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Hickelgasse 11

Fakten

Hickelgasse 11

Hickelgasse 11, 1140 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 13

Architekt: Walter Pind

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Bereich südlich der Hütteldorfer Straße, wo sich früher Äcker und Gärten befanden, wurde ab 1890 parzelliert und verbaut. Wo immer möglich, erwarb die Gemeinde Wien im Einzugsbereich des ehemaligen Betriebsbahnhofes der Wiener Verkehrsbetriebe in der Hütteldorfer Straße ab 1924 die freien Parzellen, um sie für den Wohnbau zu nutzen. Ende der 1920er Jahre entstanden hier zahlreiche Gemeindebauten, die durch ihre kontrastreiche Architektur diesen Teil des 14. Bezirks bis heute prägen.

Die Architektur

Die in einer abschüssigen Baulücke errichtete Wohnanlage gliedert sich in die Struktur der bestehenden Bebauung ein. Die Baulinie wird eingehalten und die Bauhöhe ist so abgestuft, dass sie an die Gesimskante der benachbarten Häuser anschließt. Die Straßenfront aber hebt sich durch ihren Fassadenaufbau von den Nachbarhäusern ab. Die Fassade wird durch ein über die gesamte Hauswand reichendes Relief und Sohlbankgesimse horizontal gegliedert. Über dem zentralen, von Klinkersteinen eingefassten Portal ragt im ersten Stock eine mächtige breite Veranda vor und lässt die Fassade räumlich wirken. In den anderen Stockwerken finden sich Halbloggien, die ebenfalls durch Klinker gerahmt sind. In Aufbau und Gliederung der Fassade korrespondiert das Wohnhaus mit dem zwei Jahre zuvor errichteten Gemeindebau auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Gemäß der Forderung nach ausreichend belichteten Wohnungen und Grünanlagen bildet das Haus mit den Gemeindebauten Cervantesgasse 9 und Neubeckgasse 4 einen gemeinsamen begrünten Hof. Eingangsbereich und Stiegenhaus dienen dabei als Verbindungsglied zwischen Straße, Hof und Wohnungen.

... und die Kunst

Über dem Erdgeschoß wird die Straßenfassade von einem aus Ton gebrannten Reliefband dominiert, das die gesamte Hausfront überspannt. Weibliche und männliche Figuren mit Kindern stellten eine Allegorie auf das Leben dar.

Der Name

Die Hickelgasse erhielt ihren Namen 1893 und erinnert an Joseph Hickel (1736-1807). Der äußerst produktive Maler ist für seine Schauspielerportraits für die Burgtheatergalerie und seine Portraits von Kaiser Joseph II. bekannt.

Sanierung

von 1987 bis 1988

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987 und 1988 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 107.483 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Walter Pind - Walter Pind (1903-1944) studierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Peter Behrens. Für seine Entwürfe erhielt er bereits als Student mehrere Preise. Als beamteter Architekt war er in der Abteilung Hochbau bei der Gemeinde Wien und später im Stadtbauamt tätig. Neben Wohnbauten plante er auch Industriebauten sowie öffentliche Gebäude. Pind fiel 1944 in der Nähe von Budapest.

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