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Mollgasse 3-5

Fakten

Mollgasse 3-5

Mollgasse 3-5, 1180 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 51

Architekt: Franz Wiesmann

Weitere Adressen

Anastasius-Grün-Gasse 8, 1180 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bereits bei der Errichtung war in dem Trakt zur Anastasius-Grün-Gasse ein Turnsaal vorgesehen, der auch heute noch in dieser Funktion besteht. Die Räumlichkeiten der früheren Tuberkulose-Fürsorgestelle werden heute als SPÖ-Bezirkslokal genützt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Hier wurden zwei Baulücken geschlossen: eine breitere zur Mollgasse mit drei Stiegen und eine schmälere zur Anastasius-Grün-Gasse mit einer Stiege. Beide verfügen über fünf Geschoße, der kleinere Trakt weist zudem ein ausgebautes Dachgeschoß auf. Die beiden Teile sind durch einen begrünten Innenhof mit altem Baumbestand verbunden. Das dominierende Gestaltungselement der abwechslungsreichen lebhaften Straßenfassade zur Mollgasse ist das Dreieck, sowohl in Form von Kantbalkons als auch bei dreieckig vorragenden verglasten Stiegenhäusern und dem Spitzgiebel. Es kommt dadurch zu einer starken Rhythmisierung. Auch an den Hoffassen findet sich dieses für die Gemeindebauten jener Zeit typische Motiv. An der Front zur Anastasius-Grün-Gasse gibt es ebenfalls dreieckig vorspringenden Doppelloggien, doch wirkt sie ruhiger als die andere Straßenfassade. Original erhalten ist auf dieser Seite die bemerkenswerte Vergitterung der Hoftore. Auffallend ist jedenfalls der Detail- und Materialreichtum der Gestaltung: So zeigen beide Straßenfassaden einen rustizierten Sockel, die Loggien sind klinkergerahmt.

Der Name

Die Mollgasse (vorher: Friedhofgasse) wurde 1894 nach Balthasar Ferdinand Moll (1717-1785), Bildhauer, Kupferstecher benannt. Er schuf das Denkmal des Gemahls von Maria Theresia, Franz Stephan von Lothringen (ältestes Reiterdenkmal in Österreich), und die Prunksarkophage von Maria Theresia und Franz I. in der Kapuzinergruft.

Prominente Bewohner

Bis zu seiner Emigration in die USA 1938 lebte hier der Lyriker, Essayist und Übersetzer Ernst Waldinger (1896-1970) mit seiner Frau, einer Nichte Sigmund Freuds, und ihren beiden Kindern. Waldinger war Mitbegründer der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller.

Architekten

Franz Wiesmann - Franz Wiesmann (1888-1959) studierte von 1907 bis 1913 an der Technischen Universität Wien. Nachdem er eine kurze Zeitspanne als freier Architekt in Baden tätig gewesen war, erhielt er 1914 eine Anstellung am Wiener Stadtbauamt und gehörte diesem bis zu seiner Pensionierung an. Zahlreiche Wohnhausanlagen der Zwischenkriegszeit entstanden nach seinen Plänen.

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