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Rosensteingasse 48

Fakten

Rosensteingasse 48

Rosensteingasse 48, 1170 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 266

Architekt: Gustav Hoppe, Erwin Böck

Weitere Adressen

Rötzergasse 49, 1170 Wien

Hernalser Hauptstraße 98, 1170 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das gesamte Areal, auf dem sich die heutige Wohnanlage befindet, gehörte ehemals Stefan Leopold von Rosenstein, nach dem die Rosensteingasse benannt ist. 1823 verpachtete er seinen Besitz gegen die Erhaltung seiner Grabstätte und ein geringes Entgelt für 50 Jahre zugunsten der armen Bevölkerung in Hernals. In Folge wurden ein Armenhaus, ein Cholera Notspital, eine Schule und andere Einrichtungen der Wiener Armengeldstelle auf dem Grundstück untergebracht. Es befand sich dort auch ein Großer Löschteich. Nachdem sich die Gemeinde Wien zum Bau der Wohnanlage entschieden hatte, wurden Ende der 1940er-Jahre sämtliche Einrichtungen abgerissen. Lediglich die Schule stand bis in die 1960er-Jahre. Sie wurde schließlich in die heutige Rosensteinschule überführt und der 3 Stiegen umfassende Zubau in der Hernalser Hauptstraße 100 errichtet. Von dem alten Areal zeugen heute noch die großzügig angelegte Gartenanlage sowie die darin befindliche, schlecht erhaltene Grabstätte von Stefan Leopold von Rosenstein.

Die Architektur

Die nach außen hin geschlossene Blockverbauung beherbergt insgesamt 17 Stiegen. (20 sind es zusammen mit dem Haus in der Hernalser Hauptstraße 100.) Die Anlage besteht aus drei Bauteilen, welche die parkähnliche Grünanlage umgeben. Ein Bauteil bildet von der Rosensteingasse ausgehend zwei U-förmige Innenhöfe, um welche die Stiegen 1 bis 10 angeordnet sind. Ein weiterer Bauteil mit den Stiegen 11 bis 13 befindet sich an der Hernalser Hauptstraße. Der dritte Baukörper steht frei im Inneren der Anlage und umfasst die Stiegen 14 bis 17. Rundbogige Durchgänge stellen eine Verbindung zwischen den Höfen und Gebäudeteilen dar. Die Fassade ist eher kühl und abweisend gestaltet. Sie bleibt weitgehend dekorlos. In der Hernalser Hauptstraße ist der Sockelbereich als Geschäftszone ausgebaut. Darüber befinden sich fünf Hauptwohngeschoße. Die Fassade bleibt plan. In den übrigen Straßenzügen wird auf das Sockelgeschoß verzichtet. Oberhalb eines Podestes erheben sich direkt die Hauptwohngeschoße und das Dachgeschoß. Schmale rechteckige Erker sind das auffälligste Gliederungselement der Fassadenteile. Diese setzen über dem Erdgeschoß an und gehen oberhalb des Hauptgesimses in kleine Dacherker über. In der Rosensteingasse ist der Bauteil mit dem Eingang etwas zurückversetzt, wodurch ein vorhofähnlicher Zugangsbereich entsteht. In der Hernalser Hauptstraße und im vorderen Bereich der Rosensteingasse ist der gesamte Baukörper um ein Geschoß höher, umfasst also fünf Hauptwohngeschoße. Auch an der Hofseite ist die Fassade schlicht und kühl. Unterschiedliche Geschoßanzahlen ergeben hier jedoch interessante Höhenunterschiede und vermitteln gemeinsam mit den vorspringenden Stiegenhäusern und überdachten Eingangsbereichen ein durchaus differenziertes und lockeres Bild.

... und die Kunst

Über dem Haupteingang in der Hernalser Hauptstraße 98 befindet sich die "Hernalser Allegorie" von Alfons Riedel (1951). Auf dem Relief ist das Wiener und das Hernalser Wappen zu sehen sowie eine eher monumentale, statische Darstellung von Arbeitenden mit Geräten, umgeben von floralen Elementen.

Der Name

Die Hernalser Hauptstraße erhielt ihren Namen 1894 zur Wahrung des Vorstadtnamens Hernals. Zuvor hieß die Straße schlicht "Hauptgasse". Da im Rahmen der Gürtelregulierung die innerhalb des Gürtels gelegenen Häuser an diesem Straßenzug der Kinderspitalgasse im IX. Bezirk zugerechnet wurden, beginnt die Hernalser Hauptstraße heute mit den Hausnummern 5 bzw. 12.

Die Rosensteingasse wurde 1894 nach dem Hernalser Philanthropen Stephan Leoplold Häckl (gest. 1832), Reichsritter von Rosenstein zu Perschwitz, benannt, der seinen Grundbesitz der Wiener Armengeldstelle zur Verfügung stellte, die im Gegenzug seine Grabstätte (heute in der Rosensteingasse 48) erhielt.

Sanierung

von 2014 bis 2016

Die Wohnhausanlage wurde bis 2016 saniert, es wurde unter anderem ein Wärmedämmverbundsystem installiert, das die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch den Kohlendioxidausstoß senkt. Außerdem umfassten die Maßnahmen Neuerungen der Fenster und des Daches. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3.962.200 Euro, wovon 938.819 Euro durch einen Landeszuschuss gedeckt waren.

Architekten

Gustav Hoppe - Gustav Hoppe war der Sohn von Paul Hoppe, einem bekannten Wiener Architekten. Nach seiner Ausbildung im Büro des Vaters studierte er ab 1919 Bauingenieurwesen bei Rudolf Salinger und Prof. Carl Mayreder an der TH Wien. Er übernahm das väterliche Baubüro. Zwischen 1928 und 1946 war Gustav Hoppe Assistent am Institut für Baukonstruktion und Baumechanik. Er wurde zum Baurat ernannt. Während des Zweiten Weltkrieges war er für verschiedene Rüstungsbauten zuständig. Danach war er vor allem im Wohnbausektor tätig. Er entwarf unter anderem eine Wohnhausanlage am Migazziplatz, Wien XII. (1952), sowie zusammen mit Erwin Böck eine Wohnanlage in der Schüttaustraße, Wien XXII. (1955/56), und eine Wohnanlage in der Hernalser Hauptstraße 98, Wien XVII. (1949/50).

Erwin Böck - Erwin Böck (1894-1966) studierte an der Technischen Universität Wien und arbeitete bereits als Student in verschiedenen Architekturbüros. Neben seiner Tätigkeit als Architekt lehrte er auch an der TU Wien sowie der Akademie der bildenden Künste, wo er später Professor wurde. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Wohnhausbau. Für die Gemeinde Wien plante er seit den 1920er bis in die 1960er Jahre zahlreiche Wohnanlagen.

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