Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Rauchfangkehrergasse 26

Fakten

Rauchfangkehrergasse 26

Rauchfangkehrergasse 26, 1150 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 33

Architekt: Anton Brenner

Weitere Adressen

Heinickegasse 1, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Interessant ist vor allem die Vorgeschichte: Architekt Anton Brenner nahm noch als Student an einem Wettbewerb der Stadt Wien für einen Gemeindebau teil, bei dem unter anderem zweckmäßige Grundrisslösungen gefordert wurden. Brenner konnte diesen Wettbewerb zwar nicht gewinnen, wurde aber nach dem Sieg in einem Wettbewerb der Berliner Zeitschrift "Bauwelt" mit der Planung eines Wohnhauses mit eingebauten Möbeln in Wien betraut. Nach einem Rechtstreit über die Urheberschaft präsentierte der Architekt schließlich in einer Ausstellung ein Wohnungsmodell im Maßstab 1:10 und kündigte an, dass er selbst in dieser Wohnung wohnen werde. Diese Präsentation war ein Publikumserfolg und Brenner erhielt schließlich einen Planungsauftrag der Stadt Wien.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde als Eckverbauung konzipiert und umschließt mit den angrenzenden Bauten einen kleinen Innenhof. Die Architektur selbst erinnert wenig an die "klassischen" Gemeindebauten des "Roten Wien": die streng gegliederte Fassade, die kubischen Baublöcke und eingeschnittenen Loggien weisen vielmehr eine Verwandtschaft mit der Architektur des "Neuen Bauens" auf. Palastartige Elemente, schmückende Verzierungen und "Kunst am Bau" fehlen. Die Gliederung der Fassade geschieht alleine durch je drei Fenster verbindende Kordongesimse im Parapet-Bereich. Die Wohnungen selbst werden über zwei Stiegen erschlossen, die Geschoße wurden zueinander um je einen Halbstock versetzt. Nicht zuletzt durch diesen Kunstgriff gelang es Brenner, den vorhandenen Raum bestmöglich auszunützen: die Mittelmauer wurde aufgelöst, wodurch Raum für Wandnischen entstand, in denen Klappbetten eingebaut waren. Wohn- und Schlafzimmer waren durch eine eingebaute Kastenwand getrennt, besondere Aufmerksamkeit kam der rationalen Anlage der Küche zu. Auch der Vorraum mit eingebauter Kleiderablage und Mottenkammer wurde von Brenner präzise durchdacht. Im WC hatte er ursprünglich auch eine Dusche eingeplant, diese Idee wurde jedoch aus Kostengründen nicht realisiert.

Der Name

Brenners Wohnbau selbst trägt keinen Namen - aus heutiger Sicht darf man die Anlage nach Brenners eigener Definition wohl als "Wohnmaschine" bezeichnen. Die Rauchfangkehrergasse wurde 1858 nach einem Hausschild "Zum Rauchfangkehrer" benannt.

Prominente Bewohner

Anton Brenner selbst wohnte mit seiner Familie in einer der Wohnungen im zweiten Stock. Eben diese Wohnung, in der sich die ursprüngliche Ausstattung erhalten hat, wurde vom Bundesdenkmalamt restauriert und saniert und präsentiert sich heute als Gemeindebaumuseum und ist der Öffentlichkeit nach Voranmeldung zugänglich.

Sanierung

von 1993 bis 1994

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 und 1994 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 966.921 Euro, davon konnten 839.753 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anton Brenner - Anton Brenner (1896-1957) erhielt seine Ausbildung bei einer Reihe bedeutendster Architekten. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Wien bei Oskar Strnad und Josef Frank und studierte von 1922 bis 1926 an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens und Clemens Holzmeister. Bereits 1924 entwarf er für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Rauchfangkehrergasse 26, Wien 15, deren funktional durchgeplante Wohnungsgrundrisse und Innenraumgestaltungen große Beachtung erfuhren. 1929 wurde Brenner Leiter der Architekturabteilung am Bauhaus in Dessau. Aufgrund seiner nicht einfachen Art und seines fortschrittlichen Denkens, blieben jedoch weitere große Aufträge aus. 1949/50 realisierte er mit seinen Sohn Anton Brenner jun. die Wohnhausanlage Strohgasse 14 in Wien 3.

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+