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Vorgartenstraße 83-85

Fakten

Vorgartenstraße 83-85

Vorgartenstraße 83-85, 1200 Wien

Baujahr: 1951-1952

Wohnungen: 71

Architekt: Valerie Wild, Ulrike Manhardt

Weitere Adressen

Traisengasse 14, 1200 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Vorgartenstraße durchquert auch heute noch die ehemals Zwischenbrücken genannte Ortschaft. Im Zuge der Donauregulierung verschwand ab 1862 der östliche Teil, während der Rest durch Rodung und Bebauung zum neuen Wohngebiet des 2. Gemeindebezirkes und 1900 ein eigener Bezirk, der 20., wurde. Die lange Verbindungs- und Wohnstraße verläuft ab dem Friedrich-Engels-Platz parallel zur Donau, durchquert den 20. und den 2. Bezirk und endet im Prater beim Ernst-Happel- Stadion. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden hier zahlreiche Gärtnereien. Um trotz des rasanten Bevölkerungsanstieges und der zunehmenden Wohnungsmisere um die Jahrhundertwende möglichst viele Grünflächen im Stadtgebiet zu erhalten bzw. zu schaffen, schrieb die Wiener Bauordnung von 1893 das Anlegen von Vorgärten vor den Wohnhäusern verpflichtend vor. Wenngleich dieses Prinzip auch später aus Platzmangel wieder aufgegeben worden ist, wurde es in der Vorgartenstraße auch bei den Bauten des 20. Jahrhunderts berücksichtigt. Während der 1950er-Jahre setzten sich im sozialen städtischen Wohnbau zunehmend Reformen durch, die die Öffnung der ehemals geschlossenen Wohnhöfe zur Folge hatten. Durch großzügige Parkanlagen aufgelockerte, zu den Straßenseiten hin geöffnete Wohnkomplexe sollten Licht, Luft und Natur mit neuem, modernem Wohnkomfort verbinden.

Die Architektur

Die von zwei Architektinnen geplante Anlage schloss eine Baulücke und wurde über hakenförmiger Grundfläche an der Ecke Traisengasse/Vorgartenstraße in Blockrandbebauung errichtet. Der Bebauungstradition der Vorgartenstraße folgend ist der Komplex um die Breite eines Vorgartens rückversetzt, sodass die geschlossene Zeilenverbauung beibehalten werden konnte. Über dem Erdgeschoß, das Geschäftslokale enthält, erhebt sich ein blockhafter Bau mit sechs Geschoßen unter einem relativ flachen Walmdach. Hofseitig gibt es Mansardenausbauten, die hier ein weiteres Geschoß bilden. Der weitläufige Innenhof, von dem aus die insgesamt vier Stiegenhäuser zu erreichen sind, ist durch eine rechteckige Tordurchfahrt von der Vorgartenstraße her erschlossen. Oberhalb der Tordurchfahrt bestimmen für den Wohnbau der 1950er-Jahre charakteristische, kleine, vertikal gereihte, kubische Balkone die Fassadengliederung. Gleichförmig gereihte Fenster mit schmaler Putzfaschenrahmung, sowie ein umlaufendes, das Erdgeschoß zur Sockelzone definierendes Gesims rhythmisieren das Erscheinungsbild des Außenbaues, an dem die Ecksituation des Gebäudes durch ein flaches risalithaftes Vorspringen betont wird.

Ein Kinderspielplatz im Innenhof sowie begrünte Zwischenzonen lockern die Anlage auf.

Der Name

Die Vorgartenstraße hat ihren Namen seit 1903, da die meisten der hier befindlichen Häuser gemäß der Wiener Bauordnung von 1893 einen kleinen Vorgarten haben.

Architekten

Valerie Wild - Valerie Wild (geb. Ginter, 1912-1965) studierte von 1932 bis 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf sie gemeinsam mit Walter Foral das Wohnhaus Hochwassergasse 58 in Wien 23 (1957/58).

Ulrike Manhardt - Ulrike Manhardt (geb. Grom-Rottmayer, 1913-1999) studierte ab 1931 an der Technischen Hochschule Wien, wo sie 1937 die Meisterschule von Siegfried Theiß abschloss. Zusammen mit Emil Hoppe entwarf sie für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Braunhirschengasse 12-22 in Wien 15 (1957-1959). Als Bestandteil einer größeren Architektengemeinschaft war sie auch an der Errichtung der Gemeindebauten Deutschordenstraße 7-35 in Wien 14 (1953-1955) beteiligt.

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