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Josef-Srp-Hof

Fakten

Josef-Srp-Hof

Thaliastraße 113, 1160 Wien

Baujahr: 1926-1926

Wohnungen: 20

Architekt: Rudolf Weiser

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Wohnhaus von Rudolf Weiser ist zwischen Wohnbauten aus dem 19. Jahrhundert eingebettet und besticht heute durch den großen gemeinschaftlichen Hofbereich: Die aneinander grenzenden Innenhöfe der benachbarten Wohnhäuser im Bereich Thaliastraße, Sulmgasse und Heindlgasse wurden zu einem großen vielschichtig angelegten Grünraum ausgestaltet.

Die Architektur

Der 1926 errichtete fünfgeschoßige Josef-Srp-Hof zeichnet sich besonders durch sein auffallendes Dekor aus. Beachtung verdient hier vor allem das Erdgeschoß mit der Portal- und Geschäftszone, die mittels expressiver Gestaltungselemente eine deutliche Akzentuierung erfährt. Die als flacher Erker ausgeführte und mehrfach abgestufte Mittelachse wird von klassizistisch-expressiven Formen beherrscht. In der Hauptzone ist der fünfachsige Wohnbau eher schlicht gehalten, erst in der letzten Etage wird der Dekor in Form von angedeuteten Fensterverdachungen wieder aufgenommen. Das Kranzgesims schließt mit einer wellenförmigen Putzleiste ab. Auf dem Dach befinden sich zwei krönende Schmuckformen, die sich aus den in der gesamten Gestaltung immer wiederkehrenden geometrischen Formen Rechteck, Dreieck und Kugel zusammensetzen.

Der Name

Die Wohnhausanlage in der Thaliastraße 113 wurde 2010 in Josef-Srp-Hof umbenannt. Josef Srp (1919-2002) trat nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in den Dienst der Gemeinde Wien, wo er viele Jahre lang am Jugendamt in Ottakring tätig war. Bis zum Jahr 1950 war Srp auch Leiter der Wiener Roten Falken und Bundesvorstandsmitglied der Kinderfreunde.
1954 wurde Srp in die Bezirksvertretung gewählt, der er zunächst bis 1962 und dann wieder von 1973 bis 
1979 angehörte. Von 1962 bis 1970 war Srp Mitglied des Gemeinderates, von 1970 bis 1979 Bezirksvorsteher von Ottakring, wo er sich um die Entwicklung des Bezirks in den siebziger Jahren große Verdienste erwarb.

 Mit Josef Srp begann der forcierte Ausbau von Freizeiteinrichtungen und der kulturellen Vielfalt. Nach seiner Pensionierung war Srp weiterhin im Pensionistenverband aktiv.

Sanierung

von 2013 bis 2015

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2013 bis 2015 eine Sockelsanierung durchgeführt. Unter anderem wurden sämtliche Fassaden instandgesetzt und mit einer Wärmedämmung versehen, Wärmeschutzfenster eingebaut, die Waschküche und die Gehwege erneuert sowie neue Balkone errichtet und Aufzüge eingebaut.

Architekten

Rudolf Weiser - Rudolf Weiser (1885-1968) studierte erst ab 1916 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Friedrich Ohmann, nachdem er bereits mehrere Wohnhäuser in Wien 2 errichtet hatte. In der Zwischenkriegszeit entwarf der Architekt für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Thaliastraße 113 in Wien 16. Aufgrund der schlechten Auftragslage übersiedelte Weiser 1928 nach Prag, wo er bis zu seinem Tod 1968 seinen Beruf ausübte und mehrere Großprojekte, wie etwa das Hotel Central (Praha-Stare Mesto, Rybna 8), realisieren konnte.

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