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Taubergasse 1-3

Fakten

Taubergasse 1-3

Taubergasse 1-3, 1170 Wien

Baujahr: 1937-1938

Wohnungen: 74

Architekt: Konstantin Peller

Weitere Adressen

Johann-Nepomuk-Berger-Platz 12-13, 1170 Wien

Rosensteingasse 2, 1170 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegeben Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegen zu wirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Die Hauptfeuerwache Hernals zog 1926 in ein adaptiertes Wohnhaus am Johann-Nepomuk-Berger-Platz 12 ein, auf dem angrenzenden Grundstück stand damals noch ein Zirkusgebäude, das Varieté Westend. Es wich 1937 dem Wohnhaus der Gemeinde Wien Taubergasse 1-3, einem der letzten Gemeindebauten der 1. Republik, das 1956 zusammen mit der bei Bombardements fast vollständig zerstörten Hauptfeuerwache wiederaufgebaut wurde. Richtung Rosensteingasse kam 1953 ein Erweiterungsbau mit Wohnnutzung hinzu.

Die Architektur

Die viergeschoßige Eckverbauung Taubergasse/Johann-Nepumuk-Berger-Platz bildet mit 17 bzw. 15 Fensterachsen einen langschenkeligen Winkel. Während die nach der Wiederherstellung 1956 glatten Putzfassaden des etwas niedrigeren Bauteils nur vom breiten Klinkersockel, der auf beiden Seiten des Hauseingangs hinaufgezogen wurde, und vom auskragenden Dachgesims eingefasst sind, führte die integrierte Feuerwehreinfahrt mit Klinkerrahmung und Vordach an der Fassade Johann-Nepumuk-Berger-Platz zu einer Rhythmisierung der Fensterachsen. Dieser höhenversetzte Trakt sollte wohl bei der Errichtung 1938 an das damals angrenzende Wohnhaus anschließen, das bei Bombardements zerstört wurde. Die Putzumrahmungen von jeweils drei bzw. vier Fenstern erinnern an die ehemaligen Sichtziegelbänder, die offensichtlich im Zuge einer Fassadenrenovierung abgeschlagen wurden. Expressionistische Details finden sich heute noch in Form der ausdrucksvoll übersteigerten Eingangstore der hofseitigen Stiegen. Die Gebäudeecke ziert eine Konsolfigur eines Feuerwehrmannes, der Klinkersockel wurde bis zur Konsole hinaufgezogen und dekorativ verzahnt.

... und die Kunst

An der Hausecke Taubergasse/Johann-Nepumuk-Berger-Platz befindet sich auf der Höhe des ersten Stockes eine Konsolfigur, die einen Feuerwehrmann darstellt. Er neigt den Kopf zu einem Haus herab, das er schützend mit seinen Händen umfasst. Der Sockel trägt die Inschrift des Entstehungsjahres 1938. In der Literatur finden sich keine Hinweise auf den Künstler.

Der Name

Die Taubergasse hieß bis 1894 Dorotheergasse und wurde dann nach Kaspar Tauber, dem ersten Märtyrer der Lutheraner in Wien und Herausgeber lutherischer Schriften, der 1524 als Anhänger der Reformation enthauptet wurde, benannt. Der Johann-Nepumuk-Berger-Platz wurde 1894 nach Dr. Johann Nepomuk Berger (1816 bis 1870), Rechtsanwalt, Mitglied der demokratischen Linken (1848), späterer Gemeinderat und Minister, benannt. Frühere Namen waren Marktplatz und während des Zweiten Weltkrieges Lerchenfeldplatz.

Sanierung

von 1991 bis 1992

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1991 und 1992 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2.052.790 Euro, davon konnten 1.847.511 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Konstantin Peller - Konstantin Peller (1887-1969) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterschule von Otto Wagner. Er arbeitete zunächst als freischaffender Architekt sowie für kurze Zeit mit Josef Ludwig, bevor er vor Beginn des Ersten Weltkriegs in das Wiener Stadtbauamt eintrat. Während seiner Tätigkeit in dieser Funktion entwarf er, oft in Zusammenarbeit mit Julius Stoik und Adolf Stöckl, mehrere städtische Wohnhausanlagen und war u. a. auch bei der Regulierung des Wienflusses tätig. 1945 wurde Peller zum Vorsitzenden der Stadtplanung und des Wiederaufbaus ernannt. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Wiener Stadtbauamt hat Konstantin Peller mit der Gestaltung einer Reihe von Wohnbauten die Architektur des Roten Wien entscheidend mitgeprägt.

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