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Karl-Tlasek-Hof

Fakten

Karl-Tlasek-Hof

Lorystraße 16-18, 1110 Wien

Baujahr: 1951-1952

Wohnungen: 48

Architekt: Willy Grunert

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

In einem Dokument von 1130 wird als Besitzer eines kleinen Ortes im Bereich der Laurenzkirche "Isinrich von Simmaningen" genannt. Bei den "von Simmaningen" dürfte es sich um ein in dieser Gegend ansässiges Landadelsgeschlecht gehandelt haben, dessen Spuren sich im 14. Jahrhundert verlieren, als sich der Name Simmering jedoch für den Ort bereits etabliert hatte. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Simmering ein von Äckern und Gärten umgebenes kleines Dorf. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich große Betriebe hier an, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, wie etwa "Die Maschinen- und Waggonfabrik AG" und die erste Fabrik der Unternehmerfamilie Mautner Markhof. In der Folge entwickelte sich Simmering zum Arbeiter- und Industrievorort, der 1892 zusammen mit Kaiserebersdorf sowie kleinen Teilen von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk nach Wien eingemeindet wurde.

Die Architektur

Die fünf Geschoße umfassende Wohnhausanlage fügt sich unauffällig in die geschlossene Straßenverbauung entlang der Lorystraße ein. Die lange Front wird durch zwei vertikale Nuten in drei blockartige Abschnitte mit je fünf Fensterachsen gegliedert. Die drei Stiegenhausachsen heben sich durch ihre versetzten Fenster deutlich von den ansonsten gleichmäßig angeordneten Fensterreihen ab. Zusätzlich sind die jeweils mittig gelegenen Stiegenhausachsen bis zum flachen Dachgesims leicht hinter die Fassadenflucht versetzt. Die Eingänge sind mit einem breiten, massiven Rahmen versehen und markant verdacht. Im Gegensatz zu den schlicht eingeschnittenen Stiegenhausfenstern sind die übrigen Fenster mit dezenten Rahmen versehen. Die Putzfassade ist ohne horizontale Zäsur von der niedrigen Sockelzone bis zum Dachgesims hochgezogen. Ebenso ist das abschließende Dachgesims ohne Unterbrechung durchgezogen und schränkt somit die vertikale Wirkung der Stiegenhausachsen beträchtlich ein, wodurch die schlichte, kompakte Fassadenstruktur und die Länge des Gebäudes unterstrichen werden.

... und die Kunst

Über dem Eingang zur Stiege 2 befinden sich die von Georg Schmid aus glasierten Keramikplatten geschaffenen "Bootfahrer" (1952).

Der Name

Benannt wurde die Wohnhausanlage in Erinnerung an Karl Tlasek (1897-1932). Der Wachbeamte wurde 1932 beim Sturm der Nationalsozialisten auf das Arbeiterheim Drischützgasse 4 erschossen.

Sanierung

von 1988 bis 1988

Im Karl-Tlasek-Hof wurde 1988 das Dach neu gedeckt.

Architekten

Willy Grunert - Der aus Sachsen stammende Willy Grunert (1897-1978) studierte an der Technischen Hochschule und an der Kunstakademie in Dresden. Schon früh arbeitete er als Städteplaner im Atelier von Adolf Muesmann mit. Nach Beendigung seines Studiums machte er sich als Architekt in Dresden selbstständig und nahm bald eine führende Rolle auf dem Gebiet des gemeinnützigen Wohnungsbaus ein. Nach seinen Plänen entstanden in und um Dresden einige Tausend Wohnungen. Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelte Grunert nach Wien, wo er sich vor allem am Wiederaufbau von Wiener Neustadt sowie am Wohnhausbau der Gemeinde Wien beteiligte. Aufgrund seiner Verdienste um den Wohnhausbau wurde ihm das Ehrenamt eines Bezirksrats der Gemeinde Wien übertragen, durch das er entscheidenden Einfluss auf die Assanierungspläne der Wiener Innenstadt hatte.

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