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Czartoryskigasse 62-68

Fakten

Czartoryskigasse 62-68

Czartoryskigasse 62-68, 1180 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 189

Architekt: Franz Gomsi, Robert Kramreiter, Karl Adolf Schubert

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Am Rande der damals bestehenden Verbauung wurde diese Anlage mit zwölf Häusern errichtet, wovon sechs Gebäude je zwei Stiegen umfassen, die anderen sechs je eine. Damit ermöglichte man Bevölkerungsgruppen, für die dies bis dahin nahezu unerreichbar gewesen war, das Wohnen in Grünruhelage.

Die Architektur

Das parkartige Gelände, in dem diese Anlage errichtet wurde, besitzt einen umlaufenden Vorgarten und ist aufgrund des Gefälles mehrfach terrassiert. Die vier zur Czartoryskigasse ausgerichteten Häuser stehen parallel zueinander, während alle anderen versetzt und dem natürlichen Geländeverlauf entsprechend angeordnet sind. Ebenfalls durch die Steilheit des Geländes bedingt ist die unterschiedliche Geschoßanzahl der Häuser: So weisen die meisten zwei Geschoße auf, manche auch drei. In allen Häusern wurden im Dachboden Wohnungen untergebracht, in einigen auch im Keller, da dieser hangabwärts ein volles Geschoß ausbildet. Die Fassaden wurden hier betont schlicht gestaltet, sodass sie quasi als "Rahmen" hinter die Mosaike zurücktreten, die der eigentliche Blickfang dieser Anlage sind.

... und die Kunst

Drei Torumrahmungen "Heimische Tiere und Pflanzen" wurden von Gustav Hessing gestaltet, drei weitere mit demselben Titel von Hans Stockbauer. Das Hauszeichen "Hackstock mit Hacke und Holz" stammt von Gertrude Fronius, "Musikinstrumente" von Heinrich Deutsch, "Wasser, Brot und Früchte" von Margarete Bistron-Lausch, "Kinderspielzeug" von Arthur Hecke, "Papierdrachen und Lampions" von Florian Josephu, "Bücher und Lampe" von Walter Lackner. Die beiden Hauszeichen "Heimische Tiere und Pflanzen" gestaltete Heribert Potuznik, die vier "Jahreszeiten" Egon Haug.

Der Name

Im Zuge der Eingemeindung wurde die Straße im Jahr 1894 von Mandlgasse auf Czartoryskigasse umbenannt nach dem Kunstsammler Fürst Constantin Czartoryski (1773-1860), der in dieser Gegend (Weinhaus) sein Palais gehabt hatte.

Sanierung

von 2005 bis 2006

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 und 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut und der Spielplatz instand gesetzt. Im Dachgeschoß entstanden acht neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 6.202.500 Euro, davon konnten 3.851.500 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Gomsi - Franz Gomsi (1904-2000) studierte ab 1937 bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften mehrere Wohnhäuser, wie etwa den Franz-Novy-Hof in Wien 16 (Koppstraße 97-101, 1950-1954) und die Anlage Czartoryskigasse 62-68 in Wien 18 (1953/54).

Robert Kramreiter - Robert Kramreiter (1905-1965) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien u.a. bei Peter Behrens und ließ sich nach ausgedehnten Reisen zu Studien- und Arbeitszwecken in Wien nieder. Bekannt ist er vor allem als Erbauer zahlreicher Kirchen in Wien und Niederösterreich.

Karl Adolf Schubert - Der in Dzieditz/Schlesien geborene Karl Adolf Schubert (1904-1963) studierte ab 1925 bei Peter Behrens und ab 1927 bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa dem Oscar-Helmer-Hof in Wien 21, Roda-Roda-Gasse 1 (1960-1967), und der Anlage Czartoryskigasse 62-68 in Wien 18 (1953/54).

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