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Kahlenberger Straße 7-9

Fakten

Kahlenberger Straße 7-9

Kahlenberger Straße 7-9, 1190 Wien

Baujahr: 1949-1951

Wohnungen: 43

Architekt: Elisabeth Hofbauer-Lachner, Rudolf Hofbauer

Weitere Adressen

Hammerschmidtgasse 33, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

In Nußdorf entstanden an der Hauptstraße, der Kahlenberger Straße, um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine Reihe von Heurigen, die zum Teil heute noch in ihrer ursprünglichen Form existieren. Die Wohnhausanlage auf Höhe der Nr. 7 - 9, die im Kern bereits 1760 errichtet und in den 1950er-Jahren durch Zubauten ergänzt wurde, erlangte insbesondere durch die Brüder Schrammel und die berühmt gewordene "Schrammelmusik" Bekanntheit. Auch Beethoven verbrachte einen großen Teil seiner Wiener Zeit in dieser Gegend. Am nahe gelegenen Pfarrplatz befindet sich eine seiner vielen Wohnungen, heute schenkt dort der Heurige "Mayer am Pfarrplatz", laut Anschrift Wiens ältester Heuriger, seinen Wein aus. Nur ein paar Schritte weiter in der Probusgasse 6 findet man die Beethoven-Wohnung "Heiligenstadt", die zu den Städtischen Museen gehört.

Die Architektur

Der Wohnhauskomplex umfasst je einen Trakt sowohl an der Kahlenberger Straße als auch an der parallel liegenden Hammerschmidtgasse, einen Verbindungstrakt und einen weiteren Quertrakt in Anlehnung an das Nachbarhaus Kahlenberger Straße 5. Der alte, historische Kern, der bereits 1760 fertig gestellt wurde, existiert heute noch an der Kahlenberger Straße. 1949 begann die Errichtung der Zubauten, sodass heute eine sehr vielschichtige Anlage mit einem ineinander verschränkten Hofsystem entstanden ist. Die insgesamt sechs Stiegen sind von beiden Straßenzügen aus erschlossen und werden jeweils durch ein Rundbogenportal mit schmiedeeisernen Verzierungen markiert. Die beiden Architekten haben es gut verstanden, den Altbestand zu wahren und die neuen Gebäudeteile zum Altbestand hinzu zu addieren. Der Neubau selbst tritt in seiner dezenten Gestaltung - die einzelnen Trakte sind zweigeschoßig mit ausgebauten Dachgeschoßen und durch einfache Fensterreihen gekennzeichnet - eher zurück und passt sich in seiner Farb- und Formgestaltung seiner Umgebung an. Sehr schön sind vor allem die alten Holzveranden und die mit Holz verkleideten Loggienverbauten sowie die vielen Rundbögen und Treppenkonstruktionen, die zu den einzelnen Stiegen führen. Über dem Durchgang zum Hof findet man als Erinnerung an die Entstehungszeiten der Anlage die Jahreszeiten mit dem Wiener Wappen, an der Kahlenberger Straße wurde eine Gedenktafel an "100 Jahre Schrammelmusik" neben dem Eingang angebracht.

... und die Kunst

Über dem Eingang zur Anlage in der Kahlenberger Straße befinden sich das Wappen der Stadt Wien und das Wappen von Nußdorf von Franz Waldmüller. Eine vom Bezirksmuseum Döbling angebrachte Gedenktafel "Hundert Jahre Schrammelmusik" soll daran erinnern, dass im Jahre 1878 hier zum ersten Mal in Nußdorf das Terzett "Die Nußdorfer" auftrat und musizierte. Das Terzett setzte sich aus den Brüdern Johann und Josef Schrammel - daher auch der Name -, die Violine spielten, sowie dem Gitarristen Anton Strohmayer zusammen.

Der Name

Die Kahlenberger Straße, geläufig unter diesem Namen etwa ab 1873/75, führt zum Kahlenberg, einem Hausberg von Wien, der vorher im Volksmund wegen der vielen Wildschweine, die sich in der Gegend aufhielten, Schweinsberg oder Sauberg genannt wurde. In Nußdorf hieß der Verbindungsweg bis 1873 Lange Gasse, in Heiligenstadt bis 1850 Kahlenberger Weg.

Architekten

Elisabeth Hofbauer-Lachner - Elisabeth Hofbauer-Lachner (geb. Lachner, 1913-1977) studierte ab 1931 an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war sie vorwiegend in größeren Architektengruppen an mehreren Wohnbauten beteiligt. Zusammen mit Julius Csizmazia, Rudolf Sorgo und Friedrich Pangratz entwarf sie die Wohnhäuser Arndtstraße 30-34 in Wien 12 (1969-1971) und Schönbrunner Straße 195 in Wien 12 (1969). Den Georg-Emmerling-Hof in Wien 2 (Obere Donaustraße 97-99, 1953-1957) plante sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Rudolf Hofbauer und Leo Kammel.

Rudolf Hofbauer - Rudolf Hofbauer (1911-1974) studierte von 1930 bis 1936 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er später auch von 1945 bis 1957 mit mehrmaliger Unterbrechung die Meisterschule besuchte. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zum Georg-Emmerling-Hof in Wien 2 (1953-1957) beteiligt.

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