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Käthe-Jonas-Hof

Fakten

Käthe-Jonas-Hof

Waidhausenstraße 28, 1140 Wien

Baujahr: 1962-1964

Wohnungen: 104

Architekt: Walter Köhler, Josef Krawina

Weitere Adressen

Pachmanngasse 25, 1140 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Wohnanlage liegt an der Grenze zwischen Unter- und Oberbaumgarten, nahe dem 1874 angelegten Baumgartner Friedhof. Ursprünglich war nach der Eingemeindung Baumgartens nach Wien auf dem Grundstück eine Straße geplant, die die Waidhausenstraße mit der Pachmanngasse verbinden sollte. Doch blieb der Grund bis zur Errichtung der Wohnanlage unbebaut.

Die Architektur

Die auf einem schmalen, langen Grundstück in Hanglage errichtete Wohnanlage besteht aus drei locker nebeneinander angeordneten Häuserzeilen mit je drei Stiegen. Die viergeschoßigen Baukörper fallen durch ihre architektonische Zurückhaltung und ihre kubisch klar umrissene Form auf. Sie entsteht durch den zurückspringenden Haussockel und das kaum sichtbare, abgewalmte Dach, vor allem aber durch das durchlaufende Gesims, hinter dem sich die Dachrinne verbirgt, und die leicht vorspringenden Giebelmauern. Nordseitig markieren die breit gerahmten Stiegenhausachsen die regelmäßig mit Fenstern gegliederten Fronten. Südseitig sind die Baukörper durch Loggien, deren graue Sichtbetonbrüstungen im Kontrast zur weiß verputzten Wandfläche stehen, rhythmisch unterteilt. Alle Flächen um die Wohnblöcke sind als Grünanlagen gestaltet, was dem Komplex einen aufgelockerten Charakter verleiht.

... und die Kunst

In der Grünanlage befindet sich eine Steinskulptur, die durch ihre archaische Form auffällt. Die "Figur" - so der Titel der Plastik - von Josef Pillhofer stellt einen schreitenden Mann dar.

Der Name

Die Wohnanlage liegt an dem seit 1908 nach dem Namen einer Weingartenried benannten Straßenzug. Bereits 1421 wird eine Weingartenried namens "Waydhausen" urkundlich erwähnt. Früher hieß die Straße Friedhofstraße, da sie zum Baumgartner Friedhof führt. Im Frühjahr 2010 wurde die Wohnhausanlage in "Käthe-Jonas-Hof" umbenannt. Käthe Jonas (1904-1999) war unter den Ersten, die 1965 in den Gemeindebau in der Waidhausenstraße 28 einzogen. Politisch aktiv wurde Käthe Jonas während des 2. Weltkrieges. Sie wurde 1940 zur Betriebsrätin der Wiener Radiowerke (WIRAG) gewählt und war den Nazis ein Dorn im Auge. Am 20. 3. 1943 wurde die "rote Käthe" von der Gestapo am Arbeitsplatz verhaftet und zu einer Haftstrafe im Landesgericht in Wien verurteilt. Käthe Jonas war von 1946 bis 1954 Bezirksrätin in Penzing und von 1954 bis 1969 für "ihren" Bezirk im Wiener Gemeinderat und im Landtag vertreten.

Sanierung

von 2005 bis 2006

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 und 2006 saniert. Durch das Wärmedämmverbundsystem an der Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 645.100 Euro, davon konnten 215.033 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Walter Köhler - Walter Köhler (1899-1974) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Abschluss war er im Atelier von Georg Rupprecht als Chefarchitekt für die Planung mehrerer Gemeindewohnbauten zuständig. Nach 1945 widmete er sich vor allem Wohnbauprojekten in Wien (z. B. Josef-Haas-Hof in Wien 11 und Lazarettgasse 13a in Wien 9) und in Niederösterreich. Köhler hatte auch Anteil an der Grundriss-Typisierung für den sozialen Wohnbau.

Josef Krawina - Josef Krawina (geb. 1928) schloss 1955 sein Studium an der Technischen Universität Wien ab. Fünf Jahre später gründete er sein eigenes Atelier in Wien, 1983-1996 hatte er den Lehrstuhl für Entwerfen, Baukonstruktion und Baupraxis an der Technischen Universität Berlin inne. Er gestaltete das Karl-Renner-Denkmal an der Wiener Ringstraße (Porträtkopf von Alfred Hrdlicka) und zeichnet für die Architektur des berühmten Hundertwasserhauses (Wien 3) verantwortlich. Für das Wohnbauprogramm der Stadt Wien entwarf er gemeinsam mit Günther Oberhofer eine Anlage in der Haberlgasse 86 (1973-75, Wien 16).

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