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Heiligenstädter Straße 163

Fakten

Heiligenstädter Straße 163

Heiligenstädter Straße 163, 1190 Wien

Baujahr: 1950-1951

Wohnungen: 151

Architekt: Hans Muttoné, Alexander Kratky, Friedrich (Fritz) Novotny

Weitere Adressen

Greinergasse 10, 1190 Wien

Diemgasse 2-10, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Gegend, in der das Wohnhaus steht, wird erstmals 1114 in einer Urkunde als Nuzdorf benannt. Der Name leitet sich von den zahlreichen Nussbäumen ab. Weinbau war einst die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner. Die Bauern profitierten jedoch auch vom Fischfang. Gewinnbringend war auch das Recht zum Transport von Menschen und Waren über die Donau. Der Nussdorfer Hafen wurde im 16. Jahrhundert der wichtigste Donauhafen Wiens. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sich in der Gegend große Gewerbebetriebe an. Das Grundstück, auf dem der Gemeindebau errichtet wurde, wurde 1930 von der Stadt Wien erworben.

Die Architektur

Die weitgehend symmetrische Anlage umfasst zwei annähernd spiegelgleich angeordnete, parallel ausgerichtete Blöcke, die jeweils auf rechteckigem, lateral aufgeschnittenem Grundriss errichtet sind. Die gegenüberliegenden langen Fronten begrenzen eine ausgedehnte Grünzone. Die Zentralachse des Baus wird an der nach der Heiligenstädter Straße ausgerichteten Seite durch einen Kunststeinreliefpfeiler betont, der von Anfang an in den Aufbau der Anlage eingeplant war. Durch einachsige, turmartig aufragende Risalite wird die Gliederung der monumentalisierenden Architektur bewerkstelligt. Die an der Heiligenstädter Straße gelegenen Hauptfronten sind durch Mittelrisalite definiert, während die auch von der Straße her einsichtigen Fassaden des Hofes je zwei Seitenrisalite aufweisen.

... und die Kunst

Der in der Zentralachse des Baus befindliche Kunststeinreliefpfeiler mit dem Titel "Arbeit" wurde zwischen 1951 und 1953 von Ferdinand Opitz realisiert. Er trägt den Schriftzug "Der Geist plant, was die Hände schaffen" sowie "Bauen schafft Arbeit, Arbeit schafft Brot". Dieses prominente Beispiel der Darstellung von Berufsständen sollte 1935 als Monument des Ständestaates das Republikdenkmal der Wiener Ringstraße ersetzen. Es handelt sich bei der Ausführung um eine im Wesentlichen unveränderte Abwandlung eines Entwurfs von 1935, den Opitz mit den Architekten Theiss und Jaksch erarbeitet hatte.

Der Name

Die Straße, in der das Wohnhaus steht, trägt seit 1894 die Bezeichnung Heiligenstädter Straße zur Erinnerung an den alten Vorortenamen. Sie wurde um 1705 Nußdorfer Weg, 1721 - 1894 Nußdorfer Straße genannt. Um 1200 wurde Heiligenstadt erstmals erwähnt, 1890/92 in den 19. Bezirk Wiens eingemeindet.

Sanierung

von 2012 bis 2015

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2012 bis 2015 einer Sockelsanierung unterzogen: Dach, Fassade, Fenster und Türen wurden erneuert, wodurch die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Weiters wurden Aufzüge, Wasch-, Trocken- und Abstellräume sowie Keller instandgesetzt.
Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 und 1990/91 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 721.496 Euro, davon konnten 561.710 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Muttoné - Hans (Johann) Muttoné (1905-1987) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Er war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Schüttaustraße 4-18 in Wien 22 (1957-1959) und Raxstraße 27a in Wien 10 (1961-1963).

Alexander Kratky - Alexander Kratky (1900-1961) studierte zunächst von 1920 bis 1926 an der Technischen Hochschule Wien und wechselte im Anschluss an die Technische Hochschule Graz. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa an den Anlagen Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954/55) und Troststraße 8-16 in Wien 10 (1955-1957). Das Wohnhaus Marinelligasse 10 in Wien 2 (1952-1957) entwarf Kratky als eigenständige Arbeit.

Friedrich (Fritz) Novotny - Friedrich Novotny (1913-1999) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa dem Hermine-Fiala-Hof in Wien 10, Troststraße 45a (1980-1982), und dem Franz-Novy-Hof in Wien 16, Koppstraße 97-101 (1950-1954).

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