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Des is a Theater

Von außen sieht man es dem Theater an der Wien wirklich nicht an: Hier in der Linken
Wienzeile, in dem Haus, in dem Beethoven seine Oper „Fidelio“ komponierte und wo heute ein wunderschöner, mit Noten verzierter VALIE-EXPORT-Paravent das Foyer bereichert, steht man in einem Gemeindebau. Besser gesagt, in einem von Wiener Wohnen verwalteten Altbau, der 1960 von der Gemeinde Wien um den Kaufpreis von 16 Millionen Schilling von der Familie Marischka erworben wurde.

Betritt man heute das Theater, in dem bis 2005 hauptsächlich Musicals wie „Cats“, „Das Phantom der Oper“ oder „Elisabeth“ aufgeführt wurden, taucht man in die späten
1950er-Jahre und 60er-Jahre ein und findet kunstvolle Bodenmosaike und Lampen, die rund um den nahen Naschmarkt in bourgeoisen Vintage-Geschäften zu horrenden
Preisen über den Ladentisch wandern würden.

Der von Otto Niedermoser gestaltete Eingangsbereich beherbergt die Garderoben und den Vorraum. Verlässt man diesen, verlässt man auch den Gemeindebau. Denn die Stiegen, die, mit einem roten Teppich belegt, durch einen niedrigen Gang zu den Logen und zum Zuschauerraum führen, befinden sich schon im Nachbarhaus, ebenfalls ein Altbau.

Dort steht Philipp Wagner: Mit seinem blau-schwarz karierten Anzug, der orangen Krawatte und dem gleichfarbigen Stecktuch erinnert er ein bisschen an einen britischen Gentleman. Er führt seit zehn Jahren Schulklassen sowie kultur- und architekturinteressierte Menschen durchs prunkvoll verzierte Haus. „Das Theater an der Wien hat eine bewegte Baugeschichte und wurde im Lauf der Zeit wiederholt verändert und restauriert. 1902 wurde das Vorderhaus zur heutigen Linken Wienzeile abgerissen und nach Plänen der Theaterarchitekten Fellner & Helmer durch ein vierstöckiges Miethaus ersetzt, das heute ein Haus von Wiener Wohnen ist.“ Philipp Wagner weiß, wovon er spricht. Jeder Satz, jede Geschichte geht ihm leicht von den Lippen. Er hat Routine in dem, was er tut.

Ebenso wie seine KollegInnen im Theater. Heute steht die Oper „Peer Gynt“ auf dem Programm. Auf der Bühne arrangieren die Techniker bereits Maibäume und Essenskörbe. Dahinter stapeln sich Kulissen und eine weiße Limousine. Zahlreiche Scheinwerfer ragen über der Drehbühne auf, um die SängerInnen in ca. zwei Stunden ins optimale Licht zu rücken.

Im Orchestergraben werden bereits die Instrumente des ORF-Radiosymphonieorchesters Wien aufgebaut und gestimmt, denn die Oper wird vom ORF Radio live übertragen. Die BilleteurInnen gehen durch die Reihen und Logen, um zu kontrollieren, dass ja nichts den Fluchtweg verstellt, bevor die Polizei, die Feuerwehr, die Sicherheitstechnik und der Baurat ihren täglichen Rundgang vor der Vorstellung machen. Dieser findet täglich statt, um die Sicherheit aller BesucherInnen zu gewährleisten. Bei einer einzigen Vorstellung sind ca. 150 MitarbeiterInnen des Theaters im Einsatz.

Einer von ihnen ist der Tonmeister, der in seiner Loge im ersten Rang den besten Überblick über das ganze Theater hat. Aufgrund der hervorragenden Akustik des Hauses singen die SängerInnen unverstärkt, auch das Orchester spielt quasi „pur“.

Der Tonmeister ist für die Tonzuspielungen und Soundeffekte sowie für das Monitoring vom Orchestergraben auf die Bühne zuständig und verstärkt mit seiner
Arbeit das Gesamterlebnis „Musiktheater“ mit all seinen Facetten. Auf seinem Pult liegt die Partitur von „Peer Gynt“. Um 19 Uhr, wenn er den ersten Regler seines Mischpultes hochdreht, verstummen die Stimmen im Publikum, sämtliche Augen und Ohren richten sich auf die Bühne und alle warten gespannt auf den ersten Ton des Opernabends.

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