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Goldschlagstraße 148-158

Fakten

Goldschlagstraße 148-158

Goldschlagstraße 148-158, 1140 Wien

Baujahr: 1951-1956

Wohnungen: 255

Architekt: Hans Wölfl, Rudolf Bazalka, Franz Zajicek, Hans Dedek

Weitere Adressen

Märzstraße 141-147, 1140 Wien

Missindorfstraße 20-22, 1140 Wien

Amortgasse 21-29, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die in unmittelbarer Nähe der Schnellbahnhaltestelle Breitensee liegende Wohnanlage befindet sich in einem Teil des 14. Bezirkes, der ab 1890 städtebaulich erschlossen wurde. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Fabrikgebäude und Wohnhäuser. So befand sich früher auf dem Areal zwischen Goldschlagstraße, Matznergasse, Märzstraße und Missindorfstraße (Nr. 21) die 1900 errichtete "Österreichische Telephonfabrik A.G.", die elektrische Klingeln, Telefongeräte sowie Bestandteile für Radiosender herstellte. Heute teilen sich mehrere Betriebe den ehemaligen Fabrikkomplex. Die Wohnanlage entstand in zwei Bauphasen zwischen 1951 und 1956, wobei die letzten Baulücken im Anschluss an bestehende Altbauten an der März- und Missindorfstraße ab 1954 geschlossen wurden. Früher befand sich an der Märzstraße ein Mosaikwandbild nach Entwürfen von Carry Hauser, das wegen Schäden abgenommen wurde.

Die Architektur

Die Wohnanlage reicht von der Goldschlagstraße über die Amortgasse bis in die Märzstraße und schließt an der Missindorfstraße eine breite Baulücke zwischen bereits bestehenden Eckhäusern. Die Anordnung der vier- bis fünfgeschoßigen Wohnhäuser orientiert sich an den Grundstücksgrenzen und zeichnet sich durch eine lockere und differenzierte Verbauung aus. Die Häuser gruppieren sich um einen großflächig angelegten Hofraum, der an mehreren Stellen in den Straßenraum übergeht. An der Goldschlagstraße schließt eine von einem breiten Zwischenraum unterbrochene Häuserzeile die Anlage zur Straße hin ab. Die Hausfront folgt dabei der leichten Krümmung der Fahrbahn. Die Lücke ist durch eine Pergola geschlossen, die die beiden Bauteile lose verbindet. Ein hakenförmiger Wohntrakt schließt den Hofraum zur Märzstraße. Zwei freistehende, gestaffelt angeordnete Wohnblöcke an der Amortgasse unterstreichen den offenen Charakter der Verbauung. An der Missindorfstraße vervollständigen ein direkt entlang der Straße gelegener Wohntrakt sowie ein in Zeilenbauweise parallel dazu errichteter Wohnblock im Hof die Anlage. Satteldächer, Giebelfronten und regelmäßige Fassadenraster kennzeichnen die farblich unterschiedlich gehaltenen Wohnblöcke. Schlichte Gitterbalkone beleben die Fassaden. Ein besonderes Merkmal sind die durch nachträglichen Einbau von Aufzugsanlagen entstandenen massiven Stiegenhaustürme.

... und die Kunst

Über der Hofdurchfahrt des zwischen 1954-1956 errichteten Wohnblocks an der Missindorfstraße befindet sich ein Kunststeinrelief des Bildhauers Paul Peschke aus dem Jahr 1954/55. Es stellt zwei kämpfende Löwen dar.

Der Name

Die Goldschlagstraße erinnert an einen alten Flurnamen. Der Straßenzug ist seit 1899 nach dem bereits 1375 erwähnten Weingartenried "Goldschlagen" benannt.

Sanierung

von 1996 bis 1998

Bereits 1987 wurde begonnen, die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage in mehreren Etappen mit Aufzügen auszustatten. Eine umfassende Sanierung fand in den Jahren 1996 bis 1998 statt. Neben der Neudeckung des Daches inkludierten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.601.573 Euro, davon konnten 1.015.001 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Wölfl - Hans Wölfl (1911-2005) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Clemens Holzmeister und erhielt bereits 1936 den Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst. Neben seiner Unterrichtstätigkeit entwarf der Architekt Möbel, Interieurs, Schulen und öffentliche Gebäude sowie mehrere Wohnhäuser in Niederösterreich. Für die Gemeinde Wien erbaute er die Wohnhausanlagen in der Sternwartestraße 29 (1950), am Rosenhügel-Bertegasse (1962) und in der Vorgartenstraße (1964).

Rudolf Bazalka - Rudolf Bazalka (1916-2004) studierte von 1936 bis 1942 Architektur bei Franz Schuster und Carl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Als selbständiger Architekt entwarf Bazalka unter anderem die Gemeindebauten Kahlgasse 9-11 in Wien 21 (1952/53) und Bessemerstraße 10-16 in Wien 21 (zusammen mit Othmar Augustin, 1957-1959). Außerdem war er in einer größeren Architektengemeinschaft an der Errichtung der kommunalen Wohnhausanlage Goldschlagstraße 148-158 in Wien 14 beteiligt (ab 1951).

Franz Zajicek - Franz Zajicek (1912-2006) absolvierte zunächst eine Ausbildung zum technischen Zeichner im Atelier des Architekten Michael Mucha, bevor er 1933/34 an der Wiener Kunstgewerbeschule die Klasse für Bühnenbild und Inneneinrichtung von Oskar Strnad besuchte. Nach dem Studium machte er sich als Architekt selbständig, wobei er zu Beginn vor allem Ordinationen und Geschäftslokale einrichtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann er die Ausschreibung für die Umspannwerke der Gemeinde Wien, für deren Bau er ab 1955 verantwortlich war. Bereits 1945 war Franz Zajicek nach Wieselburg in NÖ gezogen, wo er später verschiedenste Bauaufgaben ausführte, unter anderem auch in Melk. Sein letzter großer Auftrag, bevor er 1982 in Pension ging, war die Planung und Realisierung der Hochbauten der Wiener Hauptkläranlage in Kaiserebersdorf (Wien 11, 1968).

Hans Dedek - Hans Dedek (1905-1981) studierte von 1922 bis 1926 bei Oskar Strnad, Josef Frank und Carl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an der Planung zur Wohnhausanlage Goldschlagstraße 148-158 in Wien 14 (1951-1956) beteiligt.

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