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Krottenbachstraße 90-92

Fakten

Krottenbachstraße 90-92

Krottenbachstraße 90-92, 1190 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 106

Architekt: Ferdinand Kitt, Henry Lutz, Rotraut Hommer

Weitere Adressen

Kratzlgasse 2, 1190 Wien

Saileräckergasse 59, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

In der Krottenbachstraße sowie in einigen Querstraßen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre eine größere Anzahl von Gemeindebauten errichtet. Das Architektentrio Ferry Kitt jun., Henry Lutz und Rotraut Hommer errichtete an der Einmündung der Kratzlgasse in die Krottenbachstraße zwei weitgehend baugleiche Anlagen.

Die Architektur

Die Architekten schufen hier drei Trakte mit insgesamt sieben Stiegen. Einer davon verläuft entlang der Krottenbachstraße und ist durch eine Pergola mit einem zweiten Gebäude an der Kratzlgasse verbunden. An diesen schließt wiederum ein Bauteil entlang der Saileräckergasse an. Zwischen diesen beiden Trakten wurde ein Durchgang angelegt, in dem eine Tafel an die Errichtung des Gemeindebaus erinnert. An den beiden Straßenkreuzungen befinden sich kleine Vorgärten.

Die fünfgeschoßigen Gebäude verfügen bereits seit ihrer Errichtung über teilweise ausgebaute Dachgeschoße und umschließen einen großzügigen Gartenhof, von dem aus die einzelnen Bauteile durch unterschiedlich gestaltete Haustüren erschlossen werden. Mit einer Ausnahme sind alle Stiegenhäuser auch von der Straße aus begehbar und sind an den Fassaden auch deutlich als solche erkennbar. Die Fenster sitzen ohne jede Rahmung in den Fassaden. Die süd- und westseitigen Straßenfronten verfügen über französische Fenster, zum Innenhof hin liegen Balkone.

... und die Kunst

Das Sgraffito-Wandbild mit dem Motiv "Wienerwald" wurde von Ferry Kitt gestaltet.

Der Name

Die Krottenbachstraße stellt die Hauptverbindung zwischen Oberdöbling und den Weinbauorten Salmannsdorf und Neustift dar. Aus diesem Grund hieß sie bis zur Eingemeindung dieser Heurigendörfer Neustiftgasse. 1894 wurde sie nach dem hier verlaufenden Krottenbach benannt, der 1908 eingewölbt wurde.

Sanierung

von 1994 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1994 bis 1996 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 782.396 Euro, davon konnten 447.774 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ferdinand Kitt - Ferdinand (Ferry) Kitt jun. (1919-1973), Sohn des gleichnamigen Malers und einer Musikerin, studierte Architektur an der TU Wien und war danach als freier Architekt in Wien tätig. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Haupt- und Sonderschule in Wien 11, Florian-Hedorfer-Straße 22 (1970-1971; gemeinsam mit Eugen Wörle). Kitt war auch an einer Reihe von Gemeindebauten beteiligt, darunter der Freiheitsturm in Wien 20, Klosterneuburger Straße 99 (1960-1962).

Henry Lutz - Henry Lutz (1896-1968) studierte zunächst an der TU Wien und später in Graz. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Wohnbau, er schuf jedoch auch einige Industrieanlagen, evangelische Kirchen sowie das heutige Apollokino in Wien 6.

Rotraut Hommer - Rotraut Hommer (1923-2001; geb. Friedl, später verh. Haberl) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Später war sie als selbständige Architektin in Wien tätig. Hier wurden nach ihren Entwürfen unter anderem für die Gemeinde Wien die Wohnhäuser Lorystraße 54-60 in Wien 11 (1964-1966) und Karl-Löwe-Gasse 7-9 in Wien 12 (1967-1969) errichtet.

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