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Salvador-Allende-Hof

Fakten

Salvador-Allende-Hof

Wilhelm-Kreß-Platz 29-30, 1110 Wien
Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1110 Wien
Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1110 Wien

Baujahr: 1963-1968

Wohnungen: 1085

Weitere Adressen

Weißenböckstraße 2-4, 1110 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Im Bereich der Wohnhausanlage zwischen Simmeringer Hauptstraße und Lorystraße bestand um 1900 eine Maschinenfabrik. Bereits unter dem NS-Regime war geplant auf dem Gelände nordwestlich des Wilhelm-Kreß-Platzes, als Erweiterung der Siedlung Weißenböckstraße, Holzhäuser ("Finnenhäuser") für Wehrmachtsangehörige zu errichten. Kriegsbedingt wurden die Arbeiten jedoch nicht begonnen. Die ab 1963 angelegte Wohnhausanlage zeigt den Übergang von der Gartenstadt zum städtischen Wohnhaus. Zwar wird von der idyllischen, kleinteiligen Verbauung, wie in der Siedlung Weißenböckstraße realisiert, Abstand genommen, die großen Wohnblöcke liegen jedoch locker angeordnet, von großzügigen Grünflächen umgeben. Es handelt sich um eine ab den 1950er-Jahren angewandte Verbauungsweise, die durch Erschließung von Grünlandreserven am Stadtrand ermöglicht wurde.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf dem leicht ansteigenden Gelände von der Simmeringer Hauptstraße bis Am Kanal. Sie besteht aus 23 frei stehenden Häusern, die insgesamt 86 Stiegen beherbergen. Die einzelnen Gebäude umfassen vier bis acht Geschoße und sind in Zeilenbauweise angelegt. Jeweils drei Blöcke liegen parallel nebeneinander und bilden so quer zur Weißenböckstraße ausgerichtete Gruppen. Diese sechs Häusergruppen sind deutlich von der Straße zurück in den Grünbereich versetzt; nur am oberen Ende der Weißenböckstraße reicht eine bis an den Straßenrand. Die restlichen fünf vereinzelt stehenden Häuser sind parallel zur Weißenböckstraße ausgerichtet. Umfassen die Blöcke der Dreiergruppen zwei bis maximal vier Stiegenhäuser, erstrecken sich die beiden Bauten entlang der Weißenböckstraße über sieben bzw. fünf Stiegen. Sie sind der Anlage quasi als "Schutzschilder" zur Straße vorangestellt. Die Gestaltung der Häuser, obwohl in drei Bauabschnitten von unterschiedlichen Architektengruppen entworfen, folgt einem gemeinsamen Schema. Die glatten Putzfassaden sind von der niedrigen Sockelzone bis zum abschließenden Dachgesims ohne Zäsur hochgezogen. Strukturiert werden sie durch Achsen unterschiedlich großer Fenster. Die langen Häuser sind zum Teil dem Gelände folgend in der Höhe gestuft und werden auch durch Sprünge in der Baulinie in einzelne Bauteile zergliedert. Die Stiegenhausachsen sind leicht hinter die Fassadenfront zurückversetzt und großflächig verglast, durchbrechen jedoch nicht das Dachgesims und setzen so nur dezente vertikale Akzente. Die weit ausladenden Balkone öffnen die Wohnungen zum Grünbereich und gliedern, gezielt eingesetzt, zusammen mit französischen Fenstern die langen Fronten. Überragt wird die Anlage von dem acht Geschoße umfassenden Block, dessen Höhe jedoch, da weit zurückversetzt, von der Straße kaum wahrgenommen wird.

... und die Kunst

Die Stiegenhausachsen der Wohnblöcke sind mit abstrakt-dekorativen Sgraffitowandfeldern versehen. Folgende Künstler waren daran beteiligt: Ferry Zotter (1963/64), Richard Pechoc (1966), Ernst E. Müller (1963/64), Peter Palffy (1964/65), Heribert Potuznik (1964/65), Ernst Höffinger (1966-1968), Adolf Frohner (1963/64), Liselotte Beschorner (1966/67), Siegfried Fischer (1963-1966), Peter Jirak (1964-1966), Karl Kreutzberger (1963/64), Carolus Lehner (1964/65), Robert Schmitt (1963/64), Hans Stockbauer (1964-1968), Heinrich Tahedl (1966/67), Johannes Wanke (1964-1966), Peppino Wieternik (1966/67), Fritz Fischer (1966), Roman Haller (1968).

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach dem promovierten Arzt und früheren Präsidenten Chiles Salvador Allende (1908-1973) benannt. Allende wurde 1937 Parlamentsabgeordneter der Sozialistischen Partei und bereits im folgenden Jahr Gesundheitsminister. Erstmals war er 1952 Präsidentschaftskandidat, wurde jedoch erst 1970 nach einer Wahl ohne absolute Mehrheit vom Parlament zum Präsidenten von Chile gewählt. Seine Amtszeit war von sozialen Reformen geprägt, die vor allem das Gesundheitswesen und die Schulbildung betrafen. Seine Wirtschaftspolitik führte jedoch bald zu Lebensmittelknappheiten und einer schnell steigenden Inflation, die ihm heftigste Kritiken einbrachten. Allende kam 1973 beim von General Augusto Pinochet angeführten Putsch ums Leben.

Sanierung

von 1988 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 und 1989 erfolgte unter anderem auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 1.067.055 Euro, davon konnten 853.644 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Eine umfassende Sanierung ist ab 2014 vorgesehen.

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