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Odoakergasse 10-18

Fakten

Odoakergasse 10-18

Odoakergasse 10-18, 1160 Wien

Baujahr: 1933-1933

Wohnungen: 108

Architekt: Karl Schmalhofer

Weitere Adressen

Nauseagasse 11-13, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Der Gemeindebau in der Odoakergasse wurde 1933 erbaut und war einer der letzten Ottakringer Wohnhausanlagen der Ersten Republik und ebenso des Architekten Karl Schmalhofer, der als Jahrgang 1871 im Jahre 1934 mit der Verleihung des Titels "Oberstadtbaurat" seinen Ruhestand antrat.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage zwischen Odoakergasse und Nauseagasse besteht aus drei Häusern mit insgesamt sechs Stiegen, die mit den benachbarten Gebäuden einen L-förmigen Innenhof einschließen. Die breite Baulückenschließung in der Odoakergasse ist in der Höhe gestaffelt und gleicht nicht nur das abfallende Gelände aus, sondern schließt auch exakt an die Traufen der Nachbarhäuser an. Die viergeschoßige, 20 Fensterachsen lange, glatte Putzfassade ist mit farblich abgehobenen Fensterfaschen und vier flachen, regelmäßig angeordneten Erkern, über denen Mansardendächer angeordnet sind, sehr zurückhaltend gestaltet. Diese stark reduzierte Tektonik ist typisch für die letzten Gemeindebauten vor 1934. In der Nauseagasse war eine deutlich schmälere Baulücke zu füllen; so wirkt die 10 Fensterachsen breite und hier fünf Geschoße hohe Fassade trotz des ebenso dezent und symmetrisch gegliederten Baukörpers wesentlich plastischer. Mittig kragt ein zwei Fensterachsen breiter, mit geometrischen Putzmustern strukturierter Erker aus, das fünfte Geschoß ist über vier Fensterachsen zurückversetzt und mit sechs Fenstern abweichend rhythmisiert. Die beiden flankierenden Bauteile heben sich durch je einen Balkon und Gesimsstreifen im obersten Geschoß von der übrigen Fassade ab. Eine Durchfahrt führt in den Hof, in dem sich ein dritter Baukörper an die angrenzende Feuermauer anschmiegt. Sein Grundriss bildet ein halbiertes Achteck, die abgewinkelten Fassaden behindern somit nicht den Lichteinfall der beiden benachbarten Hoffassaden; hier wurde der Bauplatz größtmöglich ausgenutzt.

Der Name

Die Odoakergasse wurde 1883 nach Odoaker, einem germanischen Fürsten, benannt, da man im 19. Jahrhundert glaubte, Odoaker wäre der Begründer von Ottakring gewesen. Der Fürst fiel 493 gegen Theoderich im Kampf um das Weströmische Reich.

Sanierung

von 1994 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1994 bis 1996 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.557.524 Euro, davon konnten 633.057 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Schmalhofer - Karl Schmalhofer (1871-1960) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Architekt des Wiener Stadtbauamtes errichtete er zahlreiche Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Sein bedeutendstes Werk ist das gemeinsam mit Otto Nadel erbaute Amalienbad (Wien 10, Reumannplatz).

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