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Weinheimergasse 7-9

Fakten

Weinheimergasse 7-9

Weinheimergasse 7-9, 1160 Wien

Baujahr: 1959-1961

Wohnungen: 101

Architekt: Alfred Kraupa, Alfred Kratochwil

Weitere Adressen

Arnethgasse 95-99, 1160 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Der Gemeindebau in der Weinheimergasse wird von der Vorortelinie (S45) tangiert, die als Teil der Wiener Stadtbahn Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Zur Erbauungszeit der Wohnhausanlage in den späten 1950er-Jahren nahmen Personen- und Güterverkehr auf dieser Strecke stetig ab, bevor die Gemeinde Wien ab 1975 mit den Bundesbahnen das S-Bahnnetz ausbaute.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage Weinheimergasse besteht aus einem quer gelagerten fünfgeschoßigen Wohnhaus in der Arnethgasse 95-99 und einem zwölfgeschoßigen Hochhaus in der Weinheimergasse 7-9. Das niedrigere Wohnhaus schließt mit zwölf Fensterachsen an die Straßenzeile an und mit einer Feuermauer zu einem unbebauten Grundstück ab. Die glatte Putzfassade ist straßenseitig durch die raumhohe Verglasung der zwei Stiegenhäuser und den mittig liegenden Durchgang in den Hof symmetrisch gegliedert. Der Sockel und die Pfeiler im Durchgang sind mit rauem Kunststein verkleidet, Treppen führen in den tiefer liegenden Hof hinab, zu dem die Balkone orientiert sind: zwei Reihen mit Einzelbalkonen an den Rändern der Hoffassade sowie mittig eine Balkonreihe über sechs Fensterachsen.

Das Wohnhochhaus ist mit seinen Schmalseiten Nord-Süd-orientiert und gegen Süden mit Balkonen, gegen Westen mit Loggien ausgestattet. Das leicht abfallende Gelände wird von einem mit rauem Kunststein verkleideten Sockel aufgenommen, eine der beiden Stiegen ist über Treppen erreichbar. Die neun Fensterachsen breite Straßenfassade wird wieder durch zwei verglaste Stiegenhäuser mit unterschiedlich gefärbten Fensterparapeten symmetrisch gegliedert, drei Reihen vierflügeliger Fenster betonen sie zusätzlich vertikal. Die Balkone der schmalen Südfassade führen über die Ecken hinaus, das auskragende Dachgesims des Flachdachs läuft um den zwei Fensterachsen breiten Mittelrisalit herum.

Vier unmittelbar aneinander grenzende Loggienreihen mit farbigen Fensterparapeten markieren die symmetrische Mitte der neun Fensterachsen breiten rückwärtigen Fassade. Besonders elegant sind bei beiden Bauten die originalen Türbeschläge aus Messing im Stil der 1950er-Jahre.

... und die Kunst

Im Durchgang zum Hof des Wohnhauses in der Arnethgasse befinden sich an den beiden gegenüberliegenden Wänden zwei Sgraffiti von Hildegard Kraupa von 1960: Die "Weinlese" stellt den Arbeitsprozess vom Ruf mit dem Horn über die Weinlese selbst bis zur Verarbeitung der Trauben in der Weinpresse dar. Der "Weinhütereinzug" zeigt die Prozession der Weinhüter, also jener Personen, die die Weingärten bewachen sollten, und einer Blasmusikkapelle in den Vorort Ottakring. In einer Inschrift wird erklärt: "Der letzte Weinhütereinzug in Ottakring wurde am 8. November 1875 gefeiert".

Der Name

Die Weinheimergasse wurde 1899 nach Lorenz Weinheimer (1820-1885), dem Mitgründer des Ottakringer Kirchenbauvereines und Gemeindevertreter benannt.

Die Arnethgasse hieß vor 1894 Wagnergasse und wurde dann nach Josef Ritter von Arneth (1791-1863), einem Historiker, Numismatiker und Professor der Numismatik und Altertumskunde an der Universität Wien, benannt.

Sanierung

von 2005 bis 2007

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 bis 2007 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.225.400 Euro, davon konnten 265.631 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfred Kraupa - Alfred Kraupa (1886-1969) studierte von 1910 bis 1913 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Friedrich Ohmann, in dessen Büro er später auch mitarbeitete. Als selbstständiger Architekt in Wien entwarf er vor allem Schulen und baute Kliniken um. Sein bedeutendstes Werk ist das Hotel Erzherzog Rainer (Wien 4, Wiedner Hauptstraße 27-29).

Alfred Kratochwil - Alfred Kratochwil (1911-2004) studierte von 1929 bis 1936 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1938 die 2. Staatsprüfung ablegte. Für die Gemeinde Wien plante er den Josef-Matejcek-Hof in Wien 14, Mauerbachstraße 38 (1966-1968), und zusammen mit Alfred Kraupa die Anlage Weinheimergasse 7-9 in Wien 16 (1959-1961).

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