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Kastnergasse 25-27

Fakten

Kastnergasse 25-27

Kastnergasse 25-27, 1170 Wien

Baujahr: 1925-1925

Wohnungen: 44

Architekt: Johann Franz Würzl

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Grundstück befindet sich seit 1898 im Besitz der Gemeinde Wien und war zunächst unverbaut. Die Baubewilligung für das Wohnhaus wurde 1925 erteilt. Das Haus beherbergte 6 Wohnungen mit Zimmer, Küche und Kabinett, 36 Wohneinheiten bestehend aus Zimmer und Küche sowie 9 Einheiten, die nur über ein Zimmer verfügten. Diese ursprüngliche Aufteilung wurde durch diverse Adaptierungen sowie den nachträglichen Einbau von Sanitäranlagen an heutige Standards angepasst. Die Fenster wurden teilweise erneuert.

Die Architektur

Das Wohnhaus setzt sich aus einem Gassentrakt und zwei Seitentrakten zusammen. Die Trakte bestehen jeweils aus einem Keller, einem Erdgeschoß und vier Wohngeschoßen, der Gassentrakt verfügt zudem über ein Mansardendach, in dem Wohnungen untergebracht sind. Der Eingang befindet sich rechts von der Mittelachse, ist unauffällig gestaltet und unterbricht die sonst streng symmetrische, ausgewogene Fassadengestaltung kaum. Die herrschaftlich anmutende Fassade ist bis zum Dachgesims durch sieben Wandpilaster gegliedert. Diese werden oberhalb der Sockelzone von einem Zwischengeschoß unterbrochen, welches durch ein Gesims begrenzt und von Bändern umrahmt ist. Die Pilaster sind im Erd- und Zwischengeschoß grobkörnig, im Bereich der Hauptgeschoße glatt verputzt, weniger ausgeprägt und etwas abgestuft. Die Fenster des Erdgeschoßes sind zwischen den Wandpilastern ohne Umfassungen eingelassen und haben eine schmale Brüstung. Durch die unterschiedliche Mauerstärke entstehen zwischen den Wandpilastern Fensternischen, die nach oben hin durch Fensterverdachungen begrenzt werden. Gerahmte Wandfelder oberhalb der Tür- und Fensterverdachungen zieren die Fassade. Die Sockelzone reicht bis zum gesimsbegrenzten Zwischengeschoß und wird durch dieses abschlossen. Auf beiden Seiten zwischen zweitem und drittem Pilaster gibt es in allen Geschoßen jeweils vier schmale, hohe, gekoppelte Rechteckfenster. Diese sind in den beiden untersten Geschoßen nach innen versetzt, wodurch die Mauer zwischen den Gewänden stärker hervortritt. Bis zum Dachgesims verlaufende Lisenen setzen die dadurch entstehende vertikale Gliederung fort. Dieser Vertikalismus dominiert die wohlproportionierte, in sich geschlossene Fassade. Der Straßentrakt verfügt über ein Mansardendach mit Frontgiebel, links und rechts davon befinden sich zwei kleine Dachhäuschen. Insgesamt gibt es vier Stiegen. Die hinteren Trakte sind etwas höher gelegen, der Hof ist abgetreppt.

Der Name

Die Kastnergasse wurde 1875 nach dem Notar und Politiker Dr. Johann Kastner (1819-1873) benannt.

Architekten

Johann Franz Würzl - Johann Franz Würzl (1885-1951) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er die Meisterklasse von Otto Wagner besuchte. Bereits ab 1907 war er an der Erbauung des Miethausblocks Blechturmgasse 16-20 in Wien 4 beteiligt. Für die Gemeinde Wien errichtete Würzl in den 1920er-Jahren vier Wohnhausanlagen. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg entstand der Gemeindebau Goldschlagstraße 142 in Wien 14 nach seinen Plänen.

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