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Ortliebgasse 35-37

Fakten

Ortliebgasse 35-37

Ortliebgasse 35-37, 1170 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 55

Architekt: Ludwig Schmid, Wilhelm Glattes, Johann (Hans) Stöhr

Weitere Adressen

Hernalser Hauptstraße 73-75, 1170 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Zuvor stand hier ein einstöckiges Haus aus der Zeit Maria Theresias in Privatbesitz. Der Eingang befand sich in der Hernalser Hauptstraße, zahlreiche Geschäfte, unter anderem ein Hutladen, waren in dem Haus untergebracht. Im Krieg wurde das Gebäude in Folge des starken Luftdrucks der Bombeneinschläge ringsum so beschädigt, dass es zu Beginn der 1950er-Jahre abgetragen werden musste. Die Gemeinde Wien erwarb das Grundstück und ließ ab 1953 die heutige Wohnanlage errichten. Der Baubestand blieb im Wesentlichen seither unverändert. Ursprünglich waren vier Lokale - darunter eine Fleischerei und das "Arabia Kaffee" - in der Geschäftszone untergebracht. Die Lokale wurden jedoch zusammengelegt. Seit 1965 befindet sich hier eine Palmers-Filiale, seit 1994 zusätzlich auch ein Zuckerbäcker.

Die Architektur

Das Eckhaus besteht aus vier Trakten, die in gekuppelter Weise ausgeführt sind und je eine hofseitig begehbare Stiege beherbergen. Das Haus umgibt L-förmig einen begrünten Innenhof, der über einen Durchgang in der Ortliebgasse betreten werden kann. Die Fassade ist sehr schlicht gestaltet und weist - wie für die 1950er-Jahre typisch - eine einfache Formensprache auf. Oberhalb der gesimsbekrönten Sockelzone bleibt sie plan und ist nur von Rechteckfenstern mit einfachen Fassungen durchbrochen, die in der Ortliebgasse dreireihig gruppiert sind. Aufgrund der Steigung des Geländes kommt es zu Höhendifferenzen in der Ortliebgasse und zu einer sichtbaren Dachverschneidung. Oberhalb des sonst durchgängigen Hauptgesimses befinden sich vier Dachhäuschen in der Hernalser Hauptstraße und hofseitig ein Mansardedach. Die Stiegenzugänge 2-4 sind über eine niedrige Rampe zu erreichen, vor der Stiege 1 befindet sich ein ebenerdiger Vorbau.

Der Name

Die Ortliebgasse wurde 1894 nach dem Herrschaftsbesitzer von Hernals im ausgehenden 12. Jahrhundert (~1290) "Ortliebus de Als" benannt. Die Herrschaft von Hernals war bereits 1123 als "Herren von der Als" oder "Griechen von der Als" urkundlich erwähnt worden. Diese Bezeichnung ging nach 1358 verloren. Die Ortliebgasse hieß zuvor auch Franzensgasse und bis 1894 Herrengasse.

Architekten

Ludwig Schmid - Wiener Stadtbauamt - MA19

Wilhelm Glattes - Wilhelm Glattes (1904-1975) war bis zu seiner Pensionierung im Wiener Stadtbauamt als Architekt tätig. In seiner Funktion plante er unter anderem das Wohnhaus Hainburger Straße 57 in Wien 3 (1949/50) und zusammen mit Ludwig Schmid und Johann Stöhr die Anlage Ortliebgasse 35-37 in Wien 17 (1953/54).

Johann (Hans) Stöhr - Johann (Hans) Stöhr (1897-1981) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt (MA 19) ein, dessen Leiter er bis 1963 war. In dieser Funktion war er vor allem in der Zeit des Wiederaufbaus an der Errichtung zahlreicher kommunaler Bauten beteiligt. So wurden ein Teil der Stadtrandsiedlung Leopoldau in Wien 21 und der Bauteil Ost der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien 10 nach seinen Entwürfen errichtet. 1950 wurde seine berufliche Tätigkeit in dokumentierter Form als Dissertation an der TU Wien anerkannt.

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