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Rötzergasse 29-31

Fakten

Rötzergasse 29-31

Rötzergasse 29-31, 1170 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 38

Architekt: Alfred Schmid

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das heutige Wohnhaus Rötzergasse 29 bis 31 besteht eigentlich aus zwei Häusern. Diese wurde ab 1925 zunächst getrennt von den Architekten Alfred Schmid und Heinrich Zipfinger begonnen und ab 1926 von A. Schmid einheitlich geplant und errichtet. Die insgesamt fünf Bauparzellen waren bereits zuvor im Besitz der Gemeinde Wien. In der Rötzergasse 31 befand sich ab 1884 ein Steigerhaus mit Wagenremise für die Hernalser Feuerwehr, ein zuvor dort befindlicher Kuhstall war zu diesem Zweck abgerissen worden. 1892 wurde eine Krankenträgerstation durch die Gemeinde Wien eingerichtet. Soziale Einrichtungen finden in diesem Wohnhaus auch heute noch Platz. Eine Mutterberatungsstelle wurde ab 1978 durch eine Beratungsstelle für Jugendliche abgelöst. Die Wohnqualität entspricht durch nachträgliche Einbauten von Sanitärräumen, das Zusammenlegen von Wohnungen und Wohnräumen und andere Adaptierungen heutigen Standards.

Die Architektur

Der Bau besteht aus zwei nebeneinander liegenden, getrennt begehbaren Teilen, welche den ursprünglichen zwei Häusern entsprechen. Diese beherbergen jeweils einen Hof- und einen Straßentrakt mit Souterrain, Parterre, vier Stockwerken und ausgebautem Dachgeschoß. Insgesamt 38 Wohnungen finden auf den vier Stiegen Platz. Im Kellergeschoß sind 3 Geschäftslokale untergebracht. Das Wohnhaus schließt an ein dreigeschoßiges privates Wohnhaus in der Rötzergasse 33 an, zu welchem ein Zugang durch die Feuermauer nachträglich ausgebrochen wurde. Der sehr große begrünte Hof beherbergt einen Kinderspielplatz. In dem Haus Nummer 29 gibt es darüber hinaus einen Lichthof. Vom Hof aus kann man Unterschiede im Aufbau der beiden Häuser erkennen. Die Adressen Rötzergasse 29 und 31 stellen aber heute nach außen hin auch architektonisch eine Einheit dar. Die ursprünglichen zwei Häuser sind an der Straßenseite ganz miteinander verschmolzen. Dem Architekten ist dies durch einen mehrschichtigen Aufbau der Fassade und die kristalline Formengebung gelungen. Die Straßenfassade ist durch drei Risalite strukturiert. Auf diesen befinden sich dreieckig hervortretende Fensterparapete, welche sich nach oben hin verjüngen. Entlang der Mittelachse der Fassade verschwindet die ehemalig trennende Mauer hinter einem Spitzerker, der sich oberhalb der Sockelzone über drei Geschoße zieht und durch die Gesimse des Mittelrisalites abgeschlossen ist. Oberhalb der überhöhten - Souterrain und Parterre einschließenden - Sockelzone werden die Risalite durch ein Zwischengesims unterbrochen. Die Fensterzonen sind im Sockelbereich der Risalite vertikal zu einer Einheit zusammengefasst und tiefer in die Fassade eingelassen. Die flankierenden Fassadenteile treten pilasterähnlich hervor. Farblich ist die Sockelzone von den oberen Geschoßen durch den heute dunkelgrauen Anstrich differenziert. Über den Eingangsbereichen, welche sich zwischen den Risaliten einfügen, wird die sonst überhöhte Sockelzone bereits etwas weiter unten durch Vordächer abgeschlossen. Der Eingang kann über wenige Stufen erreicht werden. Die trichterförmigen Türlaibungen sind abgetreppt. Der gesamte Fassadenschmuck wurde im Vorsatzbeton steinmetzmäßig bearbeitet, ein Teil der Fassade ist mit Edelputz versehen, andere Teile der Fassade sind glatt. Die Fassadenfront wird durch das Dachsims abgeschlossen. Ein Mansardedach bietet zusätzlichen Wohnraum.

Der Name

Die Rötzergasse wurde 1864 nach dem um 1800 in Wien ansässigen Grundbesitzer und Fabrikanten Franz Rötzer benannt. Dieser erzeugte Gelbguss und Berlinerblau.

Sanierung

von 2001 bis 2003

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2003 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 438.900 Euro, davon konnten 57.057 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfred Schmid - Alfred Schmid (1894-1969) studierte ab 1912 zunächst Mechanik an der Technischen Hochschule in Graz. Aufgrund des Ersten Weltkrieges schloss er sein Studium aber erst 1918 an der Technischen Hochschule Wien ab. Als Hörer besuchte er auch die Meisterschule von Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste. 1930 wurde Schmid Direktor der Firma Böhler, für die er Patente für Stahlkonstruktionen und Fertigbau entwickelt. Er führte zahlreiche Industrie- und Kraftwerksbauten in Österreich und im Ausland aus, aber auch Wohnhäuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete er als Bauunternehmer im Raum Salzburg Kasernenbauten der US Army.

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