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Pappenheimgasse 29

Fakten

Pappenheimgasse 29

Pappenheimgasse 29, 1200 Wien

Baujahr: 1965-1967

Wohnungen: 127

Architekt: Franz Wosatka, Friedrich Rollwagen, Richard Jicha

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Historisch gesehen handelt es sich bei der "Brigitta Au" oder "Brigitten Au" um ein wasserdurchästeltes Alluvialgebiet, also um angeschwemmtes Land, welches erst durch die kulturtechnische Bändigung der Donau in einem künstlichen Strombett zur großstädtischen Besiedlung geeignet wurde. Im Rahmen dieser sich über Jahrzehnte erstreckenden Maßnahme wurden von der so genannten Donauregulierungs-Commission Erschließungs- und Bebauungspläne erstellt. Die großen Straßenzüge Jäger-, Klosterneuburger und Treustraße gehen auf diese Pläne zurück. Im Plan "Die Brigittenau zum kais. königl. Polizei Bezirk Leopoldstadt" verfasst von A. Ziegler um 1850 (in: Kaiser 1975, S. 69) zeigen sich die Parzellen um die Pappenheimgasse 29 jedoch noch unbebaut und brach.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde als fünfstöckige Blockrandverbauung errichtet, diese ist im Grundriss jedoch nicht ganz geschlossen, sondern hakenförmig. Die Anlage umfasste ursprünglich 16 Ledigenwohnräume, 100 Klein- und 11 Mittelwohnungen. Außerdem wurden auch zwei Geschäftslokale mit eingeplant. Derzeit zählt der Gemeindehof 127 Wohnungen und die beiden Geschäftslokale wurden zusammengelegt.

Das Gebäude ist hofseitig über sieben Stiegenaufgänge erschlossen; die an sich klassische Putzfassade (Dolomit naturfärbig verrieben) wird an dieser Stelle von in Eisenrahmen gesetzten, vertikal verlegten Profilit-Glaspaneelen abgelöst. Die Eingänge sind mit in dieser Zeit üblichen, quaderförmigen Stiegennummer-Leuchten gekennzeichnet.

Die Fenster - je nach Raumnutzung wurden ein- oder zweiflügelige bzw. raumhohe französische Fenster verwendet - sind glatt in die vollkommen schmucklose Fassade eingeschnitten. An der Pappenheimgasse weist der Bau eine kleine Ladenzone auf: Zwischen zarten Pfeilern liegen große, voll verglaste Geschäftsportale mit von schmalen Metallrahmen eingefassten Auslagenscheiben.

Der Name

Gottfried Heinrich Graf von Pappenheim (1594 bis 1632) war während des Dreißigjährigen Krieges Befehlshaber eines Reiterregimentes in Diensten der Liga und des habsburgischen Kaisers. Sein nach ihm benanntes Kürassierregiment gehörte zu den bekanntesten Kavallerie-Einheiten dieses Krieges. 1632 fiel er in der Schlacht bei Lützow.

Architekten

Franz Wosatka - Franz Wosatka (1900-1973) studierte ab 1920 bei Franz Krauss an der Akademie der bildenden Künste Wien. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien zusammen mit Bruno Tinhofer das Wohnhaus Laurenzgasse 14-18 in Wien 5 (1950/51).

Friedrich Rollwagen - Friedrich Rollwagen (1922-2005) schloss sein Architekturstudium 1946 mit der 2. Staatsprüfung an der Technischen Hochschule Wien ab. 1952 erlangte er die Ziviltechnikerbefugnis und war in der Folge, neben seiner Tätigkeit als freischaffender Architekt, Bauanwalt der Evangelischen Kirche in Österreich (bis 1988). Für diese realisierte er in ganz Österreich zahlreiche Kirchengebäude, wie etwa auch die Auferstehungskirche samt Gemeindezentrum in Wien 7, Lindengasse 44 (mit Henry Lutz, 1959-1962). Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlage Plenergasse 12-14 in Wien 18 (1954-1956) und zusammen mit Hanns Miedel jun. den Stefan-Achatz-Hof in Wien 11, Kaiser-Ebersdorfer Straße 332 (1957-1959). Zudem war Friedrich Rollwagen Präsident der Ingenieurskammer für Wien, NÖ und Burgenland (ca. 1970-1980) und Präsident des Hauptverbandes der Gerichtssachverständigen Österreichs (ca. 1980-1990). Auf seine Initiative hin wurde für die ursprünglich als rein technokratisches Projekt konzipierte Donauinsel ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben.

Richard Jicha - Richard Jicha (1924-1982) studierte ab 1946 bei F. Adolf Lutz und Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa zusammen mit Leopoldine Schwarzinger den Franz-Graczoll-Hof in Wien 15, Flachgasse 36-46 (1974-1977).

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