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Greißler mit Herz

In Döbling gibt es einen neuen Greissler
In Döbling gibt es einen neuen Greissler

Zwei Stammkunden stehen in der Cottagegasse 65 vor der Greißlerei von Herrn Andreas Drazil und trinken ihren morgendlichen Kaffee. Der Herr hat einen grauen Trenchcoat an und die Dame ein oranges Arbeitsgewand, beide rauchen. „Ich bin sehr zufrieden mit unserem Greissler, ich wäre traurig, wenn er nicht da wäre, ich komme täglich drei bis viermal auf einen Kaffee und mache eine Zigaretten- und Klopause“, sagt die Dame, die bei der MA 48 arbeitet und den Bezirk wie ihre Westentasche kennt. In Wien sind sie leider eine Seltenheit geworden, die Greissler. Aber hier im Gemeindebau in Döbling gibt es noch einen der wenigen kleinen Nahversorger, der die Bewohnerinnen und Bewohner des Grätzels mit frischen und qualitativ hochwertigen Waren versorgt.

Auf 35 Quadratmetern bietet Herr Drazil seit August 2015 seinen Kundinnen und Kunden zahlreiche Bio-Produkte an, die im Großhandel nicht erhältlich sind. Die Marmeladen produziert er selbst, das Gemüse wird täglich frisch von einem Bauern geliefert. Täglich stehen drei frisch gekochte Gerichte auf dem Speiseplan. Heute sind es ein Schweinsbraten, geröstete Knödel und Erdäpfelgulasch. Suppen kosten ein bis zwei Euro, die Hauptspeisen zwischen 4,90 und 9 Euro. Das Geschäft ist täglich geöffnet, auch das ist eine Seltenheit. Und die Kundschaft weiß das zu schätzen.

Eine Stammkundin, die auf der 2er Stiege des Gemeindebaus wohnt, betritt das Lokal. „Eine Melange, Gundi?“, fragt Andreas Drazil. Die Dame nickt und setzt sich an den Tisch, zu anderen Kunden. „Ich komme jeden Tag her, nehme Gebäck mit für mich und meine Nachbarin und im lauf des Tages komme ich dann nochmal, kommt ganz darauf an, was ich brauche!“, so die Dame. Der Greissler ist weit mehr als ein herkömmliches Geschäft. Hierher kommen die Leute auch um zu plaudern und andere Menschen zu treffen. Hier rennt der Schmäh und das gefällt. „Ich habe Spaß bei der Sache und es ist mir viel wert, wenn das den Leuten gefällt“, sagt der Greissler.

Und die Menschen kommen von weit her, um die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen. „Ich habe Kunden aus dem 1. Bezirk, die kommen extra hierher, weil Ihnen meine Würschtel so schmecken!“, so Andreas Drazil. Von der Hausbesorgerin, die schnell mal einen Schlüssel vorbeibringt, über Familienväter, die ihren Kindern vor der Schule noch eine Jause kaufen, oder Läufern die sich zum Frühstück schnell ein Kipferl oder ein Brot mitnehmen, ist die Bandbreite der Kundschaft sehr breit gestreut. Auf die Frage welches Produkt sich in seinem Laden am Besten verkauft, antwortet der Greissler mit lächelden Gesicht „Ich habe keinen Artikel, der sich nicht verkauft, bis auf die Haltbarmilch.“

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