Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Görgengasse 9-11

Fakten

Görgengasse 9-11

Görgengasse 9-11, 1190 Wien

Baujahr: 1961-1962

Wohnungen: 241

Architekt: Sepp Stein, Friedrich Euler, Herbert Thurner, Monika Stein

Weitere Adressen

Hutweidengasse 53-65, 1190 Wien

Kratzlgasse 4-6, 1190 Wien

Saileräckergasse 44-46, 1190 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

In der Krottenbachstraße und einigen Querstraßen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre eine größere Anzahl von Gemeindebauten errichtet. Dieses Gebiet war bis dahin vorwiegend durch Schrebergärten geprägt gewesen, und so wurden hier insgesamt 29 Parzellen zusammengelegt, um den Baugrund für diese Anlage zu gewinnen.

Die Architektur

Die Anlage umfasst ein siebengeschoßiges Gebäude an der Hutweidengasse mit sieben Stiegen sowie zwei viergeschoßige Gebäude an der Saileräckergasse mit je vier Stiegen. Sie wurde in einem parkartigen Gelände errichtet, in welchem sich mehrere Spielplätze sowie ein Autoabstellplatz an der Grundgrenze zur Kratzlgasse finden. Zudem verfügt dieser Gemeindebau über einen umlaufenden Vorgarten. Sämtliche Stiegenhäuser wurden nach Norden hin ausgerichtet und es werden die Hauseingänge in zeittypischer Gestaltungsweise durch kleine Vordächer betont. An allen Südfassaden sowie an einigen, die nach Osten weisen, wurden Balkone angebracht. An den Fenstern fallen zweierlei Arten von Rahmungen auf: einerseits schmale Fensterfaschen und andererseits Einkerbungen in den Putz.

... und die Kunst

Eine Feuermauer ist durch das Kachelmosaik "Geometrisch-abstrakte Farbgliederung" von Arnulf Neuwirth künstlerisch gestaltet. Der 1912 in Gablitz geborene Maler, Grafiker und Kunstkritiker studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, lebte in Paris, bereiste entlegene Länder, bis er sich wiederum in Niederösterreich niederließ. In der österreichischen Kunstszene wurde er bekannt als Präsident der Künstlergruppe "Der Kreis".

Am Rande der Anlage zur Görgengasse hin findet sich der "Kubische Brunnen" von Josef Schagerl. Dieser 1923 in Niederösterreich geborene Künstler studierte ebenfalls an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gehörte auch der Vereinigung "Der Kreis" an.

Der Name

Der Straßenzug wurde 1917 nach dem Neurologen Dr. Bruno Görgen (1777-1842) benannt. Dieser war ursprünglich Primararzt an der Irrenanstalt des AKH, ab 1820 arbeitete er in einer Privatklinik in Gumpendorf, ab 1830 in einer nahe der nun nach ihm benannten Gasse gelegenen Anstalt in Ober-Döbling. Er gilt als bedeutender Reformer der Behandlung psychiatrischer Patienten, denn er praktizierte eine von Zwangsmaßnahmen freie Behandlung.

Sanierung

von 1999 bis 2000

Bei der Wohnhausanlage konnten in den Jahren 1999 und 2000 durch die Erneuerung der Fenster und Türen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter gesenkt werden.

Architekten

Sepp Stein - Sepp Stein (geb. 1920) studierte an der Technischen Hochschule Wien. Ab 1955 war er als selbständiger Architekt tätig, wobei er sich unterschiedlichsten Aufgabenbereichen widmete. Zu seinen wichtigsten Bauwerken zählen die Gewerbeschule der Familie Meinl in Wien 13 (Hietzinger Hauptstraße 17, mit Kurt Eckl, 1962/63), die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien 19 (Hohe Warte 38-40, 1967-1973) und das Institut für Krebsforschung in Wien 9 (Borschkegasse 8A, mit Lucia Aichinger, 1972-1976). 1964 erfolgte die Renovierung des Wagner'schen Postsparkassengebäudes (Georg-Coch-Platz 2, Wien 1) nach seinen Plänen.

Friedrich Euler - Friedrich Euler (1898-1983) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Wien, musste das Studium jedoch wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. Ab 1918 besuchte er die Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Josef Hoffmann. In der Zwischenkriegszeit entstanden nur wenige Gebäude nach seinen Plänen, wie etwa das Haus Nerad in der Innocentiagasse 3, Wien 13 (1928/29). Nach dem Zweiten Weltkrieg war er, in Zusammenarbeit mit Herbert Thurner, vorwiegend im Wiederaufbau tätig. Die Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien und die Revitalisierung des Blutgassen-Viertels in der Wiener Innenstadt erfolgten nach ihren Entwürfen.

Herbert Thurner - Herbert Thurner (1905-1998) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann und Josef Hoffmann, wo er 1926 sein Diplom erhielt. Über seine Tätigkeit in der Zwischenkriegszeit ist nichts Näheres bekannt. Nach 1945 arbeitete er, vorwiegend in Zusammenarbeit mit Friedrich Euler, im Wiederaufbau. Thurner war unter anderem am Bau der Wohnhausanlagen Unter-Meidlinger Straße 16-22 in Wien 12 und Ernst-Karl-Winter-Hof (Thimiggasse 63-69) in Wien 18 beteiligt. Als selbständige Arbeit entstand 1975/80 das Kindertagesheim im Karl-Wrba-Hof in Wien 10 (Sahulkastraße 3-5).

Monika Stein - Monika Stein (geb. Euler, 1927 in Wien) studierte von 1945 bis 1951 bei Otto Niedermoser und Oswald Haerdtl an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Als selbständige Architektin war sie vor allem gemeinsam mit ihrem Gatten Sepp Stein tätig. Zusammen planten sie etwa die Volks- und Hauptschule Georg-Wilhelm-Pabst-Gasse 2 in Wien 10 (1967/68) und die Wohnhausanlage Görgengasse 9-11 in Wien 19 (1961/62, mit Friedrich Euler und Herbert Thurner).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+