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Dürauergasse 9-13

Fakten

Dürauergasse 9-13

Dürauergasse 9-13, 1170 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 176

Architekt: Franz Weiss, Heinrich Reitstätter, Karl Peroutka

Weitere Adressen

Urbangasse 22-24, 1170 Wien

Sandleitengasse 58, 1170 Wien

Liebknechtgasse 22-28, 1170 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Teile des Grundstücks, auf dem sich die heutige Wohnanlage befindet, waren bis 1942 rechtmäßig in jüdischem Privatbesitz. Sie wurden durch das nationalsozialistische Regime im Zuge gewaltsamer Arisierungen enteignet und dem Deutschen Reich einverleibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden keine Ansprüche mehr gestellt und das Grundstück ging in Besitz der Gemeinde Wien über. Das großteils nicht verbaute Areal wurde von der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg zur Lebensmittelversorgung beackert. Entlang der Sandleitengasse stand früher ein niedriges Althaus mit Geschäften. Ab 1952 ließ die Gemeinde Wien die heutige Anlage errichten. Die Wohnanlage liegt an der Grenze zwischen 16. und 17. Wiener Gemeindebezirk. Bis zur letzten Änderung der Bezirksgrenze gehörte ein Teil der Anlage zum 16. Bezirk. Die Wohnungen waren 1953 bezugsfertig. Nachträglich wurden Aufzugsschächte eingebaut. 2005 erfolgte eine Umgestaltung und gänzlich neue Farbgebung durch die Architektin Vera Korab.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf einem trapezförmigen Grundstück. Sie besteht aus fünf verschiedenen Bauteilen und beherbergt zwölf Stiegen. Die Stiegen 1-3 sind im sechsgeschoßigen Bauteil 1 miteinander gekoppelt. Dieser hat zur Sandleitengasse hin einen bandbegrenzten Sockel, welcher als Geschäftszone dient. Der angrenzende Vierspännerblock an der Ecke zur Urbangasse beherbergt eine Stiege, hat sechs Geschoße und ist durch Loggien zur Liebknechtgasse hin geöffnet. Die Stiegen 5 und 6 befinden sich in dem entlang der Urbangasse gelegenen, bogenförmigen Block. Dieser ist etwas niedriger, hat zur Straße hin Balkone und ist übers Eck mit den angrenzenden Bauteilen verbunden. In dem sechsgeschoßigen, lang gestreckten Bauteil in der Dürauergasse sind die Stiegen 7-10 untergebracht. Ein weiterer Bauteil mit zwei Stiegen befindet sich frei stehend im Inneren der Anlage. Alle Stiegenzugänge können über Durchfahrten und die Grünanlage erreicht werden. Die Dächer sind mit Dacherkern und Mansarden ausgestattet. Die Wohnungen verfügen über Balkone und Loggien, die meisten davon sind zur Grünanlage hin ausgerichtet. Das Gelände selbst ist unregelmäßig und hat seinen tiefsten Punkt an der Ecke Dürauergasse/Urbangasse. Die Architekten haben die Problematik des abfallenden Terrains äußerst geschickt gelöst: Ein schmaler Risalit in der Liebknechtgasse gleicht optisch die terrainbedingte Dachverschneidung aus. Die Verschneidungen in der Dürauergasse wirken durch ein abgestuftes Band unterhalb des Hauptgesimses kaum störend. Die differenzierte Gestaltung und das Übers-Eck-Stellen der Blöcke lockern die Anlage auf. Die nachträgliche Farbgestaltung in Pacific, Lachs, Mint, Siena und Palazzo durch die Architektin Vera Korab verlieh den einzelnen Bauteilen zusätzliche Individualität. Eine schlichte Formensprache, hoher Wohnkomfort, die funktional zonierte, großzügige Grünanlage sowie die Form der Wohnblöcke sind wesentliche Merkmale dieses architektonischen Entwurfs. Eine für die 1950er-Jahre ideale Form der Bebauung wurde hier umgesetzt.

... und die Kunst

An der Fassade zur Liebknechtgasse befinden sich die zwei keramischen Wandreliefs "Arbeit" und "Feiertag" von Eberhard Robitschko. Freizeitdarstellungen sind in der "Kunst am Bau" der Wiederaufbaugesellschaft selten. Diese Darstellung ist die früheste des Themas Freizeit und die einzige mit einer Gegenüberstellung zur Arbeit. Auf der Tafel "Arbeit" sind männliche Arbeiter samt Attributen zu sehen. Im Hintergrund sind auf die Arbeit bezogene Bauten abgebildet. Die Tafel "Feiertag" zeigt einen musizierenden und einen Ball spielenden Mann sowie andere Freizeitmotive. Darunter befinden sich zwei nackte Frauen mit Kindern. Die Darstellungen spiegeln die klassische Zuordnung von Geschlechterrollen wider: Die Frauen bleiben ohne Handlungsattribute und nackt, auf die Kinderbetreuung reduziert und dem Bereich Freizeit zugeordnet. Ausschließlich Männer sind auf der Tafel "Arbeit" zu sehen.

Der Name

Die Dürauergasse wurde 1914 nach Franz Dürauer (1816-1872), Schuldirektor und Hernalser Wohltäter, benannt. Davor war die Gasse Teil der Albrechtskreithgasse.

Sanierung

von 2004 bis 2008

Bereits 1989/90 wurden die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage mit Aufzügen ausgestattet. Eine umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 2004 bis 2008. Dach, Fenster und Türen wurden erneuert, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1.648.945 Euro, davon konnten 516.312 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Weiss - Franz Weiss (geb. 1922) studierte von 1940 bis 1948 Architektur an der Universität Wien, wo er 1949 die 2. Staatsprüfung ablegte. Für die Gemeinde Wien entwarf er gemeinsam mit Karl Peroutka und Heinrich Reitstätter die Wohnhausanlage Dürauergasse 9-13 in Wien 17 (1952/53).

Heinrich Reitstätter - Heinrich Reitstätter (1903-1971) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Wien realisierte er auch den Großteil seiner Wohnbauprojekte, darunter die kommunale Wohnhausanlage in der Pfeilgasse 10-12, Wien 8. In Salzburg zeichnete er für die Bauleitung des "Hotel Europa" verantwortlich (Pläne von Josef Bevcar). Zudem plante er den Umbau einiger Filialen der Creditanstalt-Bankverein AG in Salzburg und Wien.

Karl Peroutka - Der aus dem heutigen Tschechien stammende Architekt Karl Peroutka (1907-1967) ging in Wien zur Schule und besuchte dann die Gewerbeschule in Bratislava. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er in Wien für verschiedene Unternehmen tätig, unter anderem entwarf er Filialen für den weltweiten Schuhhändler Bata. Während des Krieges arbeitete er für die Flugmotorenwerke in Wiener Neustadt. Nach 1945 eröffnete Peroutka sein eigenes Architekturbüro in Wien und Tulln. Zu seinem Arbeitsbereich gehörten vor allem Wohnhäuser. Nach seinen Plänen erfolgte auch die Erweiterung der Zuckerfabrik in Tulln.

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