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Haberlgasse 76

Fakten

Haberlgasse 76

Haberlgasse 76, 1160 Wien

Baujahr: 1949-1952

Wohnungen: 20

Architekt: Leo Kammel sen., Robert Ulrich

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnhausanlage in der Haberlgasse 76 wurde in den Jahren 1949 bis 1952 nach den Plänen der Architekten Leo Kammel sen. und Robert Ulrich erbaut. Der Entwurf sah im Erdgeschoß drei Geschäftslokale und einen Stützpunkt der Wiener Straßenreinigung vor. Heute befinden sich in diesen zusammengelegten Räumlichkeiten die Gebietsbetreuung der Stadterneuerung im 16. Bezirk und ein Installateurbetrieb. Die beiden obersten Etagen wurden zu einem Kindergarten der Stadt Wien ausgebaut.

Die Architektur

Die fünfgeschoßige, L-förmige Wohnhausanlage besteht aus einem Straßentrakt und einem Hoftrakt. An der Fassade zur Haberlgasse strukturieren links und rechts schwach ausgebildete Risalite in der Breite einer Fensterachse die Fassade, darüber hinaus sind die Fensterrahmen das einzige zusätzliche dekorative Element an der sonst schlicht gehaltenen Fassade der oberen drei Geschoße. Die genutete Sockelzone des Gebäudes wurde bis ins zweite Geschoß hochgezogen, wo sie mit einem Sockelgesims knapp über der Fensterreihe abschließt. Durch eine Einfahrt an der rechten Seite des Gebäudes gelangt man in den Hof. Dort liegen die Eingänge zu den beiden Stiegenhäusern. Weiters laden eine begrünte Terrasse mit mehreren Sitzgelegenheiten und ein Kinderspielplatz die BewohnerInnen zum Verweilen ein. An der linken Seite des Gebäudes befindet sich der Zugang zum Kindergarten.

... und die Kunst

Über der Hofeinfahrt ist ein klassizistisch anmutendes lebensgroßes Hochrelief angebracht, das eine liegende junge Frau und ihren Sohn darstellt. Der Schöpfer dieser Supraporte "Mutter mit Kind" ist der bekannte Bildhauer Josef Riedl (1884-1965).

Der Name

Die Haberlgasse wurde nach dem Kaufmann und Bürgermeister von Neulerchenfeld, Johann Haberl (1864-1882), benannt. Vor der offiziellen Umbenennung 1959 hieß der Straßenzug Reinhartgasse.

Architekten

Leo Kammel sen. - Leo Kammel sen. (1885-1948) studierte in Prag, unter anderem bei Jan Kotera, und ließ sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Wien nieder. Hier entstand ein Großteil seiner zunächst noch kubistisch geprägten Bauten, insbesondere für das Rote Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er am Wiederaufbau des Volkstheaters beteiligt, in dem er 1938 das sogenannte "Führerzimmer" einrichtete.

Robert Ulrich - Robert Ulrich (1894-1981) studierte ab 1920 Architektur bei Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Für die Gemeinde Wien entwarf er das Wohnhaus Am Modenapark 15 in Wien 3 (1951/52). Die Anlage Haberlgasse 76 in Wien 16 (1949-1952) plante er gemeinsam mit Leo Kammel sen.; die Anlage Zeilergasse 39-43 in Wien 17 (1957/58) mit Norbert Mandel.

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