Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Wir haben einfach nur Lärm gemacht

Er hat Wanda entdeckt, er hat Voodoo Jürgens und den Nino aus Wien zu dem gemacht, was sie heute sind. Wir waren mit Stefan Redelsteiner auf Spurensuche im Marco-Polo-Hof.

"Hier ist nicht gerade eine glamouröse Gegend zum Aufwachsen“, meint Stefan Redelsteiner, als er von der Brünner Straße Richtung Heinz-Nittel-Hof (der auch heute noch von allen BewohnerInnen nur Marco-Polo-Hof genannt wird) geht. Ein Weg, den er heute nur mehr zweimal im Jahr beschreitet. Und zwar dann, wenn er seine Mutter, die noch hier in einer Gemeindewohnung wohnt, besucht.

Als Zweijähriger zog er mit seinen Eltern hierher nach Floridsdorf. In der Wohnhausanlage am Rand der Stadt verbrachte er seine gesamte Kindheit, Schulzeit und Jugend. „In diesem Käfig habe ich immer Fußball gespielt und meine ersten Erfolge als Mittelstürmer gefeiert. Wenn ich heute nicht von der Musik leben würde, sondern Fußballer geworden wäre, wäre hier ein historischer Ort“, grinst Redelsteiner schelmisch. Mit seinem zerzausten Haar, der schwarzen Ray-Ban-Brille, seinem grauen Mantel und den Sneakers passt er optisch nicht mehr ganz in die kleine Welt des großen Gemeindebaus. Auch wenn er hier nicht mehr wohnt, fühlt er sich trotzdem dem Bezirk noch sehr verbunden: „Wir in Floridsdorf sagen, dass ist das wahre Wien, der echte Kaisermühlen Blues, über der Donau wohnen ja nur Zugereiste und Bobos.“

Das hier ist die Wien-Version von in einem Kaff aufwachsen!


Ein paar Schritte weiter zeigt seine Hand nach oben: „Im vierten Stock, da habe ich gewohnt, da steht eh die Mama und winkt!“ Ein paar Minuten später steht er in Mamas Küche und hält ein Jugendfoto in seiner Hand. Seine Mutter erinnert sich: „Mit acht Jahren hat er bereits das Weiße Album der Beatles gehört und es war aus mit ihm.“

Der Brian Epstein von Floridsdorf

Seit vier Jahren kann Stefan Redelsteiner von der Musik leben, wenn auch nicht von seiner eigenen. Denn als Musikverleger ist er an den Ausschüttungen der Musiker und Bands, die er vertritt, beteiligt. Als Manager bookt er die Bands, sucht Labels aus und ist oft das Mädchen für alles. Er hat ausgezeichnete Medienkontakte in ganz Europa und klare Vorstellungen, wie gute Popmusik funktioniert. Die Wiener Stadtzeitung „Falter“ hat ihn einmal als „Brian Epstein von Floridsdorf“ tituliert. Das schmeichelt ihm und lässt ihn auch schmunzeln.

In der Volkschule hat seine musikalische Karriere begonnen, mit einem Duo: „Im ersten Stock war meine Klasse. Hier haben ein Freund und ich in der Pause unsere ersten Kassetten aufgenommen und an die Schüler verkauft, um zwei Schilling das Stück. Wir haben uns die ,Pfandfinder-Fendis‘ genannt. Er war Fendrich- und ich Beatles-Fan und ,Fendis‘ war eine Mischung aus beiden. Wir waren einfach zwei Typen, die sich Lieder ausgedacht und gesungen haben.“ In einem nahen Gemeindebau ging es mit einem Schulkollegen weiter. „Das war in den Sommerferien, er hatte schon eine Gitarre, wir konnten aber beide überhaupt nicht spielen und haben einfach nur Lärm gemacht.“

Heute hat er die musikalische Karriere an den Nagel gehängt, dafür viele heimische Künstler groß herausgebracht. Stefan Redelsteiner hat das Gespür, dort etwas zu hören, wo andere nicht sofort das Potenzial einer Band erkennen. Das macht ihn zu einem der sympathischsten Menschen der heimischen Kulturbranche, zu einem Musikverrückten und Popvisionär.

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