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Heiligenstädter Straße 165

Fakten

Heiligenstädter Straße 165

Heiligenstädter Straße 165, 1190 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 128

Architekt: Karl Hauschka, Gustav Schüssler

Weitere Adressen

Greinergasse 12, 1190 Wien

Diemgasse 1, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Gegend, in der das Wohnhaus steht, wird urkundlich erstmals 1114 in einer Urkunde als Nuzdorf benannt. Der Name leitet sich von den zahlreichen Nussbäumen ab. Weinbau war einst die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner. Die Bauern profitierten jedoch auch vom Fischfang. Gewinnbringend war auch das Recht zum Transport von Menschen und Waren über die Donau. Der Nussdorfer Hafen war seit dem 16. Jahrhundert der wichtigste Donauhafen Wiens und verlor erst nach 1800 an Bedeutung. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sich in der Gegend große Gewerbebetriebe, wie z. B. eine bedeutende Weinessig- und Weinsteinfabrik, die auch Rum und Franzbranntwein erzeugte, an. Das Grundstück, auf dem der Gemeindebau errichtet wurde, wurde 1951 von der Stadt Wien erworben.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage befindet sich an der Diemgasse, zwischen den Kreuzungen mit der Greinergasse und der Heiligenstädter Straße. Mehrere aneinanderstoßende Blöcke bilden im Grundriss ein aufgeschnittenes Rechteck aus. Der von den Trakten umschlossene Hof bietet ausgedehnte Grünzonen zur Erholung. Ein gegenüber den Flanken etwas zurückgesetzter und erhöhter Mittelteil charakterisiert die nach der Diemgasse orientierte Längsseite des Baus. Der quadratische, von einer Steinrahmung umgebene Eingangsbereich ist zentral angelegt. Darüber setzen Balkone in zwei Achsen einen Akzent. Weitere Balkone sind spiegelgleich in den äußersten Achsen des Mittelteils sowie in den an diese angrenzenden Achsen der Seitentrakte angeordnet. Die an der Heiligenstädter Straße gelegene Front der Schmalseite ist durch einen asymmetrisch angelegten Erker gegliedert, hier sind auch einige Geschäftslokale eingerichtet. Relief aus Kunststein betont die Ecke des Gebäudes. In der Greinergasse, wo die Front der Biegung der Straße folgt, wurde auf gliedernde Elemente weitgehend verzichtet. Die Struktur der Fronten des Hofes wird von den durch die Erschließungstürme gesetzten Zäsuren bestimmt. Die Flanken der Längsseite sind etwas zurückgesetzt.

... und die Kunst

Das an der Kreuzung der Heiligenstädter Straße mit der Diemgasse um die Ecke des Gebäudes geführte Relief aus Kunststein hat das Thema Arbeit zum Inhalt. Das progressive, den Paradigmen der Arbeiterkultur folgende Element ist, dass Arbeit als geschichtsbildendes Faktum wahrgenommen wird.

Der Name

Die Straße, in der das Wohnhaus steht, trägt seit 1894 die Bezeichnung Heiligenstädter Straße zur Erinnerung an den alten Vorortenamen. Sie wurde um 1705 Nußdorfer Weg, 1721 - 1894 Nußdorfer Straße genannt. Um 1200 wurde Heiligenstadt erstmals erwähnt, 1890/92 in den 19. Bezirk Wiens eingemeindet.

Sanierung

von 2009 bis 2010

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 2009/10 diverse Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Unter anderem Erfolgte auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Gesamtbaukosten für diese Maßnahmen betrugen 342.600 Euro, davon konnten 175.960 durch Landeszuschüsse gedeckt werden.

Architekten

Karl Hauschka - Karl Hauschka (1896-1981) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Küste Wien bei Peter Behrens. Bei diversen Architekturwettbewerben gewann er mehrere Preise, jedoch sind kaum realisierte Werke bekannt. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwarf er in Arbeitsgemeinschaft mit Viktor Mittag eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien, darunter auch den Wildganshof in Wien 3, sowie in den 1960er-Jahren den Harry-S.-Truman-Hof in Wien 23 in Zusammenarbeit mit den Architekten Wenko Bossew, Otmar Brunner, Maria Albrecht, August Kastner, Karl Molnar und Rudolf Sorgo.

Gustav Schüssler - Gustav Schüssler (1893-1961) studierte von 1911 bis 1920 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1922 die zweite Staatsprüfung ablegte. Über seinen beruflichen Werdegang gibt es kaum Informationen. Nur an der zusammen mit Karl Hauschka entworfenen Wohnhausanlage Heiligenstädter Straße 165 in Wien 19 (1952/53) ist seine Mitarbeit gesichert.

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