Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Er wollte nie weg aus dem Gemeindebau

Karla Hinterberger, die Witwe des Autors von „Mundl“ und „Kaisermühlenblues“, Ernst Hinterberger, erinnert sich an die Zeit ihres Mannes in der Wohnhausanlage am Margaretengürtel 122–124. In ihrer Wohnung in einer Stadtgartensiedlung in Kagran hat sie mit uns über ihren verstorbenen Mann und sein Leben als begnadeter Gemeindebau-bewohner geplaudert.

Frau Hinterberger, wie lange hat ihr Mann im Gemeindebau gewohnt?
Karla Hinterberger: Mein Mann ist 1956 in den Gemeindebau am Margaretengürtel 122–124, in den heutigen Ernst-Hinterberger-Hof, eingezogen. Seine erste Frau,
Gretel, hat dort gewohnt. Später haben ihn die Leute immer gefragt, warum er nicht umzieht. Aber er wollte einfach nicht weg aus dem Gemeindebau. Er hat gesagt,
er hat dort alles in der Wohnung. Wie dann die Loggia, sein Arbeitsraum, auch noch verbaut war, hat er den Blick auf den Gürtel hinaus gehabt. Er ist mit seiner
ersten Frau viel gereist, aber wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er das nicht gemacht. Denn der Ernsti war ein richtiger Wiener, aber er war nicht nur ein Wiener, er war ein Margaretner und ein Gemeindebaubewohner.

Denn der Ernsti war ein richtiger Wiener, aber er war nicht nur ein Wiener, er war ein Margaretner und ein Gemeindebaubewohner.

Wann haben sie sich kennengelernt?
Das war im Jahr 2002, durch einen reinen Zufall. Mein Sohn hat sich damals vegan ernährt und dadurch gesundheitliche Probleme gehabt. Und ich habe in der Zeitung gelesen, dass der Herr Hinterberger sich als Buddhist selbst auch vegan ernährt und ich wollte ihm sagen, dass er „g’scheit essen“ soll und habe seine Nummer aus dem Telefonbuch rausgesucht und wäre er an diesem Tag nicht „z’ Haus“ gewesen, hätten wir uns nie kennengelernt.

Wissen Sie noch, was Sie gesagt haben?
Ich habe gesagt: „Herr Hinterberger, ihre Bücher zu lesen ist für mich ein Vergnügen. Ich bitte Sie, essen Sie auch Eiweiß, sonst werden Sie in Ihrem Alter auch Probleme
kriegen. Und dann können Sie vielleicht nicht mehr schreiben und das wäre schade.“ Außerdem habe ich mich dran erinnert, dass es in der Nähe des Gemeindebaus
ein Lokal gegeben hat, in dem ich mit meinem Vater öfter war und in dem sich unsere Volleyballmannschaft getroffen hat. Dann hat er gesagt: „Jo, das ist eh bei uns im
Gemeindebau g’wesn“, und hat mich nach dem Namen meines Vaters gefragt. Der hat gesagt: „Ja, den Joshi kenn i eh“. Dann haben wir uns, bei ihm in der Wohnung,
getroffen und sechs Stunden geplaudert und nach zwei Wochen war uns schnell klar, dass wir zusammengehören.

Was war Ihr erster Eindruck von der Gemeindewohnung?
Es war eine kleine Wohnung. Auf der Toilette waren viele Regale. Das Vorzimmer war so klein, dass für zwei Leute kein Platz war. Das Wohnzimmer war mit typischen 70er-Jahre Möbeln eingerichtet, in Braun. Braun war die Lieblingsfarbe der ersten Frau meines Mannes und des is eine Farbe, die ich absolut ned mog. (lacht)

Welche Werke hat Ernst Hinterberger in der Gemeindewohnung geschrieben?
Sämtliche. Er hat in der verbauten Loggia geschrieben, das war sein Arbeitsraum, da hat er sich sehr gern aufgehalten. Da war sein Schreibtisch. Dort stand zuerst
seine alte Olivetti-Schreibmaschine und später ein Computer.

Also den „Kaisermühlenblues“, „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und auch den „Trautmann“ hat er im Gemeindebau und auf seiner Schreibmaschine im Gänsehäufel geschrieben.

Wissen Sie, wie Ihr Mann auf die ganzen Charaktere, wie den Mundl und
die Leute aus dem Kaisermühlenblues gekommen ist, hat er sich die Leute
angeschaut, oder recherchiert?

Das war, wie man so schön sagt, ein gemischter Satz. Aus verschiedenen
Typen, die er gekannt hat im Laufe seines Lebens, hat er von jedem ein bisserl was genommen.

Wie war das beim Trautmann?
Mein Mann wollte ja mal zur Polizei gehen. Er hat gesagt, der Trautmann muss ein gestandener Mann sein. Er war dann zufällig im Rabenhoftheater und hat sich dort
vom Böck und vom Hirschal „Wienerlieder“ angehört. Und dann hat er gesagt: „Der Böck, der ist es.“

Was glauben Sie, hätte Ihr Mann gesagt, dass der Gemeindebau, in dem er gewohnt hat, nach ihm benannt wurde?
Er wäre sehr gerührt gewesen. Als Buddhist waren ihm ja Ehrungen nicht so wichtig, aber er hat sich trotzdem immer sehr darüber gefreut.

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