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Pölzer-Hof

Fakten

Pölzer-Hof

Dampfgasse 35-37, 1100 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 100

Architekt: Hugo Mayer

Weitere Adressen

Neilreichgasse 1, 1100 Wien

Hasengasse 38-42, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Nach Fertigstellung der heute unter Denkmalschutz stehenden städtischen Wohnhausanlage übersiedelte auch die Favoritner Arbeiterbücherei vom Arbeiterheim in der Laxenburger Straße in die Dampfgasse 35, die zudem über Zweigstellen in der Bürgergasse 22, in der Siedlung Süd-Ost und in der Rasenstadt verfügte. Die Favoritner Arbeiterbücherei, eng im Zusammenhang mit der erstarkenden Arbeiterbewegung stehend, verzeichnete unter dem langjährigen Bibliothekar Johann Friedl einen immensen Aufschwung. Allein im Jahr 1927 wurden von etwa 4.000 Lesern rund 168.000 Bücher ausgeborgt und insbesondere die zeitkritischen Schriftsteller wie Emile Zola, Maxim Gorki und Ludwig Anzengruber durch die Bibliothek jedermann zugänglich gemacht. Die Lokalitäten in der Hasengasse beherbergen noch heute eine Bücherei, die Schwerpunkte jedoch verlagerten sich auf fremdsprachige, insbesondere türkischsprachige Literatur.

Die Architektur

Die fünfgeschoßige, nach Plänen von Hugo Mayer für ursprünglich 103 Wohnungen konzipierte Wohnhausanlage erstreckt sich mit ihrer quadratischen Grundform und den einzelnen, schlicht gegliederten Trakten entlang dreier Straßenzüge in unmittelbarer Nähe zum Waldmüllerpark. Im Süden wird die Blockrandbebauung geöffnet, wodurch der Hof gleichzeitig eine Aufwertung erfährt. Über dem repräsentativen, erdgeschoßigen Torbau in der Dampfgasse befindet sich das Wappen der Stadt Wien, im Inneren des Rundbogendurchgangs, in dem ein prunkvoller Leuchtkörper hängt, wurde mit einer als Bronzerelief gefertigten Gedenktafel an den Namensgeber der Anlage, Johann Pölzer, gedacht. Die am Heimatstil orientierte Architektur besticht durch ihre motivreiche und liebevoll ins Detail gehende Fassadengestaltung: Schmale Erkergruppen und hofseitige Balkone, dekorative Fensterumrahmungen und der zweifärbige Putz lassen die Anlage äußerst repräsentativ erscheinen, ein Eindruck, der durch die Walmdächer und Spitzgiebel noch verstärkt wird. In der abgerundeten Hausecke Dampfgasse/Neilreichgasse befindet sich ein Lokal, die Erdgeschoßzone in der Hasengasse beherbergt die Geschäftsräume der Städtischen Bücherei.

Der Name

Johann Pölzer wurde am 30. 1. 1872 in Alt-Petrain, Mähren, als Sohn eines Wagners und Mesners geboren und erlernte in Wien das Schneiderhandwerk. Schon als Lehrling schloss sich der junge Pölzer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung an, in Favoriten gründete er 1894 eine Bezirksorganisation, deren Obmann er 1897 wurde. Durch seinen rastlosen Einsatz für die sozialdemokratische Partei wuchs die Zahl der Mitglieder in Favoriten stark an, bereits 1900 stellte der Bezirk den ersten sozialdemokratischen Wiener Gemeinderat und 1901 den ersten Wiener Landtagsabgeordneten. Pölzer wurde 1918 Wiener Gemeinderat, von 1919 - 1934 fungierte er als Abgeordneter zur konstituierenden deutsch-österreichischen Nationalratsversammlung bzw. zum Nationalrat. Aufgrund seiner großen Beliebtheit hatte Johann Pölzer eine wichtige Vermittler- und Beraterfunktion zwischen Parteiführung und Mitgliedschaft inne. Nach Ausbruch der Februarkämpfe 1934 war Pölzer bereits schwer krank, wurde verhaftet und ins Inquisitenspital übermittelt. Am 21. 4. desselben Jahres erlag er seiner schweren Erkrankung.

Sanierung

von 1994 bis 1996

Der Pölzer-Hof wurde in den Jahren 1994 bis 1996 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Die Kosten beliefen sich auf 1.099.540 Euro, davon konnten 236.676 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hugo Mayer - Hugo Mayer (1883-1930) studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Wohnhaus- und Siedlungsbau und ist einer der wichtigsten Vertreter in diesem Bereich. Neben zahlreichen Wohnanlagen für die Gemeinde Wien plante er auch Kindergärten und Schulen. Seine Wohnanlage für die Bediensteten der Städtischen Gaswerke (1910-1914) gilt als typologischer Vorläufer des Gemeindewohnbaus der Zwischenkriegszeit.

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