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Theater als Bestandteil der Popkultur

Thomas Gratzer in seinem Rabenhof-Theater
Thomas Gratzer in seinem Rabenhof-Theater

Der Rabenhof gilt als einer der Kulturveranstaltungsorte der Stadt Wien. Egal ob Kabarett, Singspiele, Konzerte oder Lesungen. Wir trafen Direktor Thomas Gratzer, der die letzten 10 Jahre maßgeblich daran beteiligt war das Rabenhof-Theater zu einem der gefragtesten Kultur Hot Spots des Landes zu machen.

Wann waren Sie das erste Mal im Rabenhof? Können Sie sich noch daran erinnern?

Das war 1991, als das Haus von der Josefstadt hier eröffnet wurde, da war ich nämlich als junger Schauspieler engagiert am Theater in der Josefstadt. Wir sind hier reingekommen (Anmerkung: in den Theatersaal)und haben gesagt, das wär genau der Ort für leiwande Sachen und eine jüngere Zielgruppe. Es ist ja bekannt, dass die Josefstadt nicht gerade das jüngste Publikum hat.

Was haben Sie hier als Schauspieler gespielt?

In der ersten Saison war es ein Kinderstück: Es hieß „Aufruhr in Krampanien“ und in einer ironischen Beziehungskomödie.

Wie sind Sie dann Direktor geworden?

Naja, 2000 hat die Josefstadt das Haus zurückgegeben an die Stadt Wien und die Stadt hat wollte etwas machen für ein jüngeres Publikum. Mein Vorgänger hat das dann übernommen, er hat sich bald aber zurückgezogen. Der Kulturstadtrat hat mich dann gefragt, ob ich das Theater übernehmen will und ich habe gesagt ja das interessiert mich. Dann habe ich das Theater so aufgestellt, wie es heute noch aufgestellt ist. Aber das Kernteam ist immer schon dabei gewesen: Namen wie: Florian Scheuba, Maschek, Stermann und Grissemann.

Wie wichtig ist es, dass das Theater in einem Gemeindebau steht?

Also ich finde es super, weil mir geht es darum Grenzen aufzuheben. Ich will Theater nicht als Hochkultur verkaufen, sondern als Bestandteil der Popkultur. Das ist im angelsächsichen Raum schon sehr lange üblich. Bei uns ist Theater immer Plüsch und da muss man sich schön anziehen und da kommen so komische Sachen auf der Bühne vor, wo man sich nicht auskennt, was ja auch ein bisschen fad ist. Das stimmt aber natürlich gar nicht. Es kommt darauf an, für wen welcher Zugang ideal ist. Wir versuchen hier einen alternativen Mainstreamzugang zu schaffen und zu sagen: „Hey hier kann man auch die Künstler an der Bar treffen nach der Vorstellung!“ – das ist mir einfach wichtig, das das passiert. Man kann auch internationale Literaturstars hautnah miterleben. Und es bewährt sich auch. Wir haben pro Jahr 85.000 ZuschauerInnen, das ist super für ein so kleines Haus.

Das Rasenhoftheater im 3. Bezirk
Das Rasenhoftheater im 3. Bezirk

Kommen viele BesucherInnen aus dem Gemeindebau?

Ja natürlich, ich kann natürlich keinen Meldezettel verlangen beim Eingang. (lacht) Aber es gibt viele Leute, die sich auch auf der Straße erkundigen, was wir als nächstes spielen und wie es bei uns läuft. Die Bewohner sehen ja auch, wenn wir Kinderstücke spielen, da kommen die Busse aus Niederösterreich und dem Burgenland und dann sehen die Anrainer, dass sich bei uns was abspielt und das gefällt Ihnen.

Was war die erste Produktion unter Ihrer Leitung?

Stermann und Grissemann gemeinsam mit Hilde Sochor, also die FM4 Generation mit Oldschooltheater zusammenzuspannen in einem Werner Schwab-Projekt. Die Leute haben es super gefunden. Das war zeitgemäßes Volkstheater, dann kam der Protestsongcontest, dann „Hausfrauensex“ von Andreas Vitasek. Da hat sich eins ins andere gefügt. Es war von Anfang an klar, was ich wollte und wohin die Reise geht.

Wie wichtig sind Zupferde wie Grissemann und Stermann, Andreas Vitasek, Austrofred oder Maschek für den Rabenhof?

Das sind unsere geliebten Hauskünstler.

Würd’ es ohne sie auch gehen?

Natürlich nicht! Keine Chance. No way. Du brauchst schon die Namen für 300 Plätze, wenn ich die nicht hätte, würden 150 Plätze auch reichen.

Was war Ihre Lieblingsproduktion?

Eigentlich jede. Manche liebt man mehr, manche liebt man weniger, aber die die man weniger liebt, kann ich an einer Hand abzählen.

Was ist Ihr Résumé über die letzten 10 Jahre?

Es soll nicht schlechter werden. Das einzige, dass ich mir noch wünschen würde ist, das dieses Haus mehr von der öffentlichen Hand unterstützt wird, darüber würden sich meine Künstler, das Publikum und ich sich freuen.

Danke für das Gespräch.

Bitte, sehr gern.

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