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Es gibt hier einen gewissen Grundschmäh

Die Medienkritiker und Satiriker Maschek präsentieren im Rabenhof ihr neues Programm "Fake. in Wahrheit falsch." Mit uns haben Peter Hörmanseder und Robert Stachl u.a. über Wahrheit, Fake und über die Besonderheit, im Rabenhoftheater aufzutreten, geplaudert.

Im neuen Programm mit dem Titel „Fake. In Wahrheit falsch“, das ja im April hier im Rabenhof startet, da geht’s um Wahrheit und um Fake. Was ist wahr und was ist gefaket?

RS: Alles ist gefaket...
PH: ...Und alles ist real. (lacht)
RS: Real ist nur, das die Leute Eintritt zahlen und das Sie sich einen Sitzplatz dafür nehmen können und das wir vorne stehen in irgendeiner Form und reden. Das ist das einzig reale...
PH: Nicht ganz, weil es wird erstmals der Fall sein, dass wir Material auch in seinem Original herzeigen. Damit das Publikum auch unseren Vorteil hat, zu sehen, was vorher da ist. Und dann ein bisschen darauf hinzuweisen, was drinnen steckt. Denn das Material kann ja vorher genauso ausgesehen haben. Das man auch ein bisserl ein Gespür kriegt. Ist das was uns als wahrhaftig und real verkauft wird, wirklich wahrhaftig und real oder liegt hier schon die erste Lüge drinnen. Es muss nicht mal eine Lüge sein, sondern eine Inszenierung oder eine bewusst gesetzte Veränderung.

Und Ihr präsentiert das neue Programm als Nachrichten, oder wie darf man sich das vorstellen?
RS: Nein, wir präsentieren das als Erzählung...
PH:...aber wir dürfen nicht spoilern (Anmerkung: keinen Inhalt vorwegnehmen). Ich sage es anders, nachdem es sich bei uns im Laufe der Jahre gottseidank ein bisserl verselbstständigt hat. Das heißt wir müssen den Leuten nicht mehr erklären, das war früher anders. Da haben die Leute auch bei Live-Shows länger gebraucht um alles zu überreißen. Jetzt ist unsere Realität als wahr anzunehmen. Wenn wir etwas synchronisieren, funktioniert es, dass das auch im Kopf der Leute entweder eine Realität ist oder sie merken, das es von uns zur Schau gestellt oder gefälscht ist, und dann braucht man nicht einmal mehr den Rahmen einer Nachrichtensendung rund herum...weil das ist die Maschek Realität. Wir haben einen Rahmen, den wir aber nicht verraten wollen, der aber nicht Nachrichtensendung ist.

Wie ist das bevor ihr ein Programm zusammenstellt, wie viel Material sichtet ihr da?

RS: Der Peter sichtet Wochen und Monate an Material. Ich sichte dann nur das, was der Peter schon vorausgewählt hat.
PH: Es ist wirklich wahnsinnig viel, weil für uns auch der Auftrag ist aus den sozialen Medien sehr viel Material zu verwenden. Nicht nur aus Fernsehsendungen von den ORF-Kanälen. Und die großen Player haben ihr eigenen Formate. Angela Merkel hat „Die Woche der Kanzlerin.“

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Politiker und den Medien-Kanal aus?

