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Emmerich-Sailer-Hof

Fakten

Emmerich-Sailer-Hof

Kliebergasse 8, 1050 Wien

Baujahr: 1968-1970

Wohnungen: 50

Architekt: Rotraut Hommer

Weitere Adressen

Hauslabgasse 27, 1050 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Das Areal des Emmerich-Sailer-Hofes wurde ehemals als Turnplatz genützt, der zu der heute nicht mehr existierenden städtischen Schule an der Wiedner Hauptstraße 107 gehörte. Heute befindet sich auf der Anlage ein Sanatorium für Suchtkranke und eine begrünte Parkanlage mit Tiefgarage unter dem Klieberpark, die 2006 fertig gestellt, jedoch heftig umstritten wurde.

Die Architektur

Das städtebaulich am Kreuzpunkt zweier Straßenzüge stehende Eckgebäude (Kliebergasse/Hauslabgasse) besitzt neben sechs Hauptgeschoßen ein ausgebautes Dachgeschoß und drei Stiegen, die hofseitig zu erschließen sind. Markant gestaltet sich die Eingangssituation zum Hof in der Hauslabgasse, die durch ein Sgraffitowandbild sowie durch die zweigeschoßige und dunkler gefärbte Sockelzone mit dem riesigen Einfahrtstor geprägt wird. Darüber befinden sich horizontale, über drei Achsen reichende Fensterreihen, die durch zweiachsige, kleinformatige Fensterbänder abgelöst werden. Die Straßenfront Kliebergasse wird durch 17 Achsen gegliedert, wobei durch die leicht abschüssige Gasse eine Dreiteilung des Baukörpers bewirkt wird. Das Grundthema, horizontal und vertikal streng gereihte Fensterachsen, wird durch die Betonung einzelner Fensteröffnungen durch Fensterbänder und französische Fenster jedoch aufgelockert. Die Nüchternheit des Baukörpers wird von der Schräge einer schmalen Treppe in der Einfahrt Kliebergasse unterstrichen, die zum asphaltierten und als Stellplatz für Pkw genützten Hinterhof führt. Das Satteldach und die Mauerabdeckung akzentuieren die geometrische Anordnung des Baukörpers und bilden zusammen eine klare Komposition, die in vielerlei Hinsicht an die Gemeindebauten der Nachkriegszeit erinnern.

... und die Kunst

Der Maler und Graphiker Wolfgang Herzig (geb. 1941 in Judenburg), seit 1997 Professor für Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, gestaltete für den Emmerich-Sailer-Hof das Sgraffitofries "Abstrakte Komposition", das die gesamte rechte Gebäudeseite in der Hauslabgasse ziert. Zu Wolfgang Herzigs Werken zählt unter anderem auch der "Eiserner Vorhang" (1992) im Theater Ronacher. Neben dem Sgraffitofries findet man in der Kliebergasse die Gedenktafel zu Ehren des Namensgebers der Wohnhausanlage, des ehemaligen Bezirksobmanns der SPÖ-Margareten Emmerich Sailer.

Der Name

Die städtische Wohnanlage in der Kliebergasse 8 wurde nach dem Wiener Emmerich Sailer (1908-69), Mitglied des Wiener Gemeinderats (1954-69) und Bezirksobmann der SPÖ-Margareten (1957-65), benannt. Emmerich Sailer, der als Funktionär des Republikanischen Schutzbundes im Februar 1934 die antifaschistischen Freiheitskämpfer im Reumannhof befehligte, entging dafür nur knapp dem Tode, wurde jedoch zwangsrekrutiert und geriet in Folge in russische Gefangenschaft. Erst Ende 1945 kehrte Emmerich Sailer nach Österreich zurück.

Prominente Bewohner

In unmittelbarer Nähe, in der Kliebergasse Nr. 7, wurde am 24. März 1910 der Dirigent und Komponist Eduard Strauß geboren (gest. 6. April 1969 in Wien).

Sanierung

von 2001 bis 2001

Der Emmerich-Sailer-Hof wurde 2001 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Rotraut Hommer - Rotraut Hommer (1923-2001; geb. Friedl, später verh. Haberl) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Später war sie als selbständige Architektin in Wien tätig. Hier wurden nach ihren Entwürfen unter anderem für die Gemeinde Wien die Wohnhäuser Lorystraße 54-60 in Wien 11 (1964-1966) und Karl-Löwe-Gasse 7-9 in Wien 12 (1967-1969) errichtet.

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