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Breitenseer Straße 106-108

Fakten

Breitenseer Straße 106-108

Breitenseer Straße 106-108, 1140 Wien

Baujahr: 1931-1932

Wohnungen: 147

Architekt: Hugo Gorge

Weitere Adressen

Rudolf-Pöch-Gasse 1-3, 1140 Wien

Burgersteingasse 2, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage liegt am oberen, ab 1900 verbauten Teil der alten Hauptverkehrsstraße der ehemaligen Ortschaft Breitensee. Ursprünglich dominierten zwei große 1901-1903 errichtete Militärkasernen das Straßenbild. Der Gemeindebau ist in Fortsetzung der Wohnanlage Breitenseer Straße 110-112 errichtet worden. Von Beginn an waren auch Versorgungseinrichtungen wie Geschäftslokale und Waschküchen, die noch heute existieren, eingeplant.
Während des Bürgerkrieges 1934 war der Gemeindebau Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen zwischen dem republikanischen "Schutzbund" und den faschistischen Machthabern. Am 13. Februar versuchten Schutzbündler vergeblich, vom Gemeindebau zu den nahen Kasernen vorzudringen. Noch am selben Tag wurde der Gemeindebau von Polizei, Militär und Heimwehr besetzt und die Mehrzahl der männlichen Bewohner verhaftet.

Die Architektur

Die auf abfallendem Baugrund errichtete Wohnanlage reicht von der Breitenseer Straße über die Bürgersteingasse bis zur Rudolf-Pöch-Gasse. Sie besteht aus drei Wohntrakten mit neun Stiegen und umschließt einen gartenähnlichen, an einer Seite offenen Hof.
Der in der Höhe abgestufte Trakt an der Breitenseer Straße bildet das Herzstück der Anlage.
Über die Front ziehen sich lange Gitterbalkone, die den niedrigeren mit dem höheren Gebäudeteil verklammern. Das Erdgeschoß des höheren Bauteils wird durch das Hoftor und Geschäftslokale aufgelockert und durch den Verputz besonders hervorgehoben. Die so akzentuierte Erdgeschoßzone zieht sich als Sockel bis in die Bürgersteingasse. Die Wohntrakte an den anderen Straßenseiten folgen in ihrem Aufbau demselben Fassadenschema, das sich auch auf der Hofseite fortsetzt. Die Fassade ist durch über vier Geschoße reichende Nischen, in denen hofseitig Balkone angebracht sind, rhythmisch gegliedert.
Die wohlproportionierten Trakte und klar gegliederten Fassaden entsprechen dem sachlichen Stil des Architekten Hugo Gorge, dessen Bauten sich an den Bedürfnissen der Benutzer orientieren.

Der Name

In Erinnerung an die erstmals 1195 urkundlich erwähnte Ortschaft Breitensee heißt die Straße seit 1894 Breitenseer Straße. Früher hieß dieser Teil der Straße Nussallee, weil sich dort eine Allee mit Nussbäumen befand.

Sanierung

von 1995 bis 1997

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1997 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und der Spielplatz instand gesetzt. Im Dachgeschoß entstanden 17 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 6.496.300 Euro, davon konnten 4.512.136 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hugo Gorge - Hugo Gorge (1883-1934) studierte an der Technischen Hochschule sowie der Akademie der bildenden Künste in Wien. Der auch als Designer tätige Architekt war für die Gemeinde Wien beim Bau von mehreren Wohnanlagen beteiligt. Sein wohl bekanntestes Gebäude ist das 1930/32 errichtete Doppelhaus in der Werkbundsiedlung in Lainz.

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