PH: Es gibt so Kanäle, die schaue ich mir immer wieder an. Die EU bietet ein sehr gutes aber nicht sehr hochfrequent abgerufenes Medienservice, wo täglich 50 Videos hochgeladen werden. Dabei ist der Parlamentspräsident Martin Schulz bei uns sehr beliebt. Weil er eine lustige Figur ist und einen lustigen Sprachfehler hat und weil er auch eine starke Figur ist. Und da habe ich eine Szene gesehen, da ist Erdogan bei ihm zu Besuch und sie steigen in einen Fahrstuhl und der Fahrstuhl fährt nicht. Die Tür geht immer auf und es dauert irrsinnig lang. Man hat es aber nur in einer ganz kurzen Variante gesehen. Super Material, da suche ich weiter, gibt es davon vielleicht noch mehr. Ich habe dann weiter nichts gefunden, nur einen türkischen Fernsehsender, die haben mehr Material dazu gehabt, der wurde aber wenig später gestürmt, und dann findet man den Chefredakteur des TV-Senders, der das Gesicht der Stürmung war, wenn man seinen Namen sucht in Homestories wieder. Beim Kochen. Und dann schaut man weiter wer kocht noch und dann findet man "David Cameron empfängt jemanden zu Hause bei sich in der Küche"...Oder der estnische Ministerpräsident empfängt jemanden bei sich...Und dann hat man auf einmal drei Eckpfeiler aus denen sich was ergibt. Leider hat Werner Faymann noch niemanden in der Küche empfangen.
RS: Das müsste man dann halt wieder faken.

Kann man alles faken?

RS: Ja...Es gibt eine frühere Arbeit von uns, die Tulenowsche Bildergleichung, bei der ein russischer Wissenschafter, ein gewisser Prof. Tulenow, eine fiktionale Figur von uns, der verkörpert folgende Theorie: Wenn Du die endliche Zahl an Bildpunkten, die ein Bildschirm hat, mit der endlichen Zahl an Farben, die zur Verfügung stehen hochrechnest und potenzierst, entsteht auf diesem Bildschirm jedes Bild das irgendwann, irgendjemand auf dieser Welt je gesehen hat oder sehen könnte...Auch völlig absurde Bilder. Alles ist möglich aufgrund der „Tulenowschen Bildergleichung!“.

„Die Nähe zum Publikum ist so vorteilhaft, das hier jeder Abend zum Heimspiel wird.“ – Robert Stachel

Wisst ihr noch, wann ihr das erste mal hier im Rabenhof gespielt habt?

PH: 2002. Es war eine Selbsteinladung. Thomas Gratzer (Anmerkung der heutige Direktor) war damals noch Dramaturg. Wir haben nach einem neuem Haus, wo wir spielen können gesucht. Irgendwo habe ich dann den Herdieckerhoff (Anmerkung Jochen Herdieckerhoff war unter Rabenhof Direktor Karl Welunschek Dramaturg). Er kannte uns nicht, aber ich habe ihm gesagt wir würden gut her passen. Dann haben wir hier gespielt (Programm: Maschek redet drüber)  und dann ist Thomas Gratzer und sein Team gekommen.
RS: Wir haben Thomas Gratzer hinaufgespielt. (lacht)

Wie unterscheidet sich der Rabenhof, von anderen Wiener Locations?

PH: Der Rabenhof ist kein Staatstheater, sondern Thomas Gratzer bricht große Themen bewusst runter auf den einfachen Arbeiter und das einfache Volk mit modernen Mitteln und da ist der Kontrast natürlich sehr schön. Weil das Theater in einem Gemeindebau steht und da wenig Platz ist, muss man alles sehr reduzieren. Und es hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt, dass da nicht nur wir spielen, sondern auch Grissemann und Sterman oder Austrofred. Es gibt für alle Künstler die hier auftreten was gemeinsames, einen Grundschmäh und ein Grundverständnis. Man weiß, wenn man daherkommt, wie die Grundtendenz in dem Haus ist.
RS: Es gibt hier diesen Heimspieleffekt. Das Haus ist nicht in allem perfekt, aber es ist zum Spielen mit Abstand das Angenehmste. Obwohl man technisch etwas eingeschränkt ist, hat es mit 280 Sitzen die ideale Zuschauermenge. Du hörst einzelne Lacher raus. Wenn Freunde oder Familie drin sitzen, weißt Du genau, wer hat an welcher Stelle gelacht. In größeren Häusern geht sowas unter. Die Nähe zum Publikum ist so vorteilhaft, das hier jeder Abend zum Heimspiel wird.

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