Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Amortgasse 1-17

Fakten

Amortgasse 1-17

Amortgasse 1-17, 1140 Wien

Baujahr: 1954-1956

Wohnungen: 227

Architekt: Wilfried Poszpisily, Walter Muchar

Weitere Adressen

Goldschlagstraße 149, 1140 Wien

Linzer Straße 58, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Mit dem Bau der Wohnhausanlage, die im Rahmen des Wiener Wohnbauprogramms nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, wurde eines der letzten brach liegenden Grundstücke in diesem Bereich des 14. Bezirks verbaut. Der Baugrund war seit der städtebaulichen Erschließung des Gebietes westlich der heutigen Schnellbahntrasse ab 1890 unbebaut geblieben, da das unebene Gelände für die Bodenspekulanten uninteressant war.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage liegt auf einem sichelförmigen, abfallenden Grundstück und zeichnet sich durch eine differenzierte Bebauung aus. Die Anordnung der vier- bis fünfgeschoßigen Wohnblöcke orientiert sich am Verlauf der Grundstücksgrenzen und reicht von der Goldschlagstraße im Norden über die Amortgasse bis zur Linzer Straße im Süden. Im Norden schließt ein hakenförmiger Wohnblock an die Wohnanlage Lenneisgasse 4-8 an. Im Süden sind die Wohnblöcke in Randbebauung gestaffelt angeordnet. Eine lockere Verbauung bestimmt den dazwischenliegenden Bereich an der Amortgasse. Vier frei stehende, in Zeilenbauweise gestaffelt errichtete Wohnhäuser folgen der Straßenkrümmung. Die Freiflächen sind als Grünanlagen gestaltet und unterstreichen den aufgelockerten Charakter der Anlage. Die schlicht gegliederten Baukörper weisen die für die Wohnhausarchitektur der 1950er-Jahre charakteristischen Merkmale auf: Ein regelmäßiger Fassadenraster betont die giebelständigen Wohnblöcke. Die grobkörnig verputzten Blöcke sind farblich unterschiedlich gestaltet, schlichte Gitterbalkone beleben die Fassaden. Die nachträglich den ursprünglich flachen Fassaden vorgesetzten Aufzugstürme markieren die Hauseingänge.

... und die Kunst

Ein Mosaikwandbild von Johanna Schidlo-Riedl aus dem Jahr 1954 beherrscht die Hauswand an der Linzer Straße. Es stellt einen "Zeiselwagen" dar, der in der Biedermeierzeit das öffentliche Transportmittel in den Vororten war. Keramische Reliefs von Emil Weiser, Eva Mazzucco, Josef Seebacher und Heribert Rath sind als Erkennungszeichen und Orientierungshilfen an den Häusern an der Amortgasse angebracht. Die 1954 entstandenen Arbeiten zeigen "Vögel", "Fischreiher", "Brandenten" und "Tiere".

Der Name

Die Amortgasse wurde 1904 nach Johann Amort (1826-1903), Bürgermeister von Breitensee (1877-1887), Wirtschaftsbesitzer und Milchmeier, benannt.

Sanierung

von 1997 bis 2000

Die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage wurden ab 1987 in mehreren Etappen mit Aufzügen ausgestattet.
Im Zuge einer umfassenden Sanierung erfolgten in den Jahren 1997 bis 2000 die Instandsetzung des Daches und die Erneuerung der Fenster und Türen. Durch das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1.857.590 Euro, davon konnten 1.223.299 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Wilfried Poszpisily - Wilfried Poszpisily (1904-1966) studierte zunächst ab 1924 Bauingenieurswesen an der Technischen Hochschule Wien und im Anschluss bis 1931 ebendort Architektur. Als Architekt war er im Zuge des Wiederaufbaus vor allem im Bereich Wohnbau tätig. Für die Gemeinde Wien plante Wilfried Poszpisily unter anderem die Wohnhäuser Baumgasse 63-65 in Wien 3 (1949-1951) und Graffgasse 12 in Wien 10 (1961/62).

Walter Muchar - Walter Muchar (1918-2005) studierte ab 1942 bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurden von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre mehrere Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien errichtet, wie etwa die Wohnhäuser Erdbergstraße 36 in Wien 3 (1977-1979) und Kaiser-Ebersdorfer Straße 12-18 in Wien 11 (1979-1981).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+