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Döblinger Gürtel 10

Fakten

Döblinger Gürtel 10

Döblinger Gürtel 10, 1190 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 33

Architekt: Leo Kammel sen.

Weitere Adressen

Glatzgasse 6, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage erstreckt sich entlang des Gürtels, welcher anstelle des bereits ab 1704 errichteten Linienwalls angelegt wurde. Dabei handelte es sich um einen Erdwall mit vorgelagertem Graben, der die Stadt vor feindlichen Angriffen schützen sollte. Nach der Eingemeindung der Vororte wurde der Linienwall ab 1894 demoliert und mit dem Bau der Stadtbahn (heute Linie U6) begonnen.

Die Architektur

Die expressionistische Eckverbauung mit 36 Wohnungen liegt an der Ecke Glatzgasse/Döblinger Gürtel. Der Zugang erfolgt durch einen breiten Spitzbogen, der in einen Richtung Gürtel vorgeschobenen, turmartig überhöhten Ecktrakt eingeschnitten ist. Der Turm wird zusätzlich durch zwei spitz vorgezogene Erkerachsen und Eckbalkone betont. Zwei auf den Bogenpfeilern kauernde Atlanten flankieren den Eingang. Das sehr massiv wirkende, mit rauem Zementputz gestaltete Erdgeschoß ruht auf einem rustizierten Sockel. Die an den Eckturm anschließenden Trakte sind weniger expressionistisch gestaltet und betonen, im Ausgleich zum Turm, die horizontale Linie. Die Fenster sind zwischen spitzen Wandfeldern vertieft eingesetzt, die Wandflächen zwischen den Fensterreihen sind glatt. Ein mit kleinen Fenstern versehenes Dachgeschoß schließt den Aufbau nach oben hin ab. Zwei Stiegenhäuser führen zu den Wohnungen, wobei eine Stiege über einen hofseitig liegenden Laubengang erreicht wird. An der Innenseite ist der Wohnkomplex wesentlich ruhiger und nüchterner geformt als außen.

Der Name

1903 wurde die zuvor durchgehend als Gürtelstraße bezeichnete Straßenanlage abschnittsweise nach den jeweiligen Bezirken bzw. ehemaligen Vororten benannt. Döbling wurde bereits 1114 urkundlich erwähnt, war aber ursprünglich in Ober- und Unter-Döbling geteilt. 1890 bis 1892 wurde Döbling mit anderen Vororten zum 19. Bezirk zusammengelegt und Wien eingemeindet.

Sanierung

von 1999 bis 1999

Bereits 1986 wurde begonnen die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage mit Aufzügen auszustatten. Eine umfassende Sanierung erfolgte 1999. Sowohl das Dach als auch Fenster und Türen wurden erneuert, zudem wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 799.354 Euro, davon konnten 381.074 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Leo Kammel sen. - Leo Kammel sen. (1885-1948) studierte in Prag, unter anderem bei Jan Kotera, und ließ sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Wien nieder. Hier entstand ein Großteil seiner zunächst noch kubistisch geprägten Bauten, insbesondere für das Rote Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er am Wiederaufbau des Volkstheaters beteiligt, in dem er 1938 das sogenannte "Führerzimmer" einrichtete.

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