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Maria-und-Rudolf-Fischer-Hof

Fakten

Maria-und-Rudolf-Fischer-Hof

Laxenburger Straße 98, 1100 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 133

Architekt: Konstantin Peller

Weitere Adressen

Leebgasse 95, 1100 Wien

Migerkastraße 2-4, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Favoriten wurde 1874 von Wieden getrennt und zu einem eigenen Bezirk erhoben sowie später im Zuge der Eingemeindung der Vororte durch Teile von Inzersdorf, Ober- und Unterlaa erweitert. Um den vielen Arbeitern, die in den Lehmgruben am Wienerberg Arbeit fanden, Wohnmöglichkeiten zu bieten, musste eine Reihe von Wohnhäusern aus den Boden gestampft werden. Am Höhenrücken des Wienerbergs entstanden in Fortsetzung des gründerzeitlichen Rasterblocks des alten Arbeiterviertels einige Wohnhausanlagen aus der Zeit des "Roten Wien". Begrenzt wird das neue Wohnviertel von der Troststraße im Norden und von der Raxstraße im Süden, im Westen verläuft die Neilreichgasse und im Osten die Laxenburger Straße. Architektonisch sehr unterschiedlich und von den Zinskasernen aus der Zeit der Jahrhundertwende durch ihre reiche Fassadengestaltung nicht immer zu unterscheiden, waren sie jedoch in Bezug auf die sanitären Einrichtungen und Hygienestandards bereits weit fortschrittlicher als die alten "Bassenawohnungen". Die Gemeindebauten in der Laxenburger Straße 92 bis 98, die heute unter Denkmalschutz stehen, wurden in dieser Zeit gebaut, aber auch in der Leebgasse finden sich einige kommunale Wohnbauten.

Die Architektur

Einer der größten Gemeindebauten, die Konstantin Peller während seiner Zeit als Oberbaurat der Gemeinde Wien zwischen 1923 und 1933 errichtete, ist der Maria-und-Rudolf-Fischer-Hof. Die U-förmige Anlage, für ursprünglich 144 Wohnungen konzipiert, erstreckt sich mit langgezogener Front entlang der Migerkastraße, wo sich auch seitlich der Eingang in den geräumigen Innenhof befindet. Von hier aus werden die sieben Stiegen erschlossen, die sich deutlich als vorspringende Gebäudeteile mit oben und unten mit Gesimsbändern eingefassten Fensteröffnungen von der restlichen Fassadengestaltung abheben. Die lange Front in der Migerkastraße wird durch die dicht gesetzten Balkonreihen und die abschließenden Dachaufbauten sehr stark rhythmisch gegliedert, was der Fassadenfront ein modernes Aussehen verleiht. Eher traditionell hingegen wirken die mit Klinker bestückten, teilweise ums Eck geführten Maueröffnungen in der Laxenburger Straße und in der Leebgasse. Auch hier sorgen die teilweise gesimsartig gerahmten Fenster und das umlaufende Gesimsband zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß für eine horizontale Gliederung. Vertikale Balkonreihen komplettieren die Straßenfront in der Laxenburger Straße. Der langgezogene Wohnhof und der sehr großzügige, gärtnerisch schön gestaltete Innenhof runden, stilistisch an der Wende der Gemeindebauarchitektur von den 1920er-Jahren zu den 1930er-Jahren stehend, den vorgegebenen Blockraster eindrucksvoll ab.

Der Name

Die Wohnhausanlage, erbaut in den Jahren 1930 - 1931 nach Plänen Konstantin Pellers, wurde im Jahre 1949 nach dem Ehepaar Maria Fischer (1903 - 1943) und Rudolf Fischer (1905 - 1943) benannt. Die beiden Eheleute übten während des Faschismus eine leitende Funktion in der kommunistischen Bewegung aus und wurden im April des Jahres 1941 verhaftet. Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" wurden sie alsdann zum Tode verurteilt und 1943 schließlich wegen illegaler kommunistischer Tätigkeit hingerichtet. Während der NS-Zeit hieß die Anlage zeitweilig "Otto-Planetta-Hof" nach dem 1934 hingerichteten Putschisten Otto Planetta, der die tödlichen Schüsse auf Dollfuß abgegeben hatte.

Prominente Bewohner

Das während des Faschismus von den Nationalsozialisten wegen illegaler kommunistischer Tätigkeit hingerichtete Ehepaar Maria und Rudolf Fischer wohnte in der städtischen Wohnanlage, die später ihren Namen erhielt. Eine Gedenktafel im Stiegenhaus soll an die beiden erinnern. Hier steht zu lesen: "In dieser Wohnhausanlage lebte und wirkte das von den Nationalsozialisten hingemordete, heldenhafte Ehepaar Rudolf und Maria Fischer, tapfere Vorkämpfer für die Interessen der Arbeiterschaft und für ein freies Österreich."

Sanierung

von 1987 bis 2002

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 bis 1990 erfolgten der Einbau der Aufzüge und der Anschluss an die Fernwärme Wien. Von 2000 bis 2002 wurde eine weitere Sanierung vorgenommen. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Die Kosten beliefen sich auf 2.059.537 Euro, davon konnten 910.971 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Konstantin Peller - Konstantin Peller (1887-1969) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterschule von Otto Wagner. Er arbeitete zunächst als freischaffender Architekt sowie für kurze Zeit mit Josef Ludwig, bevor er vor Beginn des Ersten Weltkriegs in das Wiener Stadtbauamt eintrat. Während seiner Tätigkeit in dieser Funktion entwarf er, oft in Zusammenarbeit mit Julius Stoik und Adolf Stöckl, mehrere städtische Wohnhausanlagen und war u. a. auch bei der Regulierung des Wienflusses tätig. 1945 wurde Peller zum Vorsitzenden der Stadtplanung und des Wiederaufbaus ernannt. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Wiener Stadtbauamt hat Konstantin Peller mit der Gestaltung einer Reihe von Wohnbauten die Architektur des Roten Wien entscheidend mitgeprägt.

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