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Heiligenstädter Straße 129

Fakten

Heiligenstädter Straße 129

Heiligenstädter Straße 129, 1190 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 48

Architekt: Josef Hoffmann

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Gegend, in der die Wohnhausanlage steht, ist ein uraltes Siedlungsgebiet. Die Bewohner waren Bauern. Bis heute liegen am Hügelabhang zur Heiligenstädter Straße die Kellereien der Weingroßhändler. Im Mittelalter ein reicher Ort, litt das Gebiet ab dem 15. Jahrhundert immer wieder stark unter kriegsbedingten Verwüstungen, von denen es sich erst im 18. Jahrhundert erholte. Im 19. Jahrhundert erwarb es sich einen Ruf als Sommerfrischeort. Zu dieser Zeit entstanden aber auch Industriebetriebe. Die nächste Umgebung des Gemeindebaus entwickelte sich zu einem bedeutsamen Wirtschaftsstandort. 1898 erwarb die Stadt Wien das Grundstück, auf welchem der Neubau errichtet wurde. Der Vorgängerbau, als Schule genutzt, wurde während des Zweiten Weltkrieges durch eine Bombe vernichtet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umfasst drei parallel zueinander angeordnete Häuser, die mit einer ihrer Längsseiten nach der Heiligenstädter Straße orientiert sind. Mit der Wiener Tradition der intimen, geschlossenen Hofform bricht die Anordnung der Blöcke. Wie schon in den 1920er- und 1930er-Jahren wurde versucht, durch konzentrierte Stapelung möglichst vieler Wohnungen ausgedehnte Zonen für Grünflächen zu schaffen, die der Erholung dienen. Der Bau ist höchst einfach gegliedert und primär nach funktionalen Belangen ausgerichtet. Hohe, schmal dimensionierte Fenster bestimmen die Fassaden. Die Eingangsbereiche sind zum überwiegenden Teil asymmetrisch angelegt und weisen hochrechteckiges Format auf. Ein Natursteinrelief als Supraporte kennzeichnet die an der Heiligenstädter Straße gelegene Front als Hauptfassade.

... und die Kunst

Ein Relief als Supraporte wurde 1953/54 von Heinz Leinfellner geschaffen. Es trägt den Titel "Familie". Das Thema ist nicht erzählerisch oder sinnbildhaft moralisierend, sondern symbolisch als Lebensgemeinschaft verstanden. Es geht um die Verbildlichung des wechselseitigen Bezogenseins, ohne auf die Klischees von Väterlichkeit oder Mütterlichkeit einzugehen.

Der Name

Die Straße, in der das Wohnhaus steht, trägt seit 1894 die Bezeichnung Heiligenstädter Straße zur Erinnerung an den alten Vorortenamen. Sie wurde um 1705 Nußdorfer Weg, 1721 - 1894 Nußdorfer Straße genannt. Um 1200 wurde Heiligenstadt erstmals erwähnt, 1890/92 in den 19. Bezirk Wiens eingemeindet.

Sanierung

von 2001 bis 2001

Bei der Wohnhausanlage wurden 2001 die Fenster und Türen erneuert.

Architekten

Josef Hoffmann - Josef Hoffmann (1870 - 1956) besuchte zunächst die Staatsgewerbeschule in Brünn (gemeinsam mit Adolf Loos, Leopold Bauer und Hubert Gessner) und studierte anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Karl Hasenauer und Otto Wagner. Der Mitbegründer der Wiener Secession wurde 1899 Professor an der Kunstgewerbeschule. Bekannt wurde er durch die Leitung der Wiener Werkstätten, die Gründung des Österreichischen Werkbundes 1912 und die Mitwirkung an der Werkbundsiedlung. Internationale Berühmtheit erlangte Hoffmann durch Bauten wie das Sanatorium Unter-Purkersdorf oder das Palais Stoclet in Brüssel. Er schuf eine große Anzahl von Wohnhäusern, darunter auch mehrere Gemeindebauten, sowohl im "Roten Wien" als auch in der Nachkriegszeit.

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