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Salvador-Allende-Hof

Fakten

Salvador-Allende-Hof

Wilhelm-Kreß-Platz 29-30, 1110 Wien
Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1110 Wien

Baujahr: 1963-1968

Wohnungen: 1092

Architekt: Otto Frank, Fritz Gerhard Mayr, Matthäus Jiszda II., Erwin Christoph, Franz Ullmann, Alois Schrimpf, Richard Horner, Leopoldine Schwarzinger, Rudolf Angelides, Anny Beranek, Hans Paar, Eduard Berger, Wolfram Schindler, Franz Tontur

Weitere Adressen

Weißenböckstraße 2-4, 1110 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Im Bereich der Wohnhausanlage zwischen Simmeringer Hauptstraße und Lorystraße bestand um 1900 eine Maschinenfabrik. Bereits unter dem NS-Regime war geplant auf dem Gelände nordwestlich des Wilhelm-Kreß-Platzes, als Erweiterung der Siedlung Weißenböckstraße, Holzhäuser ("Finnenhäuser") für Wehrmachtsangehörige zu errichten. Kriegsbedingt wurden die Arbeiten jedoch nicht begonnen. Die ab 1963 angelegte Wohnhausanlage zeigt den Übergang von der Gartenstadt zum städtischen Wohnhaus. Zwar wird von der idyllischen, kleinteiligen Verbauung, wie in der Siedlung Weißenböckstraße realisiert, Abstand genommen, die großen Wohnblöcke liegen jedoch locker angeordnet, von großzügigen Grünflächen umgeben. Es handelt sich um eine ab den 1950er-Jahren angewandte Verbauungsweise, die durch Erschließung von Grünlandreserven am Stadtrand ermöglicht wurde.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf dem leicht ansteigenden Gelände von der Simmeringer Hauptstraße bis Am Kanal. Sie besteht aus 23 frei stehenden Häusern, die insgesamt 86 Stiegen beherbergen. Die einzelnen Gebäude umfassen vier bis acht Geschoße und sind in Zeilenbauweise angelegt. Jeweils drei Blöcke liegen parallel nebeneinander und bilden so quer zur Weißenböckstraße ausgerichtete Gruppen. Diese sechs Häusergruppen sind deutlich von der Straße zurück in den Grünbereich versetzt; nur am oberen Ende der Weißenböckstraße reicht eine bis an den Straßenrand. Die restlichen fünf vereinzelt stehenden Häuser sind parallel zur Weißenböckstraße ausgerichtet. Umfassen die Blöcke der Dreiergruppen zwei bis maximal vier Stiegenhäuser, erstrecken sich die beiden Bauten entlang der Weißenböckstraße über sieben bzw. fünf Stiegen. Sie sind der Anlage quasi als "Schutzschilder" zur Straße vorangestellt. Die Gestaltung der Häuser, obwohl in drei Bauabschnitten von unterschiedlichen Architektengruppen entworfen, folgt einem gemeinsamen Schema. Die glatten Putzfassaden sind von der niedrigen Sockelzone bis zum abschließenden Dachgesims ohne Zäsur hochgezogen. Strukturiert werden sie durch Achsen unterschiedlich großer Fenster. Die langen Häuser sind zum Teil dem Gelände folgend in der Höhe gestuft und werden auch durch Sprünge in der Baulinie in einzelne Bauteile zergliedert. Die Stiegenhausachsen sind leicht hinter die Fassadenfront zurückversetzt und großflächig verglast, durchbrechen jedoch nicht das Dachgesims und setzen so nur dezente vertikale Akzente. Die weit ausladenden Balkone öffnen die Wohnungen zum Grünbereich und gliedern, gezielt eingesetzt, zusammen mit französischen Fenstern die langen Fronten. Überragt wird die Anlage von dem acht Geschoße umfassenden Block, dessen Höhe jedoch, da weit zurückversetzt, von der Straße kaum wahrgenommen wird.

