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Sandleitengasse 9-13

Fakten

Sandleitengasse 9-13

Sandleitengasse 9-13, 1160 Wien

Baujahr: 1960-1962

Wohnungen: 191

Architekt: Matthias Lukas Lang, Peter Czernin, Anton Schweighofer, Rupert Falkner

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Im gründerzeitlichen Umfeld Ottakrings, das von rasterartiger Blockrandbebauung geprägt ist, sticht diese Wohnhausanlage auf den ehemaligen Schottengründen durch die geometrische Stellung der Baukörper zueinander, die geringe Baudichte und das Freiraumkonzept positiv hervor. Laut Friedrich Achleitner stellen diese vier Wohnscheiben in Zeilenbauweise sogar eine radikale Verbesserungen dar und sind nicht, wie vielfach vorgeworfen, ein Feindbild des Städtebaus der 1970er- und 80er-Jahre.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage in der Sandleitengasse 9-13 ist in Zeilenbauweise errichtet und besteht aus zwei fünfgeschoßigen Gebäuden mit je zwei Stiegen, einem viergeschoßigen Bauteil mit drei Stiegen und einem neun Geschoße hohen Riegel mit fünf Stiegen; alle Bauten haben Flachdächer. Die Stiegenhäuser, die mit breiten Glasstegplatten ausgestattet sind, sowie die Fenster der Nebenräume sind Richtung Norden ausgerichtet. Auf Höhe der Fensterparapete laufen geschoßweise Putzstreifen durch, die die Fassade horizontal betonen. Die Loggien, deren Länge sich nach den unterschiedlichen Wohnungsgrößen richtet, orientieren sich nach Süden; die dahinter liegenden Fassaden sind raumhoch verglast. Je Gebäude unterschiedlich gefärbte Brüstungen laufen vor den Loggientrennwänden durch und erzeugen süd- wie nordseitig dasselbe horizontal geprägte Erscheinungsbild. Da die Wohnhausanlage auf einem Abhang liegt, wurden in den einseitig belichteten Sockelzonen Geschäftslokale bzw. Abstellräume untergebracht, die Zugänge zu den Stiegen führen über unterschiedlich hohe Treppenanlagen.

... und die Kunst

Im Grünraum zwischen den beiden fünfgeschoßigen Gebäuden steht eine Skulptur aus Aluminium und Stahlbeton von Franz Mynni (1963). Auf einem tonnenförmigen Sockel sind weit auskragende Ringe und Kugeln abwechselnd gestapelt.

Im so genannten Degen-Durchgang befindet sich entlang der Böschungsmauer ein Natursteinmosaik von Erwin Lang, das den alten Schottenhof darstellt (1963). Dieser ehemalige Freihof bestand seit Beginn des 14. Jahrhunderts an der Ecke Sandleitengasse/Ottakringer Straße und gelangte im 18. Jahrhundert in den Besitz des Schottenklosters, bis er 1964 abgerissen wurde.

Der Name

Die Sandleitengasse erhielt ihren Namen 1894 in Anlehnung an das Sandgewinnungslager, das hier bis 1880 geführt wurde, und an den alten Flurnamen "Leiten", also die örtliche Bezeichnung für das abschüssige Gelände, den Abhang. Zuvor hieß sie Dornbacher Straße.

Sanierung

von 1995 bis 1997

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1997 das Dach instand gesetzt.

Architekten

Matthias Lukas Lang - Matthias Lukas Lang (geb. 1927 in Gmunden) studierte von 1946 bis 1951 an der Universität für angewandte Kunst in der Meisterklasse von Oswald Haerdtl. Danach arbeitete er unter anderem im Büro von Max Fellerer am Wiederaufbau des Parlaments in Wien mit, bevor er sich 1958 mit dem Architekten Peter Czernin selbstständig machte. 1970 gründete er sein eigenes Architekturbüro, das er bis heute führt. Ein Schwerpunkt seines Schaffens lag neben dem Büro- und Industriebau vor allem auf dem Wohnbau und dem Bauen für Kinder, wie etwa das viel beachtete Kindertagesheim Roterdstraße 12 in Wien 16 (1980-1984).

Peter Czernin - Peter Czernin (geb. 1932) studierte an den Technischen Universitäten Wien und Graz, bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste und besuchte als Werksstudent die Meisterklasse von Franz Schuster an der Hochschule für angewandte Kunst. 1958 schloss er sich zunächst zu einer Arbeitsgemeinschaft mit Matthias Lukas Lang und Anton Schweighofer zusammen, bevor er 1970 sein eigenes Büro eröffnete. Zu Peter Czernins wichtigsten Bauten zählen das Hotel Marriot am Parkring in Wien 1 (mit Harry Glück, 1985), das Bundesamtsgebäude Vordere Zollamtsstraße 1 in Wien 3 (1986) und die Studiobühne des Max-Reinhardt-Seminars in Wien 14 (Penzinger Straße 7-9, 1990).

Anton Schweighofer - Anton Schweighofer (geb. 1930) beendete 1954 sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister. Seit 1959 arbeitet er als freischaffender Architekt. Schweighofer verfasste zahlreiche theoretische Arbeiten über Schulen, Spitäler und Kulturhäuser. Eines seiner bemerkenswertesten Werke ist die 1969 entstandene "Stadt des Kindes" (Mühlbergstraße 7, Wien 14), ein Jungendheim der Gemeinde Wien. Von 1977 bis 1999 war er Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität Wien.

Rupert Falkner - Rupert Falkner wurde 1930 in Wien geboren, wo er noch heute als freischaffender Architekt tätig ist. Nach dem Besuch der Meisterklasse von Prof. Clemens Holzmeister an der Akademie der Bildenden Künste in Wien widmete er sich vielseitigen Projekten im kommunalen Wohnbau, unter anderem dem Thema "familiengerechtes Wohnen" sowie der Entwicklung spezieller Wohnformen für Kinder und ältere Menschen. Auch bei der Planung der Wohnhausanlage Hetzendorfer Straße 100-104 standen diese Themen im Vordergrund.

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