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Lassalle-Hof: Über den Dächern der Stadt

Der Lassalle-Hof ist einer der ältesten Gemeindebauten der Stadt, gelegen an der Reichsbrücke, einem der am stärksten befahrenen Verkehrsknotenpunkte
im 2. Bezirk. Was ihn für eine Wohnhausanlage der Stadt Wien einzigartig macht, ist
der achtstöckige Wohnturm, den wir für Sie besucht haben.

Wenn man im Lassalle-Hof bei der 3er-Stiege die Eingangstür öffnet, vermutet man noch nicht, was sich ganz oben im Gebäude verbirgt. Die ersten sechs Geschoße kann man mit dem Aufzug bewältigen, die letzten zwei nur zu Fuß über eine Holztreppe. Ein Mieter, der mindestens zweimal pro Woche diesen Weg zurücklegt, ist Herr Tikal, pensionierter Eisenbahner und Vorsitzender der Naturfreunde im zweiten Bezirk, die hier seit über 50 Jahren ihr Vereinslokal haben.

Ein Leuchtturm in der Großstadt

Als Neuankömmling staunt man nicht schlecht, was sich hier versteckt: Ein loftartiger Raum auf ca. 70 m2 mit dem Charme eines mediterranen Leuchtturms, eingebettet in die Großstadt, die mit dem Lärm der Rushhour ein deutliches Lebenszeichen von sich gibt. Eine kleine Bar und ein großer Tisch sind die Blickfänge im Inneren. Die charmante Einrichtung aus den 60er-Jahren würde wohl so manchen Vintage-Möbelverkäufer in Naschmarktnähe vor Neid erblassen lassen. „Hier auf dem Tisch wird tarockiert, um 5 Cent pro Spiel“, erklärt der 77-jährige Wiener, der sich hier auskennt wie in seiner Westentasche.

Rundblick über Wien

Vom Balkon aus, der sich rund um den gesamten Turm erstreckt, überblickt man die ganze Stadt und noch viel mehr: von den Gasometern über den Prater und das Riesenrad bis zum Stephansdom – an hellen, klaren Tagen sieht man sogar den Schneeberg.

Jeden Donnerstag treffen einander hier Herr Tikal und seine Vereinskollegen, um zu plaudern, Reisen zu planen, die unterschiedlichen Agenden durchzusprechen und Karten zu spielen. Und wenn es einmal bis in die Nacht dauert, dann macht ihm das wenig aus, er hat ja nicht weit heim. Denn er wohnt hier im Gemeindebau, nur eine Stiege weiter.

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