... und die Kunst

Die Stiegenhausachsen der Wohnblöcke sind mit abstrakt-dekorativen Sgraffitowandfeldern versehen. Folgende Künstler waren daran beteiligt: Ferry Zotter (1963/64), Richard Pechoc (1966), Ernst E. Müller (1963/64), Peter Palffy (1964/65), Heribert Potuznik (1964/65), Ernst Höffinger (1966-1968), Adolf Frohner (1963/64), Liselotte Beschorner (1966/67), Siegfried Fischer (1963-1966), Peter Jirak (1964-1966), Karl Kreutzberger (1963/64), Carolus Lehner (1964/65), Robert Schmitt (1963/64), Hans Stockbauer (1964-1968), Heinrich Tahedl (1966/67), Johannes Wanke (1964-1966), Peppino Wieternik (1966/67), Fritz Fischer (1966), Roman Haller (1968).

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach dem promovierten Arzt und früheren Präsidenten Chiles Salvador Allende (1908-1973) benannt. Allende wurde 1937 Parlamentsabgeordneter der Sozialistischen Partei und bereits im folgenden Jahr Gesundheitsminister. Erstmals war er 1952 Präsidentschaftskandidat, wurde jedoch erst 1970 nach einer Wahl ohne absolute Mehrheit vom Parlament zum Präsidenten von Chile gewählt. Seine Amtszeit war von sozialen Reformen geprägt, die vor allem das Gesundheitswesen und die Schulbildung betrafen. Seine Wirtschaftspolitik führte jedoch bald zu Lebensmittelknappheiten und einer schnell steigenden Inflation, die ihm heftigste Kritiken einbrachten. Allende kam 1973 beim von General Augusto Pinochet angeführten Putsch ums Leben.

Sanierung

von 1988 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 und 1989 erfolgte unter anderem auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 1.067.055 Euro, davon konnten 853.644 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Eine umfassende Sanierung ist ab 2014 vorgesehen.

Architekten

Otto Frank - Otto Frank (geb. 1920) studierte von 1947-1951 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Schuster. Für die Gemeinde Wien arbeitete er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an mehreren Wohnbauten mit. So war Frank unter anderem an den Entwürfen zum August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1955-1957) und zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1963-1968) beteiligt.

Fritz Gerhard Mayr - Fritz Gerhard Mayr (geb. 1931) studierte von 1954-1957 bei Lois Welzenbacher und Roland Rainer an der Akademie der bildenden Künste in Wien. In Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Fritz Wotruba entstand die Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit in Wien-Mauer. Mayrs Arbeiten reichen von Schulen über Bürogebäude bis hin zu Wohnhäusern, wie jenes in der Beheimgasse 59 in Wien 17.

Matthäus Jiszda II. - Matthäus Jiszda II. (1908-1998) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Clemens Holzmeister und Peter Behrens. Er entwarf hauptsächlich Betriebswerkstätten für Industriekonzerne; für die Gemeinde Wien plante er unter anderem den Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (mit Otto Frank und Richard Horner) sowie den Karl-Wrba-Hof in Wien 10 (mit seinem Sohn Matthäus Jiszda III.).

Erwin Christoph - Erwin Christoph (1925-1987) studierte bis 1953 an der Technischen Hochschule in Wien. Als Architekt plante er sowohl alleine als auch in zahlreichen Arbeitsgemeinschaften mehrere Wohnhausanlagen in Wien, so z.B. das Wohnhaus in der Heiligenstädter Straße 11 (19. Bezirk), das Wohnhaus in der Loeschenkohlgasse 4 (15. Bezirk), ein Haus in der Pyrkergasse 18 (19. Bezirk) und das Bezirkszentrum Hernals, Elterleinplatz 9-12, in Wien 17 (1984-1986). Aufgrund seiner enormen Wettbewerbserfolge wurde Erwin Christoph auch die Planungs- und Bauleitung für die neue Abfertigungshalle und das Betriebsgebäude des Flughafens Salzburg übertragen.

Franz Ullmann - Franz Ullmann (1904-1999) studierte von 1935 bis 1937 bei Josef Hoffmann und Oswald Haerdtl an der Wiener Kunstgewerbeschule. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien an den Entwürfen zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1963-1968) beteiligt.

