Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Breitenseer Straße 110-112

Fakten

Breitenseer Straße 110-112

Breitenseer Straße 110-112, 1140 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 429

Architekt: Hugo Mayer

Weitere Adressen

Rudolf-Pöch-Gasse 5-7, 1140 Wien

Burgersteingasse 1, 1140 Wien

Altebergenstraße 4, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage liegt am oberen Teil der alten Hauptverkehrsstraße der ehemaligen Ortschaft Breitensee. Dieser Bereich wurde ab 1900 verbaut und bis zum Bau der Wohnanlage durch die zwei monumentalen, zwischen 1901-1903 erbauten Kasernen geprägt.
Von Beginn an waren auch Versorgungseinrichtungen wie Läden, Waschküchen und ein Kindergarten in den Baukomplex eingeplant.
Während des Bürgerkrieges 1934 war der Gemeindebau Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen zwischen dem Republikanischen Schutzbund und den faschistischen Machthabern. Am 13. Februar versuchten "Schutzbündler" vergeblich vom Gemeindebau zu den nahen Kasernen vorzudringen. Noch am selben Tag wurde der Gemeindebau von Polizei, Militär und Heimwehr besetzt und die Mehrzahl der männlichen Bewohner verhaftet.

Die Architektur

Der in Blockrandbebauung errichteten Wohnanlage liegt ein rasterförmiges Bebauungskonzept zugrunde. An der Breitenseer Straße öffnen zwei breite Lücken mit den Hoftoren den Straßentrakt. Im rechten Winkel zu dem Straßentrakt an der Rudolf-Pöch-Gasse ragen zwei Wohntrakte in den Hofraum vor, wodurch kleinere, intimere Höfe entstehen. Insgesamt gliedert sich der parkartige Hof in sechs gegeneinander offene Binnenhöfe mit Spiel- und Sportplätzen. Gemeinsam mit Gebäudevorsprüngen ergibt die Gesamtanlage im Grundriss eine rasterförmige Struktur.
Die Architektur fällt vor allem durch ihre Tendenz zur sachlichen Gestaltung auf. Die viergeschoßigen Wohntrakte sind an den Stiegenhäusern um ein Geschoß turmartig erhöht. Die Ecken des Wohnblocks sind kubisch betont. Die glatten Fassaden werden durch wenige Details gegliedert. Runde, längsrechteckige und durch Gesimse und/oder Klinkerbänder gebündelte Fenster setzen Akzente. Gitterbalkone und Loggien beleben die langen Fassaden und lockern die Gebäudeecken auf. Traditionelle Motive wie Arkaden- und Rundbogendurchgänge verleihen der Anlage eine romantische Note. Die weitläufigen Freiräume sowie die einheitliche Gestaltung der großen Anlage sind typische Merkmale für die Architektur Hugo Mayers. Durch die gartenstadtartige Gestaltung ist eine locker wirkende Wohnanlage entstanden.

Der Name

Die seit 1894 so benannte Breitenseer Straße erinnert an die erstmals 1195 urkundlich erwähnte Ortschaft Breitensee. Der Teil der Straße, an dem die Wohnanlage liegt, hieß vor der Umbenennung Nussallee, weil sich dort früher eine Allee mit Nussbäumen befand.

Sanierung

von 1995 bis 1999

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1999 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 42 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 18.452.400 Euro, davon konnten 13.473.557 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hugo Mayer - Hugo Mayer (1883-1930) studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Wohnhaus- und Siedlungsbau und ist einer der wichtigsten Vertreter in diesem Bereich. Neben zahlreichen Wohnanlagen für die Gemeinde Wien plante er auch Kindergärten und Schulen. Seine Wohnanlage für die Bediensteten der Städtischen Gaswerke (1910-1914) gilt als typologischer Vorläufer des Gemeindewohnbaus der Zwischenkriegszeit.

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+