breite, farbig hervorgehobene Vorsprünge akzentuieren die glatten Putzfassaden vertikal. Zur gelungenen Auflockerung der nach Südosten orientierten Fassaden tragen außerdem die geschoßweise um jeweils zwei Fensterachsen versetzten Gitterbalkone bei. An den hinteren Fassaden befinden sich die Stiegeneingänge, die mit einem kurzen Vordach versehen sind und von Glasbausteinwänden flankiert werden. Die vertikale Erschließung ist wieder farbig hervorgehoben. Im Wortsinne "ein Detail am Rande" sind die zwei über die Gebäudeecke ragenden Balkone am Spitz Treustraße/Brigittenauer Lände.

Der Name

Die Treustraße wurde 1869 nach dem mehrfach amtierenden Bürgermeister von Wien (1528-1530, 1532/33, 1536/37) Wolfgang Treu (ca. 1488-1540) benannt. Der Ratsherr leitete mit Graf Salmdie 1529 die Verteidigung Wiens während der Ersten Türkenbelagerung. Eine andere Version verweist auf Anton Trey (gest. 1845) als Namensgeber. Dieser regte den Bau der Straßenverbindung vom Gaußplatz zur Pappenheimgasse an.

Architekten

Leo Nikolaus Bolldorf - Leo Nikolaus Bolldorf (1910-1991) besuchte von 1930 bis 1933 die Meisterschule von Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien und im Anschluss für ein Jahr die Meisterklasse von Oskar Strnad an der Wiener Kunstgewerbeschule. Ab 1935 war er als selbständiger Architekt tätig, wobei er mit seiner Frau Martha Reitstätter-Bolldorf vor allem verschiedenste Aufträge für die christlich-soziale Bundesregierung und für die Stadt Wien ausführte (Notkirchen, Kasernenbauten, Siedlungsanlagen). Nach geleistetem Kriegsdienst arbeitete Bolldorf ab 1945 wieder als Architekt und wurde Lehrer, später Direktor, an der HTBLVA Krems. Von 1969 bis 1980 war er Direktor der HTBLVA Wien 1.

Karl H. Brunner - Karl Heinrich Brunner (1887-1960) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1924 im Bereich Städtebau und Baupolitik auch habilitierte. Im Ersten Weltkrieg mit der Errichtung diverser Versorgungsbauten und Gefangenenlagern beschäftigt, avancierte Brunner nach 1918 durch seine theoretische Arbeit und zahlreichen Publikationen zu einem anerkannten Städtebau-Experten. In den 1930er-Jahren wurde er als städtebaulicher Berater nach Chile und Kolumbien berufen, wo er auch eine Professorenstelle erhielt und den Zweiten Weltkrieg verbrachte. Nach 1945 kehrte Brunner nach Wien zurück, um als Leiter der Wiener Stadtplanung den Wiederaufbau der Stadt zu koordinieren. Zwischen 1953 und 1960 war er als freischaffender Architekt an der Errichtung zahlreicher Gemeindewohnbauten, wie etwa an den Wohnhausanlagen Wagramer Straße/Lorenz-Kellner-Gasse in Wien 22 und Dunantgasse/Bunsengasse in Wien 21, beteiligt.

Fritz Sammer - Fritz Sammer (1901-1991) studierte an der Technischen Hochschule Wien. Er war ab 1931 selbständig als Architekt tätig und entwarf mit seinem langjährigen Partner Hans Richter vor allem Wochenendhäuser und Wohnhäuser. Bemerkenswert ist vor allem das 1932 entstandene Ensemble von Flachbauten in der Glanzinggasse 23 und 25 in Wien 19, in dem, ursprünglich als Miethaus und Einfamilienhaus konzipiert, heute ein Hotel untergebracht ist.

Anton Siegl - Anton Siegl (1902-1971) studierte von 1934 bis 1939 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Gemeinsam mit Josef Zimmel plante er für die Gemeinde Wien etwa die Wohnhausanlagen Friedrich-Engels-Platz 17 in Wien 20 (1949-1951) und Schelleingasse 28-30 in Wien 4 (1952/53).

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