Alois Schrimpf - Alois Schrimpf (1921-1982) studierte von 1947 bis 1953 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an der Planung zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11, Simmeringer Hauptstraße 190-192 (1963-1968), beteiligt.

Richard Horner - Richard Horner (1900-1963) studierte von 1928-1930 Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister. Er entwarf unter anderem zusammen mit Wilhelm Kroupa den 1953/54 errichteten Richard-Strauss-Hof in Wien 3 (Am Modenapark 8-9).

Leopoldine Schwarzinger - Leopoldine Schwarzinger (geb. Pollak, 1913-2002) studierte vor dem Zweiten Weltkrieg Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach 1945 war sie (unter den Namen L. Schwarzinger und L. Kirschner) vor allem im Wiederaufbau tätig und entwarf vorwiegend in Gemeinschaft mit anderen Architekten mehrere Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Von ihr stammen unter anderem die Pläne für die Wohnhäuser Oberlaaer Straße 87 in Wien 10 (1956) und Geibelgasse 10 in Wien 15 (1978-1980); zusammen mit Felix Hasenöhrl entwarf sie die Anlage Römersthalgasse 9-17 in Wien 11 (1961/62).

Rudolf Angelides - Der in Konstantinopel (heute Istanbul/Türkei) geborene Rudolf Angelides (1917-2000) studierte ab 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1943 während eines Studienurlaubs vom Kriegsdienst sein Diplom erhielt. Nach dem Krieg war er zunächst bei der Baufirma Schärdinger und später im Büro von Robert Kotas beschäftigt. 1951 machte sich Angelides als Architekt selbständig, wobei er neben zahlreichen Wohnbauten vor allem auch Gebäude für das evangelische Kirchenbauamt ausführte. So wurden unter anderem die evangelischen Kirchen in Berndorf (NÖ, 1958), in Bruck/Leitha (NÖ, 1962) und die evangelischen Gemeindezentren Sebastianplatz 4 in Wien 3 (1958) und Jagdschlossgasse 44 in Wien 13 (samt Kirche, 1957-1960) nach seinen Plänen errichtet.

Anny Beranek - Anny Beranek (geb. Langer, 1914-1998) studierte ab 1934 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war sie unter anderem an den Entwürfen der Wohnhausanlage Arltgasse 2-16 in Wien 16 (1931-1956) beteiligt.

Hans Paar - Hans Paar (1892-1977) praktizierte nach seinem Studium an der Technischen Hochschule in Prag im Büro Gessner in Wien, wo er unter anderem am Ferdinand-Lassalle-Hof mitarbeitete. Mit seinem Bruder Adolf Paar und seinem Partner Paul May schuf er die beiden Gemeindebauten in der Hickelgasse in Wien 14 und Fultonstraße 3-11 in Wien 21. Nach Kriegsende zeigte Paar, der selbst in der Künstlersiedlung lebte und sich während des Zweiten Weltkrieges mit der Planung von Industriebauten beschäftigte, reges Interesse am Wiederaufbau in Wien.

Eduard Berger - Eduard Berger (geb. 1924) absolvierte zunächst die Höhere Technische Bundeslehranstalt für Hoch- und Tiefbau in der Schellinggasse, bevor er von 1945 bis 1949 an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte, wo er die Meisterklasse von Lois Welzenbacher besuchte. Nach einigen Praxisjahren machte sich Berger 1954 als Architekt selbstständig. Er entwarf neben zahlreichen Wohnbauten unter anderem auch eine Sportanlage in Traiskirchen, eine Hotelanlage nahe dem Triebener Tauern und ein Ferienheim in Seewalchen am Attersee.

Wolfram Schindler - Wolfram Schindler (geb. 1926) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11, Simmeringer Haupstraße 190-192 (1965-1968) und zur Wohnhausanlage Grenzackerstraße 7-11 in Wien 10 (1968-1970) beteiligt.

Franz Tontur - Franz Tontur (1925-1997) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Er ging später eine Bürogemeinschaft mit dem Architekten Heinrich Baier ein, die bis zu seinem Tod bestand. Franz Tontur war unter anderem an den Entwürfen zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (Simmeringer Hauptstraße 190-192, ab 1963) beteiligt.

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