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Camillo-Sitte-Gasse 11-13

Fakten

Camillo-Sitte-Gasse 11-13

Camillo-Sitte-Gasse 11-13, 1150 Wien

Baujahr: 1943-1944

Wohnungen: 49

Architekt: Rudolf Eisler

Weitere Adressen

Walkürengasse 8-10, 1150 Wien

Wohnen in Wien

1938 wurde der Nationalsozialist Hermann Neubacher aus dem Bauressort Wiener Bürgermeister. Die nationalsozialistischen Stadtplaner wälzten pompöse Ideen und Pläne - in erster Linie Propagandamaßnahmen. Die systematische Zerstörung jüdischen Eigentums und Enteignungen - auch von Gemeindewohnungen - waren Teil dieser Stadtplanung. Während einige Architekten ihre Lizenz verloren, wurden andere mit der Errichtung von Volkswohnhäusern, Kasernen und Rüstungsbauten beauftragt. Entgegen den anfänglichen Plänen wurde mehr in Kriegsbauten als in den Wohnbau investiert - die heute noch existierenden Flaktürme wurden errichtet. Ab 1941 wurde die Bautätigkeit kriegsbedingt größtenteils eingestellt und die Strukturen der Stadtplanung wurden aufgelöst. Die Zerstörung großer Teile Wiens war Folge des Krieges.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich im so genannten Nibelungenviertel, das seinen Namen aufgrund der vielen auf das Nibelungenlied zurückgehenden Namen von Gassen und Plätzen in der Gegend erhielt. Ehemals der östliche Teil des Exerzier- und Paradeplatzes Schmelz, wurde das zwischen Hütteldorfer Straße, Gablenzgasse, Stutterheimstraße und Vogelweidplatz liegende Gebiet ab 1910 zur Besiedelung freigegeben und mit großbürgerlichen Mietshäusern verbaut. Diese Bautätigkeit wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen, die noch bestehenden Baulücken wurden vor allem in der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Gemeindebauten geschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Rahmen des sozialen Wohnbaus in ganz Wien nur wenige Wohnhäuser errichtet, die Wohnhausanlage Camillo-Sitte-Gasse 11-13 gehört zu den wenigen Ausnahmen in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Die Architektur

Die Eckverbauung umschließt gemeinsam mit dem angrenzenden Wohnhaus einen sich zur Brunhildengasse öffnenden, begrünten Straßenhof. Die fünf Stiegenhäuser, über welche die Anlage erschlossen wird, sind sowohl über den Hof als auch über das Haustor in der Camillo-Sitte-Gasse, das zu einem Durchgang führt, erreichbar. Die Aufzugsschächte an den Stiegenhäusern 1, 2, 4 und 5 im Hof wurden 1987 zugebaut, für die Stiege 3 wurde der Lift in einen bestehenden Lüftungsschacht eingebaut. Die architektonische Gestaltung steht zwar in der Nachfolge der Hofanlagen der Zwischenkriegszeit, allerdings wurde hier auf den repräsentativen Anspruch verzichtet, der viele der Gemeindebauten des Roten Wien auszeichnet. Die Fassaden des fünfgeschoßigen Gebäudes wurden glatt verputzt, als schmückende und gliedernde Elemente wurden Fensterfaschen und Bänder angebracht. Diese Bänder rahmen den Baukörper oberhalb der niedrigen Sockelzone und fassen die Fensterreihen der obersten Geschoße ein. Der die Straßenfassade an der Walkürengasse bestimmende Erker erinnert noch am stärksten an so manchen Gemeindebau der Zwischenkriegszeit.

Der Name

Die Camillo-Sitte-Gasse, ehemals Sittegasse, wurde 1913 nach dem Wiener Architekten Camillo Sitte (1843-1903) benannt. Camillo Sitte ist vor allem für seine städtebaulichen Kompetenzen bekannt. Er war einer der führenden Fachleute auf diesem Gebiet und veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu städtebaulichen Fragen. Sein Buch "Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen" erschien 1889.

Sanierung

von 1988 bis 1991

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1988 bis 1991 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.089.002 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Rudolf Eisler - Rudolf Eisler (1881-1977) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste und an der Technischen Hochschule Wien. Gemeinsam mit Ferdinand Glaser realisierte er bereits vor dem Ersten Weltkrieg mehrere Bankgebäude in der gesamten Donaumonarchie. Mit Glaser führte er auch seinen wichtigsten Autrag aus, die von 1923 bis 1925 erfolgte Ausstattung der Österreichischen Nationalbank am Otto-Wagner-Platz in Wien 9. Für die Stadt Wien entwarf Eisler die Wohnhausanlagen Walkürengasse 8-10 in Wien 15 (1944) und Kleingasse 6-18 in Wien 3 (1950-1951, mit Josef Baudys).

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