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Jörgerstraße 38

Fakten

Jörgerstraße 38

Jörgerstraße 38, 1170 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 26

Architekt: Felix Hasenöhrl

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Bereits seit 1908 ist dieses Grundstück im Besitz der Gemeinde Wien. Vor und während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier eine Schule. Durch Kriegshandlungen war der Bau allerdings schwer beschädigt worden, sodass das Haus für den ursprünglichen Zweck nicht mehr geeignet war. Nach 1945 wurde das alte Schulgebäude trotzdem noch als Wohnhaus genutzt. Nachdem aber Einsturzgefahr festgestellt worden war, wurde 1952 schließlich mit dem Abbruch begonnen. 1954 ließ die Gemeinde Wien das heutige Haus errichten, das bereits 1955 bezogen werden konnte. Nachträgliche Umbauten einzelner Wohnungen, die Erneuerung von Fenstern und Balkontüren sowie Aufzugseinbauten veränderten den Baubestand nur unwesentlich.

Die Architektur

Die Anlage setzt sich aus einem sechsgeschoßigen Vordergebäude und einem ebenerdigen Hintergebäude zusammen. Im dem zur Straße hin gelegenen Teil befinden sich zwei Stiegen, die zu den fünf Wohngeschoßen sowie dem teilweise ausgebauten Dachgeschoß führen. Das Haus beherbergt insgesamt 26 Wohnungen, zwei Geschäftslokale und diverse Nebenräume. Die nüchterne Gestaltung der Fassade ist typisch für die 1950er-Jahre. Ein sechsachsiger Mittelteil tritt etwas hinter die flankierenden einachsigen Seitenteile zurück. Diese Seitenflügel sind um ein Geschoß niedriger, hofseitig treten sie risalitartig vor die Fassade. An der Straßenseite umfasst eine Sockelzone den Bereich des Erdgeschoßes mit den Geschäftslokalen. Sie ist grobkörnig verputzt und durch ein Gesims abgeschlossen. Schlichte, farblich differenzierte Fassungen umgeben die rechteckigen Fenster in allen Geschoßen. Durch einen mosaikgerahmten Eingang im rechten Seitenflügel gelangt man in einen begrünten Innenhof, von dem aus auch die Stiegenhäuser zugänglich sind. Der ebenerdige Hoftrakt, in dem ein Zentrum der sozialistischen Jugend untergebracht ist, führt den linken Seitenflügel fort. Nachträglich eingebaute Aufzugsschächte wurden hofseitig vor die Fassaden gesetzt.

... und die Kunst

An der Hausmauer zur Jörgerstraße umrahmt das Mosaik "Vögel" (1955) von Hedwig Wagner die Einfahrt. Unterschiedlichste Vogelarten sind darauf abgebildet. Naturdarstellungen sind in großer Anzahl an kommunalen Wohnbauten der 1950er-Jahre zu finden. Tierdarstellungen visualisieren den Wunsch vom Wohnen im Grünen - eine Utopie für viele Wiener - an der Hausmauer. Die Darstellung von Natur und Freizeit stand in den 1950er-Jahren in scharfem Kontrast zum realen Arbeitsleben der meisten Hausbewohner, die wenig Zeit für Müßiggang hatten.

Der Name

Die Jörgerstraße wurde 1894 nach dem niederösterreichischen Statthalter Johann Quintin Graf Jörger (1624-1705) benannt. Dieser hatte 1688 in Wien die Straßenbeleuchtung eingeführt. Zuvor trug der Straßenlauf den Namen Alsbachstraße.

Sanierung

von 1989 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1986 und 1989 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 189.226 Euro, davon konnten 150.119 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Felix Hasenöhrl - Felix Hasenöhrl wurde 1925 in Semmering geboren. Für seine Diplomarbeit, mit der er sein Studium bei Oswald Haerdtle an der Hochschule für angewandte Kunst abschloss, erhielt er den österreichischen Staatspreis für Architektur. In Wien wurden zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser errichtet, die er in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften entwarf, darunter das Geschäftshaus der Fa. Julius Meinl (Kärntner Ring 2, Wien 1) und der Concordiahof (Concordiaplatz 4-5, Wien 1).

Freie Lokale

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